Lokale Beiträge aus der Region Gießen - Jetzt michmachen »

Der Computer Doktor in Gießen - Reparatur, Service, Schulung - klicken und mehr lesen »



Drucken PDF E-Mail
Beitrag ausdrucken PDF erstellen per E-Mail senden Bearbeiten
       
„Der Nächste bitte!“ – Haare lassen für krebskranke Kinder
Kreis Gießen - Gießen
Geschrieben von: Norfried Stumpf
am: Donnerstag, 30. August 2012 um 09:22 - Gelesen: 6678 mal
Mazar-e-Sharif/Gießen
Im Uniklinikum Gießen Marburg wurde die Abordnung der Feldjäger (3./ FJgBtl 452) und die Pressebegleitung des Landeskommandos Hessen (H Stumpf & OStFw Koppe) vom Leiter der Abteilung für Pädiatrie, Hämatologie und Onkologie, Prof. Dr. Alfred Reiter letzte Woche Donnerstag um 09:40 Uhr begrüßt.
Leider, so teilte er uns mit, könne er uns nicht begleiten, da er sich selber wegen eines Infekts unter Quarantäne stellen musste und der Terminplan zu allem Überfluss auch noch voll sei. Er freute sich aber über die Abordnung der Bundeswehr und die Spende und war, genauso wie alle anderen auf dieser Station, sehr von dieser Idee überrascht worden. Er wies auf die unendlich wichtige Arbeit des Elternvereins hin und sagte, dass dessen Arbeit wesentlich zum psychischen und dem damit einhergehenden physischen Aufbau der Kinder beitragen würde.

Wenn eine Idee als ganz kleine Flamme anfängt zu leuchten, kann sie ganz schnell zu einem Flächenbrand ausarten. Im Fall von Frau Oberfeldwebel Kira Weber kam auch noch der Zufall zu Hilfe und so kam eine Spendensumme von unglaublichen 13.000,- Euro zusammen.

Zurück nach Afghanistan. Eigentlich wollte Oberfeldwebel Weber, sie stammt aus einer Gemeinde zwischen Gießen und Wetzlar, den Kameraden der eigenen Feldjägerkompanie einen tageslichttauglichen und pflegeleichten Haarschnitt verpassen und so den Umständen Rechnung tragen, dass Hitze und Sand keine optimale Kombination sind und ein pflegeleichter Haarschnitt nur von Vorteil wäre. So nutzte die gelernte Friseurin ihre Freizeit und fing ganz klein an. Doch es blieb nicht bei „klein“ und den Feldjägern, sondern in Windeseile sprach sich die Aktion herum, so dass sie irgendwann auf ein Terminbuch zurückgreifen musste, denn nur in der Kompanie Haare schneiden – no way.
Nach ihren zum Teil 24-Std. Schichten im Rahmen des 28. DEU EinsKtgt ISAF packte sie in ihrer schichtfreien Zeit das wohlvertraute Handwerkszeug Kamm, Schere und Frisierumhang ein, um damit durch das Feldlager der ISAF-Truppen in Mazar-e Sharif zu ihren Aufträgen zu ziehen, denn auch andere Kameraden hätten gerne ihr Haar gegen einen Obulus gelassen. Zu Beginn ihrer vier monatigen Einsatzzeit, Anfang März bis Ende Juni 2012,brachte der erste große Schnitt 825,- € und der erste „Schnippel“-Tag bei der AWACS (Airborne Warning and Control System - fliegendes Frühwarnsystem der NATO) schlug gar mit ca. 1300,- € zu Buche. „Naja, wenn es 1.000,- €uro bringt dachte ich vor diesem Tag, dann ist das schon Klasse!“ erzählt sie ihre Geschichte weiter.
Jetzt kam die Idee zum Tragen, dass die Spenden ja in der Heimat an einen sozial engagierten Verein gehen könnten. Gesagt, getan. Sie nahm Kontakt mit der Heimat auf und „google“te sich durch`s Internet. Schließlich war die Idee, die Kinderkrebsstation „Peiper“ bzw. den 1982 gegründeten Elternverein für leukämie- und krebskranke Kinder, Gießen e.V. zu unterstützen, schon seit frühester Jugend in ihrem Kopf hängen geblieben, und die gezielte Suche brachte sie zur Vorsitzenden des Vereins, zu Frau Ingeborg Müller-Neuberger. „Bundeswehr? Afghanistan? Spende? Waren meine ersten Gedanken.“ sprudelt es aus Frau Müller-Neuberger.
„Da war viel Skepsis. Das alles war ja auch so weit weg für mich, und doch waren die Gespräche mit Kira von Anfang an irgendwie ganz nah!“ so die 1. Vorsitzende. Sie erfuhr am Telefon von der Idee die da quasi aus dem Nichts entstanden war und bekam ab diesem Zeitpunkt fast täglich ein Update der Spendensumme und außerdem wollte sie auch wissen, wie es Frau Oberfeldwebel Weber ging. „Ein paar Gedanken macht man sich da schon um diese junge Soldatin!“ so Frau Müller-Neuberger gegenüber dem Landeskommando. „Man ist ja schließlich auch Mutter!“. Während man in Gießen fleißig Bilder für die Soldaten malte und diese dann auf den
Postweg brachte, damit sie die Büros der Militärpolizeistation in Mazar-e-Sharif schmücken konnten, ging es in Afghanistan unterdessen munter weiter mit den Frisörterminen.
Die Listen „Kira ist hier am: ...“ wurden unter anderem bei AWACS und den Transporteinheiten der Heeresflieger mit ihren Hubschraubern vom Typ CH-53 G ausgehängt und so füllten sich die Listen zusehends und wurden immer internationaler, u.a. durch die Beteiligung der Kameraden aus den USA und Norwegen. „Die unterschiedlichsten Dienstgrade sprachen mich mit einem „Hallo Kira!“ an und da in der Freizeit nicht immer Uniform getragen wurde, habe ich den einen oder anderen „etwas“ höheren Dienstgrad unabsichtlich zurückgeduzt. Erschwerend kam hinzu, dass ich die Dienstgrade der befreundeten Nationen nicht immer kannte und so konnte ich manchmal erst am nächsten Tag erfahren, mit wem ich gesprochen hatte. Das war genauso überraschend wie total schön und wir haben auch bei diesem Einsatz wieder unheimlich viele Leute kennengelernt. Unglaublich war auch, wie sich das rumsprach und wie hoch die Bereitschaft zu Spenden war. Die anderen Aktionen schaffst du locker hieß es immer wieder“ schwärmt sie. „Teilweise musste ich durch meinen Lebenspartner Oberfeldwebel Langer die Termine notieren lassen, weil ich nicht nachkam!“ sagt sie und lächelt fröhlich in die Runde.
„Die letzten eineinhalb Monate im Feldlager brachten volle Listen und ungefähr 10.000,- Euro!“ bestätigte uns Oberfeldwebel Langer. „Der teuerste Haarschnitt, also die größte Einzelspende sagen wir mal so, betrug 1610,- Euro für einen 3mm Kurzhaarschnitt! Da kommst du schon ins Staunen und im Kopf ging die Messlatte dann auch immer höher, aber, dass wir bei 13.000,- Euro landen, das hätten weder ich noch die anderen zu Beginn für möglich gehalten!“ sinniert die sympathische Feldjägerin.
Zwischen den Gesprächen schauen immer mal wieder kleine Patienten herein, um die Soldaten einfach mal zu sehen. Es ist etwas Abwechslung und immer noch etwas Besonderes für die Kleinen in ihrem doch mitunter grausamen Alltag. Wer hier arbeitet braucht viel Kraft und Liebe!
„Magst du dir vielleicht einen Stein mitnehmen?“ fragt Oberfeldwebel Weber einen kleinen Patienten. Mit einem Lächeln greift sich der Junge einen der größeren Steine die ebenfalls zu ihrer Aktion gehörten. „Wer mochte, der konnte einen dieser kleinen Steine bemalen oder ihn einfach nur mit einem Segenswunsch oder Gruß an die Kids beschreiben!“ bemerkt sie während sie sich dem Kleinen widmet.
„Wir haben Dir noch etwas mitgebracht, weil wir wussten, dass Du ganz gespannt auf uns gewartet hast.“ sagt sie zu ihm und gibt ihm einen „Feldjäger-Stern“. „Den tragen wir an unserer Mütze.“ Und der Kleine strahlt über das ganze Gesicht und will wissen, wer denn alles im Aufenthaltsraum sitzt. Oberfeldwebel Weber stellt alle der Reihe nach vor und als die Reihe an uns von der Infoarbeit des Landeskommandos Hessen kommt, ist alles klar. Die Soldaten in der Ausgehuniform waren eindeutig weniger interessant, wir schmunzeln, für ihn sahen wir eben nicht aus wie „echte“ Soldaten. Nun kommt die Erzieherin Frau Corinna Altinkilic in die Runde und erzählt, dass er bei seiner Einschulung, auch diese findet für die kleinen Patienten im Klinikum statt, den Stern ganz fest gehalten und sich immer noch über das Geschenk gefreut hat.
Aber nicht nur den Scheck und die gut 4 Kilogramm Steine hatte Oberfeldwebel Weber im Gepäck, auch eine Autogrammkarte von Til Schweiger, er stammt aus einer Stadt in der Nachbarschaft von Gießen, und was viel besser ankam – ein Fotobuch u.a. vom Einsatz in Mazar-e-Sharif. Frau Ingeborg Müller-Neuberger, Frau Marie-Louise Rösch und die Erzieherin Frau Corinna Altinkilic ließen sich die einzelnen Bilder genau erklären und so kam es zu einer Kurzbeschreibung über die Arbeit der Feldjäger und den Einsatz in Afghanistan. Jetzt waren die Frau Oberfeldwebel Weber begleitenden Kameraden, Hauptmann Karkour (Kompaniechef) und Oberstabsfeldwebel Arndt (Kompaniefeldwebel) gefragt, die ihre Eindrücke und Erfahrungen mit einbringen konnten oder besser gesagt mussten, denn für die drei Damen war das Thema Bundeswehr ein Buch mit sieben Siegeln. Während deren Schilderungen gab Frau Müller-Neuberger auch immer wieder einen kurzen Abriss über die Entstehungsgeschichte des Elternvereins. „Das Erste, was wir seinerzeit nach der Gründung mit den Spenden gemacht haben, war der Kauf von „Großen“ Stühlen. Es gab hier nur Kinderstühle und selbst die Erwachsenen mussten darauf sitzen. Das fanden wir unmöglich und so fing unser Engagement eigentlich mit etwas ganz alltäglichem an.“
Später ging es über den Kauf eines Hauses, das gegenüber der damaligen Kinderklinik lag und zu einer Art Hotel umgebaut wurde, um für die Kinder und Eltern den Aufenthalt nahe beieinander zu ermöglichen, das „Ronald McDonald-Haus“, einer Stiftung, zur „Tour Peiper“ der heutigen „Tour der Hoffnung“, zu dem was wir heute machen. Unser Vorstand besteht ausschließlich aus betroffenen Eltern und so ist das Engagement entsprechend hoch! 30 Jahre Elternverein hießen nicht nur viel Leid, sondern auch viel Freude, wenn wir wieder eines der Kinder als geheilt entlassen konnten. Eine Aufgabe die unendlich viel bringt!“ Ein schöneres Schlusswort kann man sich angesichts dieser Arbeit nicht vorstellen. „Ich glaube letztendlich waren es gut 400 Haarschnitte, die ich im Feldlager in Afghanistan gemacht habe und die den Kindern, ihren Eltern und dem Verein ein wenig Luft geben.“ freut sich Frau Oberfeldwebel Weber. Die Spende geht in voller Höhe an den Elternverein, der neben Spielsachen auch die Arbeit von Erzieherinnen bezahlt und den ebenfalls für sie tätigen Ambulanzdienst (Schwestern und ErzieherInnen) damit unterhalten wird.
Was mir während dieser eineinhalb Stunden der Gespräche und des Interviews immer wieder aufgefallen ist- ein buntes Armband. Sowohl Oberfeldwebel Weber, als auch Oberfeldwebel Langner tragen es. „Ein ganz wichtiger Spruch steht da geschrieben, der auch dazu führte, dass wir immer wieder Nachschub von Frau Müller-Neuberger anfordern mussten – „Eins werd` ich nie tun - AUFGEBEN!“ und man sieht ihr und ihrem Lebenspartner an, dass sie das Armband nicht nur einfach so tragen. Es war ein Vergnügen diese sympathische und engagierte junge Frau und Soldatin an diesem speziellen Ort erleben und kennenlernen zu dürfen!


Kommentare (0)Add Comment

Kommentar schreiben
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben. Bitte registrieren, wenn Sie noch kein Konto haben.

busy
Aktualisiert ( Donnerstag, 30. August 2012 um 20:23 )
 
 
Kreis GießenALLE BEITRÄGE ANSEHEN »
Mein anzeigerlokal Profil
Jetzt registrieren » Sie sind noch kein Autor und möchten Artikel schreiben? Registrieren Sie sich schnell und kostenlos.
Zugangsdaten vergessen?
Anmeldung für Vereine » Spezielle Anmeldung für offizielle Vereinsvertreter.
Jetzt als Verein registrieren »
Andere LandkreiseWetteraukreis

Vogelsbergkreis

Main-Kinzig-Kreis

Hochtaunuskreis

Lahn-Dill-Kreis

Limburg-Weilburg

Marburg-Biedenkopf

Aktuelle Termine

Freitag, 16. November 2018
ab 18.00 Uhr
bis 21.30 Uhr
Kochevent „Pasta – che passione!“
Samstag, 17. November 2018
ab 18.00 Uhr
bis 20.00 Uhr
Büchervorstellung "Ein Blick auf Italien - durch (m)eine Lesebrille"
Sonntag, 18. November 2018
ab 18.00 Uhr
bis 21.00 Uhr
Finissage: Konzert "Momenti Musicali - Von Oper bis Ramazzotti"
Activities
X
Online Chat
X
Ihr Status: 
Verfügbar
Bitte anmelden um zu chatten.
Online Chat (0)
 
Wir haben 3295 Gäste online
Ein Angebot von:
Gieener Anzeiger
Gießener Anzeiger
Gelnhäuser Tageblatt
Kreis Anzeiger
Lauterbacher Anzeiger
Oberhessische Zeitung
Usinger Anzeiger
mittelhessen-mail.de
mittelhessen-mail.de
Tools für Webseiten
PHP Plugin WordPress Plugin RSS Webseite
Plugins Wordpress Community