Lokale Beiträge aus der Region Gießen - Jetzt michmachen »

Der Computer Doktor in Gießen - Reparatur, Service, Schulung - klicken und mehr lesen »



Drucken PDF E-Mail
Beitrag ausdrucken PDF erstellen per E-Mail senden Bearbeiten
       
Gießen war im Visier der Sauerland-Zelle
Kreis Gießen - Gießen
Geschrieben von: Anzeigerlokal
am: Freitag, 31. Oktober 2008 um 13:04 - Gelesen: 4978 mal

Die drei mutmaßlichen Terroristen der sogenannten Sauerland-Zelle hatten Gießen für einen Sprengstoffanschlag mit einer Autobombe im Visier. Dies berichtet unter anderem die New York Times (NYT) und die Washington Post. Demnach soll laut Abhörprotokollen, die dem Anzeiger vorliegen, ein Angriff auf eine Discothek diskutiert worden sein, in der bevorzugt amerikanische Soldaten verkehrten.

Als ein Kommando der GSG9 am 4.September 2007 ein Ferienhaus in Medebach-Oberschledorn stürmte, war das der Höhepunkt der größten Polizeiaktion gegen mutmaßliche Terroristen seit der Entführung von Hanns-Martin Schleyer durch die RAF. Fritz G., Daniel S. und Adem Y. wurden festgenommen, weil sie anscheinend mit Autobomben an verschiedenen Orten in Deutschland planten, ein Blutbad anzurichten. Sie gehören nach Angaben der Bundesanwaltschaft der international operierenden "Islamischen Jihad Union" (IJU) an. Schockierend real war mit einem Mal der internationale Terrorismus in die Welt der heilen Nachbarschaft eingebrochen. Der mutmaßliche Anführer ist ein Deutscher, aufgewachsen in gutbürgerlichen Ulmer Verhältnissen, der mit 15 Jahren in den Sog der radikalen Islamistenszene geriet.

Am 2. September hat die Bundesanwaltschaft nun Anklage gegen die drei Männer erhoben. Der Prozess wird vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf stattfinden. Dort muss sich das Trio unter anderem wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sowie wegen der Vorbereitung eines Sprengstoffverbrechens verantworten. Einen Termin für den Prozess gibt es noch nicht. Adem Y. ist es, der in einem abgehörten Gespräch Gießen als einen von drei möglichen Anschlagsorten nennt, nachdem Mannheim von Fritz G. ins Spiel gebracht worden ist. Dort gebe es "richtig große amerikanische Discos". Weiter sagt Adem Y.: "Meinst du nicht, 150 Kilo wenn man die fünf Meter neben der Disco explodieren lässt, nach 150 Kilo fetzt doch alles weg, oder." Im Juli 2007 in einem zuvor verwanzten Mietwagen wird viel über mögliche Anschlagsziele diskutiert. Vorbild für das Attentat sollte ein Anschlag in Bali im Oktober 2002 sein, bei dem 202 Menschen getötet worden waren. Zunächst sollte eine kleinere Bombe gezündet werden, um eine Panik auszulösen, um die Menschen auf diese Weise auf die Straße zu bringen. Nach der Ankunft von Polizei und Rettungskräften sollte laut Informationen der New York Times eine weitaus größere Explosion erfolgen, mit der Absicht, die größtmögliche Zahl an Opfern zu verursachen.

Weit entfernt von Bomben mit erheblicher Zerstörungskraft waren die Verdächtigen anscheinend nicht. Monatelang hatte die Polizei das Trio verfolgt. Währenddessen sollen die Männer zwölf Fässer mit Wasserstoffperoxid in einer Garage im Schwarzwald deponiert haben. Daraus hätte sich eine Sprengkraft von mehr als 400 Kilogramm TNT produzieren lassen, genug für mehrere Autobomben. Zünder sollen ebenfalls vorhanden gewesen sein. Als sie, der Anklage zufolge, aus der geruchslosen Substanz die Bomben herstellen wollten, griffen die Sicherheitskräfte zu. Fraglich ist, welche Discothek die mutmaßlichen Terroristen mit Blick auf Gießen im Sinn hatten. Zu diesem Zeitpunkt, also im Juli 2007, wurde die US-Kaserne "Giessen Army Depot" und alle dazugehörigen Einrichtungen in Gießen nach mehr als 60 Jahren geräumt. Der Army eigene "Woodland Club", das naheliegendste Ziel für einen terroristischen Angriff, war zu diesem Zeitpunkt längst geschlossen, nämlich seit Juni 2003. Der "Alpine Club" war ohnehin nicht als Disco bekannt. "Es ist nur noch eine handvoll Soldaten da, spätestens zum Herbst wird niemand mehr hier sein", sagte Petra Roberts Ende August 2007 als Sprecherin der US-Garnison Gießen-Friedberg. Am 28. September wurde die amerikanische Fahne auf dem mehr als 200 Hektar großen Areal eingeholt, auf dem bis zu 13000 Soldaten mit ihren Familien arbeiteten und wohnten.

Dies lässt nur zwei Überlegungen zu: Entweder waren die mutmaßlichen Terroristen schlecht informiert oder sie planten einen Anschlag auf eine zivile, von den wenigen, verbliebenen Amerikanern bevorzugte Diskothek der Stadt. Gießen taucht unterdessen in der am 2.September erhobenen Anklage zumindest in der Pressemitteilung der Bundesanwaltschaft nicht auf. Als Tatorte seien unter anderem Frankfurt/Main, Ramstein, Dortmund, Düsseldorf, Köln, Stuttgart oder München erwogen worden, heißt es darin. "Das schließt nicht aus, dass nicht mal während der Gespräche auch andere Orten genannt worden sind", sagt Frank Wallenta, Sprecher der Bundesanwaltschaft auf Anfrage des Anzeigers. Zugleich betont er, dass die Bundesanwaltschaft keine Unterlagen wie Abhörprotokolle an Journalisten weitergegeben habe. "Ich kann aber nicht sehen, dass es eine zielgerichtete Planung gegeben hat." Der Prozess könnte Klarheit darüber bringen.


Kommentare (0)Add Comment

Kommentar schreiben
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben. Bitte registrieren, wenn Sie noch kein Konto haben.

busy
 
 
Kreis GießenALLE BEITRÄGE ANSEHEN »
Mein anzeigerlokal Profil
Jetzt registrieren » Sie sind noch kein Autor und möchten Artikel schreiben? Registrieren Sie sich schnell und kostenlos.
Zugangsdaten vergessen?
Anmeldung für Vereine » Spezielle Anmeldung für offizielle Vereinsvertreter.
Jetzt als Verein registrieren »
Andere LandkreiseWetteraukreis

Vogelsbergkreis

Main-Kinzig-Kreis

Hochtaunuskreis

Lahn-Dill-Kreis

Limburg-Weilburg

Marburg-Biedenkopf

Aktuelle Termine

Keine Termine
Activities
X
Online Chat
X
Ihr Status: 
Verfügbar
Bitte anmelden um zu chatten.
Online Chat (0)
 
Wir haben 6488 Gäste online
Ein Angebot von:
Gieener Anzeiger
Gießener Anzeiger
Gelnhäuser Tageblatt
Kreis Anzeiger
Lauterbacher Anzeiger
Oberhessische Zeitung
Usinger Anzeiger
mittelhessen-mail.de
mittelhessen-mail.de
Tools für Webseiten
PHP Plugin WordPress Plugin RSS Webseite
Plugins Wordpress Community