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"Härtester Spaziergang der Welt"
Kreis Gießen - Biebertal
Geschrieben von: Anzeigerlokal
am: Donnerstag, 30. Oktober 2008 um 15:46 - Gelesen: 5040 mal

Da kann man noch so zahlreiche und herrliche Fotos zeigen und berichten ­ wenn man die Dinge nicht selbst erlebt hat, ist es niemals dasselbe. Dennoch gelang es Markus Waldschmidt, Oliver Reeh und Heiko Mattern, ihre Gäste auf ein ganz besonderes Abenteuer mitzunehmen und sie an ihren ganz persönlichen intensiven Gefühlen, Empfindungen und Erlebnissen teilhaben zu lassen. Sie schafften es, dem Ruf zu folgen ­ dem Ruf auf den Kilimandscharo ­ und sie schafften letztendlich ihr großes Ziel, den mit 5895 Metern höchsten freistehenden Berg der Erde bis zu seinem Gipfel zu besteigen.

Gemeinhin gilt er als der Leichteste der "großen Sieben" weltweit und in der Tat ­ technisch ist der fast 6000 Meter hohe, schneebedeckte Riese in Tansania nicht besonders anspruchsvoll. Dennoch: Untrainiert sollte man ihn, der den Himmel Afrikas trägt, keinesfalls angehen, und selbst geübte Bergsteiger und Toptrainierte hat er schon in die Knie gezwungen. Einige der jährlich rund 20000 Touristen, die den "Kili" unter ihre Wanderstiefel und Trekkingschuhe nehmen, haben das Risiko auch schon mit dem Tod bezahlt. Gegen die Höhenkrankheit ist eben kein Kraut gewachsen und die Luft wird mit jedem Meter dünner, der Anstieg beschwerlicher.

Die drei Fellingshäuser waren gut vorbereitet, bevor ihr Flieger in Richtung des schwarzen Kontinents abhob. Während Heiko Mattern und Oliver Reeh bereits auf einen gewissen hochalpinen Erfahrungsschatz zurückgreifen konnten, war Markus Waldschmidt eher ein Anfänger. Man kann die drei wichtigsten Verhaltensregeln beherzigen: Viel Aspirin, viel Schlaf, viel Trinken und absolut langsames Tempo während der fünftägigen Aufstiegsetappen. Mittels Powerpoint-Präsentation vermittelten 560 Bilder einen Eindruck von grandioser Natur und harten Strapazen. "Kilimandscharo-Besteigung ist Bergwandern, nicht Bergsteigen", werben viele Anbieter, und auch die drei Fellingshäuser hatten über einen solchen gebucht. Aber es ist mehr als nur das, sagen sie. Vor gut zwei Jahren entstand aus einer Bierlaune heraus die Idee der Kilimandscharo-Besteigung. Auf die Frage "Warum will man da hinauf?" halten es die Drei mit dem 1924 am Mount Everest tödlich verunglückten englischen Bergsteiger George Mallory, der antwortete, "weil er da ist!". Von Anfang an stand die Entscheidung fest, von den mehr als sechs verschiedenen Aufstiegsrouten die Marangu-Tour zu nehmen. Nahezu spöttisch auch als "Coca-Cola-Tour" bezeichnet, soll sie die bequemste sein. Aber da sollten auch die Fellingshäuser ihre eigenen (Grenz-)Erfahrungen machen.

Von Moschi aus war es noch rund eine Stunde Busfahrt bis zum Gate des Kilimandscharo-Nationalparks ­ rund 1700 Meter hoch gelegen. Eine leichte "Eingehtour", zur Gewöhnung an Klima und Höhe, hatte man Tage zuvor mit der Besteigung des 4562 Meter hohen Mount Meru bereits hinter sich gebracht. Dabei sollte man schon mehr als eine Ahnung von dem bekommen, was einem an Schlimmerem noch bevorstehen würde. Bei dieser letzten Trainingseinheit weit über der Wolkengrenze konnten schon erste grandiose Blicke auf den Kilimandscharo geworfen werden.

Vom Gate bis zum höchsten Punkt galt es, mehr als 4000 strapaziöse Höhenmeter mit vier Klimazonen zu überwinden. Es waren nicht enden wollende, teilweise quälende 40 Kilometer. Die ersten 730 Höhenmeter bis zum ersten Etappenziel, den Mandara Huts, ging es vier Stunden durch Regenwald. Und immer mit dabei die Guides und Träger, manchmal bewaffnete Ranger ­ zum Schutz der Bergtouristen. Auf 3700 Meter dann die Horombo Huts an der oberen Baumgrenze. Gras- und Heidelandschaft hatte man bis dahin durchquert, und der Mawenzi, der knapp über 5000 Meter hohe Nebengipfel des "Kili", kam ins Blickfeld. Hier zwei Tage Aufenthalt mit Abstecher zu den berühmten "Zebra-Rocks", den gestreiften Felsen. Der Aufenthalt diente zur weiteren Akklimatisierung. Nun galt es, noch einmal über elf Kilometer 1000 Höhenmeter zu überwinden bis zur letzten Station vor dem Gipfelsturm, den Kibo Huts.

Mitternacht zeigt die Uhr: Bitterkalt ist es, ein paar letzte Happen und heiße Getränke, dann der Aufbruch. Viele haben dort schon lange kapituliert. Die Stirnlampen brennen und lassen den Weg erahnen. Der Wille zum Durchhalten sinkt mehr und mehr, berichten die Fellingshäuser. Sauerstoffmangel vernebelt die Gedanken, erst recht die Freude auf das doch nun nahe Ziel. Serpentine um Serpentine lassen den Weg endlos erscheinen und karge Lavalandschaft mit kraftraubenden Geröllwegen zehrt ebenfalls am Durchhaltewillen. Trinken und nochmals Trinken ist lebensnotwendig in dieser extremen Höhe, doch man hatte nicht an die Kälte gedacht: Minus zehn Grad ließ die Flüssigkeit im Schlauch des Trinkrucksacks frieren ­ kein Zug war mehr möglich. Nach knapp sechs Stunden dann am Gilman-Points ­ dem Einstieg in den Kraterrand des Vulkanriesen.

Nun nochmals eineinhalb Stunden bis Uhuru Peak, dem höchsten Punkt, und der "härteste Spaziergang der Welt" war geschafft. Die Gäste im Saal des Hessischen Culinariums applaudierten anerkennend bei diesem Foto, aber Oliver Reeh, Heiko Mattern und Markus Waldschmidt bekennen, dass Psyche und Physis es nicht zuließen, die wenigen Minuten in 5895 Metern Höhe so richtig zu genießen, bis es sofort wieder an den Abstieg ging, den man dann in zwei Tagen schaffte. Erholung bei einer Safari und auf Sansibar waren wohlverdient und komplettierten einen wahr gewordenen Traum.


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