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Quo vadis, Glühlampe
Main-Kinzig-Kreis - Gelnhausen
Geschrieben von: Dr. Carsten Kettner
am: Mittwoch, 31. August 2011 um 07:25 - Gelesen: 7702 mal
Diese Frage ist berechtigt, dürfen doch ab morgen, dem 1. September keine 60W-Glühlampen mehr produziert werden – auch wenn das gestrige heute-journal behauptete, ab morgen dürften diese nicht mehr im Handel angeboten werden. Der Abverkauf der vorhandenen Ware ist nach wie vor möglich und führte bereits auch schon zu Hamsterkäufen in Baumärkten.

Die Antwort ist hingegen leicht: Die 60W-Birne wird, wie ihre Vorgänger, die 75- und 100W-Birnen Geschichte und nur noch Gegenstand nostalgischer Gespräche werden.

Der Sinn und Zweck dieser von der EU angeordneten Maßnahme hingegen erschließt sich hingegen nicht. Vordergründig wird behauptet, die Birnen würden zuviel Energie verschwenden; der miese Wirkungsgrad ist nicht von der Hand zu weisen, 90 bis 95% der eingesetzten Energie wird in Wärme umgewandelt und nur ein Bruchteil in Licht. Daher wären Energiesparlampen (ESL) mit niedriger Leistung (Sie kennen das doch auch: 15W ESL = 60 W Birne?) ein adäquater Ersatz und Beitrag zur Senkung des Energieverbrauchs. Die Kehrseite der Medaille sieht hingegen völlig anders aus.
Ohne dies nun in die Tiefe zu diskutieren, seien einfach ein paar Begriffe ins Diskussionsfeld geworfen.

a) Lichtausbeute: Die Lichtausbeute (besser Lichtstrom, also, das, woran wir eigentlich bei der Beleuchtung interessiert sind) wird in Lumen beziffert. Eine herkömmliche 60W-Birne hat ungefähr einen Lichtstrom von rund 600 Lumen. Der Lichtstrom von ESL ist deutlich geringer. Wie gering, darüber schweigen sich die Hersteller auf den Verpackungen aus, obwohl dies neben der Wattzahl und Lichtfarbe angegeben werden müßte. Ein wichtiges Vergleichskriterium angesichts der Unzahl verschiedener ESL in verschiedenen Preissegmenten.

b) Lichtfarbe: Von kaltweiß bis mittlerweile hin zu Warmtönen gibt es alles bei den ESL. Jedoch ist das Farbspektrum der ESL äußerst fragmentiert und schmal, im Gegensatz zur Birne, deren Farbspektrum sehr ausgewogen ist. Daher erscheinen bspw. Photos, Gardinen, Möbel etc. unter verschiedenen ESL farblich sehr „abwechslungsreich“.

c) Sparpotential: Rechnen wir doch einfach mal: Der Betrieb einer 60W-Birne über 10 Stunden kostet ca. 12 Ct, der einer vergleichbaren ESL 3Ct. Hier steckt also der Faktor vier zuungunsten der Birne drin. Allerdings kosten ESL 5- bis 10mal mehr als Birnen. Aus persönlicher Erfahrung kann ich die lange Haltbarkeit (10.000 h vs. 1000 h) der ESL gegenüber der Birne nicht bestätigen. Die höheren Kosten lassen sich also nicht zwingend über die längere Laufzeit auffangen. Darüber hinaus ist im Privathaushalt der Stromverbrauch durch Licht der geringste Posten auf der Stromrechnung.

d) Entsorgung und Betrieb: Die klassische Birne besteht aus Glas, etwas Wolframdraht und relativ wenigen und gewöhnlichen Metallen (Blech, Kupfer) und kann problemlos im Hausmüll entsorgt werden. Die ESL offeriert einen wahren Cocktail aus Glas, Porzellan, Kunststoffen, Seltenen Erden, Quecksilber etc. und darf gerade wegen des Quecksilberanteils nicht im Hausmüll entsorgt werden. WDR-Markt zeigte darüber hinaus am vergangenen Montag (29.08.), daß sogar beim Betrieb der ESL Dämpfe bestehend aus Phenolen, Styrol, Tetrahydrofuran und weiteren potentiell krebserregenden Stoffen in signifikanten Konzentrationen ausgegast werden (http://www.wdr.de/tv/markt/sendungsbeitraege/2011/0829/06_gluehbirnen.jsp).

Es stellt sich daher also die Frage nach der Risikoabwägung. Verbraucht man lieber etwas mehr Energie und betreibt einen sicherlich technisch überholten Lichtproduzenten, oder spart man lieber auf Kosten von Umwelt und Gesundheit? Aufgrund der EU-Verordnung kann diese Entscheidung nicht mehr individuell gefällt werden.

Es schließt sich daher die Frage nach den wahren Interessen an: Wer profitiert tatsächlich von dieser EU-Verordnung? Um Strom zu sparen, gibt es eine ganze Reihe leicht umsetzbarer Maßnahmen, wie z.B. den Verbot von Stand-by-Schaltungen (oder die Schaltersteckdose), aber auch ein genaues Hinsehen zu den wahren Stromfressern. Ist es nicht bemerkenswert, daß einerseits auf die Glühbirne geprügelt wird, während gleichzeitig die TV-Geräte immer größer werden, immer mehr elektrische Helferlein den Haushalt erobern und immer mehr elektrische Geräte rund um die Uhr laufen (Computer, Router etc.)? Warum setzt die EU-Kommission nicht hier an?

Meine These zu den wahren Interessen ist, daß man mit der herkömmlichen Glühbirne kein Geld mehr verdienen konnte. Osram, Philips und Co haben als ESL-Hersteller schlicht gute Lobby-Arbeit geleistet. ESLs gibt es seit mehr als 20 Jahren; sie konnten sich aber in der Breite gegen die Glühbirne nicht durchsetzen. Also bedurfte es etwas politischer Schützenhilfe unter dem Deckmäntelchen von Umweltschutz und Energiesparen.
Wetten, die Preise für ESL bleiben auch nach dem völligen Verschwinden der Glühbirnen auf dem Markt auf hohem Niveau? Bisher wurden die hohen Preise mit der geringen abverkauften Stückzahl argumentiert. Die spätere hohe Nachfrage wird die Kassen der Hersteller jedenfalls klingeln lassen – mangels Alternativen des Verbrauchers.
Was meinen Sie?, fragt Carsten Kettner


Kommentare (5)Add Comment
Peter Kleinsorge
geschrieben von Peter Kleinsorge, August 31, 2011
Neben guter Lobbyarbeit kommen auch andere Ursachen in Frage...
Hallo Herr Kettner,

es ist durchaus im Bereich des möglichen, dass die ESL-Hersteller eine erfolgreiche Lobby-Arbeit geleistet haben und wir dieser Lobby die EU-Verordnung unter anderem verdanken. Solch ein Verdacht drängt sich heutzutage häufiger auf, dass weniger die Parteien bzw. die Politiker Gesetze machen, sondern Lobbyisten. Dies scheint aber ein parteiübergreifendes Phänomen zu sein...

Ich persönlich glaube, beim Erstellen der EU-Verordnung war auch ein Gutteil Aktionismus dabei. Wenn ein Thema öffentlich diskutiert wird, kommt es in der Politik öfter vor, dass nicht die Sinnhaftigkeit einer Maßnahme entscheidend ist, sondern dass überhaupt eine Maßnahme getroffen wurde. Ein Schelm, wer dabei an eine möglichst plakative Maßnahme denkt, noch besser wenn diese Maßnahme der Wirtschaft nutzt. Da fällt mir auf Anhieb E10 ein...

Ferner erwecken solche Verordnungen in mir den Verdacht, dass umweltpolitische Laien auf einmal Umweltpolitik machen wollen - koste es was es wolle. Da schrecken auch Berichte von austretendem Quecksilber, bei der Altlampenentsorgung, nicht ab.

Fazit:

Ich habe mir einen Vorrat an Glühbirnen zugelegt, für die Räume die ich lieber mit einer Glühbirne beleuchten möchte.

Grüße

Peter Kleinsorge
Peter Kleinsorge
geschrieben von Peter Kleinsorge, September 01, 2011
Energiesparlampen kommen die Verbraucher teuer zu stehen....
Heute morgen wurde im Radio gemeldet, dass die ESL-Hersteller die Preise für ihre Produkte um bis zu 25% anheben werden. Begründet wurde dies mit gestiegenen Rohstoffkosten.

Es mag jeder Verbraucher für sich selbst entscheiden, ob er den ESL-Herstellern die Begründung für ihre Preiserhöhung abnimmt, aber in meinen Augen sieht es so aus, als ob die ESL-Hersteller eine riesige Gelddruckmaschine, zu Lasten der Verbraucher, anwerfen wollen...

Peter Kleinsorge
Dr. Carsten Kettner
geschrieben von Dr. Carsten Kettner, September 01, 2011
Ein Schelm...
...wer Böses denkt.
Quod erat demonstrandum, Herr Kleinsorge.

Osram begründet die Preissteigerung um bis zu 25% mit entsprechenden Preissteigerungen bei den Seltenen Erden. Jetzt, wo der Verbraucher nicht mehr zu preisgünstigeren Produkten ausweichen kann (Kerze?), wird er effektiv gemolken.

Gibt es eigentlich einen Preis für die beste Lobbyarbeit, vergeben von abgezockten Verbrauchern?

Carsten Kettner
Peter Kleinsorge
geschrieben von Peter Kleinsorge, September 01, 2011
Den Preis müssen wir unbedingt erfinden...
Hallo Herr Kettner,

leider gibt es keinen solchen Preis...

Ich sehe da ein Problem, solch ein Preis müsste inflationär vergeben werden, ob der Zahl von Fällen wo Verbraucher, als Folge von erfolgreicher Lobbyarbeit im Sinne der Auftraggeber, erfolgreich abgezockt werden.

Vielleicht sollte ein Preis an Parteien / Politiker vergeben werden die sich besonders hervortun wenn es darum geht die Interessen von Lobbyisten zu vertreten, auch wenn es zu Lasten der Verbraucher geht.

Da solch ein handeln wenig sympathisch ist, könnte hier der Blutegel in Gold, Silber und Bronze vergeben.

Die armen Blutegel, die können ja nichts dafür, alternativ wäre auch denkbar die Pappnase in Gold, Silber und Bronze zu vergeben, bei Wiederholung gibt es die Narrenkappe in Gold, Silber und Bronze. Die Preisträger sind verpflichtet Ihre Preise beim nächsten Wahlkampf vollständig anzulegen.

Da haben wir wenigstens alle 4 Jahre etwas zu lachen...

Peter Kleinsorge
Rolf Kunert
geschrieben von Rolf Kunert, September 02, 2011
Sparen, dann aber bitte richtig und freiwillig
Einige Aspekte der sogenannten Umweltpolitik in Deutschland und in der EU sind absoluter Etikettenschwindel. Sie nennen es Umweltpolitik, denn die Industrie gehört ja auch zu unserer Umwelt.
Die Glühbirne zu verbieten, die zwar 95 % Wärme und nur 5 % Licht abgibt, ist schon deshalb Unsinn, weil die meisten Räume, die mit einer Glühbirne beleuchtet werden, kaum mehr als 15 Minuten benutzt werden am Tag. Dafür aber bis zu 10 Mal ein- und ausgeschaltet werden. Allein das Zünden einer Leuchtstoffröhre erfordert kurzzeitig bis zu 1000 Watt Leistung, auch wenn danach nur ein paar Watt elektrische Arbeit verbraucht werden. Sie müsste stundenlang leuchten, um die Glühbirne bei der Ersparnis einzuholen. Bei sogenannten „Energiesparlampen“ ist es nicht so krass aber ähnlich. Das Aus- und wieder Einschalten innerhalb von 10 Minuten ist auch bei diesen Humbug und weder für das Stromnetz gut, noch für den Verbraucher eine Ersparnis bei Anschaffungskosten mit dem Faktor x 10-15.
Konkret, wer auf der Toilette „Pipi“ macht, braucht dafür in der Regel keine 10 Minuten, also ist eine Sparlampe in der Toilette Unsinn. Auch durch den Flur oder in den Keller geht man meist nur ein paar Sekunden, in vielen Zimmern brennt eine Glühbirne im Schnitt nicht länger als 5 – 20 Minuten täglich. Ergo, nur im Wohnzimmer macht die Sparlampe Sinn, vielleicht noch in der Küche und das war es dann auch schon. Spareffekt Null. Da ich persönlich das Licht nicht ausstehen kann, bleibe ich bei meinen Halogenlampen, die machen wenigstens warmes Licht und bringen einen gewissen gewünschten Wärmeeffekt und haben daher doppelten Nutzen für mich. Was die Glühbirne auch hat. Aber das wird ignoriert. Die Industrie will ihren Industriesondermüll gerne verkaufen, aber garantiert nicht zurücknehmen wenn die vorzeitig die Grätsche machen.
In der Tat braucht heute ein TV bis zu 10 Mal mehr Strom als früher (400 : 40 Watt). Die PCs laufen Tag und Nacht und oft befindet sich nicht nur einer in jedem Haushalt. Auch das sind am Tag 2-3 Kw/h, soviel verbrauchen Glühbirnen niemals. Da ist das Glühbirnenverbot so sinnvoll wie im Auto die Handschuhfachbeleuchtung auszuschalten. Darüber hinaus haben wir in fast jeder Wohnung/Haus ca. 20 kleine Transformatoren, die von 230 Volt auf 12 Volt umspannen, weil die meisten Geräte auf 12 Volt laufen. Das allein ist umweltpolitisch gesehen der größte Irrsinn. Da geht in Deutschland mehr Strom ungenutzt flöten (es gibt glaube ich keine Studie darüber, warum eigentlich nicht?), als wahrscheinlich mehrere Großkraftwerke produzieren können. Änderungen? Nicht in Sicht.
Sparen ist gut, aber bitte dann richtig und an einer sinnvollen Stelle. Und dadurch, dass man die Bürger überzeugt zu sparen und nicht Sie unter fadenscheinigen Gründen dazu zwingt, denn das machen Diktaturen nicht aber Demokratien und erschüttert das Vertrauen in die Politik immer mehr.

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