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Endlich Strom für die Ziegelhütte, Petroleumlampen hängen noch
Wetteraukreis - Hirzenhain
Geschrieben von: Bernd Schröder
am: Freitag, 12. August 2011 um 19:02 - Gelesen: 8894 mal
so beschrieb die heimische Presse im Jahr 1958 ein besonderes Ereignis.
In wenigen Tagen gibt es für die Familie Winter auf dem einsamen Ziegelhütten-Gehöft zwischen Glashütten und Eichelsachsen ein ausgesprochenes Lichtfest. Dann werden nämlich auch für die Winters Petroleumlampen und Propangasleuchten endgültig der Vergangenheit angehören. Was für alle schon zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist, können Erwin und Emma Winter und die beiden Kinder frisch auskosten: ein Knipsen am Schalter – und das Licht brennt. Darum sagte Frau Emma Winter: „Das erste, was wir uns anschaffen, sind ein Radio und ein Bügeleisen.“ Für das stromlose Gehöft zwischen dunklen Waldrändern begann der Versuch, den Anschluß an die Technik zu finden, vor zwei Jahren. Damals beantragten die Besitzer bei den Überlandwerken den Stromanschluß. Jetzt, wo das Geld aus dem Grünen Plan auch für die Stromversorgung der Landwirtschaft fließt, kann der Anschluß gelegt werden. Die Leitung für die Ziegelhütte wird über eine Strecke von fast anderthalb Kilometern gezogen. Schwere Betongusspfeiler werden in Zukunft den Weg in Richtung dieses stillen Hofes weisen, der jeweils zwei runde Kilometer von den Gemeinden Glashütten und Eichelsachsen in der Nähe der Verbindungsstraße liegt. Der „Anschluß an die Zeit“ kostet allerdings auch Geld. Nicht wenig übrigens, nämlich über 15000 Mark, wovon die Familie Winter runde 10 000 Mark aus eigener Tasche aufbringen muß. Die Überlandwerke gewähren ein Darlehen. Der Restbetrag kommt als Bundeszuschuß aus dem Grünen Plan. Für die Familie Winter ist das alles nicht einfach, gestehen die Ziegelhüttenbesitzer ein. Sie bewirtschaften rund um das Haus eine 5,7 Hektar große Landwirtschaft. „Ginge ich bei den Buderus-Werken in Hirzenhain nicht noch arbeiten, könnten wir uns den Lichtanschluß gar nicht leisten“, sagte Erwin Winter. Während draußen, vor dem Haus, schon die Versorgungsständer mit den im Sonnenlicht blitzenden Isolierteilen liegen, hängen in den Wohnräumen der idyllischen Ziegelhütte noch die Petroleumlampen, die bis 1953 tatsächlich mit Petroleum gespeist wurden. Seitdem flammte an jedem Abend hinter den Fenstern im Fachwerk das Licht aus Propangas auf. Das Radio, seit 1938 im Haus stehend, läuft über Batterie. „Aber man kann eben doch nur den Frankfurter Sender hereinbekommen“, schildert Frau Emma das nun auch für sie bald Ungewöhnliche. Übrigens: in diesem Jahr kam schon ein Anschluß der Ziegelhütte an die neue Zeit zustande. Die Verbindungsstraße von der Verkehrsader Glashütten – Eichelsachsen bis zum Hof wurde gebaut. Das Land Hessen kam dabei für die Gesamtkosten auf. Ein Anschluß, der den Ziegelhüttenbewohnern noch bevorsteht, hängt mit der Wasserversorgung zusammen. Ein provisorischer Brunnen im Wald (150 Meter vom Haus entfernt) spendet vorerst noch auf eine beschwerliche Art und Weise für die Menschen das kostbare Naß zum Kochen, Trinken und Waschen. Das Reservoir für die Wäschewascherei besteht aus einer ausgedienten Wanne, in der sich das Regenwasser sammelt. In Etappen also muß die Ziegelhütte die Vergangenheit überwinden: um 1700 als reine Ziegelhütte gegründet, siedelte sich hier in der Einsamkeit des Waldes 1913 der heute noch lebende und im Vogelsberg bekannte Holzschnitzer Otto Schmidt an. Nachdem 1909 in der heute noch sichtbaren Ziegelhütte der letzte Ziegel gebrannt worden ist, baute Otto Schmidt die Anlage aus. Es wurde ein Hof mit Wohngebäude und Stallungen. Die historische Hütte dient seitdem einem neuen Erwerb: der Landwirtschaft. (jop) Nachschrift des historischen Zeitungsartikels, der im Gastraum der Ziegelhütte ausgehängt war und dort bis zum Ableben des letzten Inhabers Manfred Winter nachgelesen werden konnte.
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