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Hysterie und Panik in Gelassenheit umwandeln
Kreis Gießen - Gießen
Geschrieben von: Anzeigerlokal
am: Dienstag, 21. Oktober 2008 um 14:37 - Gelesen: 4206 mal

"Die Stimmung und die Furcht, das Ende stehe nahe bevor, kommt immer wieder", stellte Matthias Horx (Kelkheim), Deutschlands wohl bekanntester Zukunftsforscher, vor 250 Gästen in der Gießener Uni-Aula fest, wohin die Geschäftsstelle Gießen II des Finanz- und Vermögensberatungsunternehmens MLP anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens eingeladen hatte. Sein Thema war die "Zukunftsgesellschaft". Horx sieht seine Aufgabe als Zukunftsforscher darin, "Hysterie und Panik in Gelassenheit umzuwandeln". Das war zuletzt im globalen Umfang unter dem Stichwort "11. September 2001" so und ist in der aktuellen weltweiten Finanzkrise ebenso. "Untergangsstimmung" sei aber angesichts des aktuellen Geschehens nicht angebracht. Allerdings werde die Krise sehr wohl von interessierter Seite auch instrumentalisiert, weil sich "Krisengeschrei" nach dem Motto "Wenn alle Feuer rufen, dann haben wir tatsächlich einen Brand", auch publikumswirksamer vermarkten lasse. Eine solch "gefährliche Hysterie" aber ist laut Horx völlig fehl am Platze, wenn auch das aktuelle Geschehen dafür sorgen werde, dass das amerikanisch dominierte Finanz- und Weltwirtschaftssystem zu Ende gehe. Gleichzeitig neige sich der Wohlstandsvorsprung des Westens seinem Ende entgegen, "da sehr viele neue, aufstrebende und potente Player das Spielfeld betreten", Indien und China, Brasilien, Russland und die arabischen Länder beispielsweise.

Horx bestreitet auch die These, dass im Rahmen des "Megatrends Globalisierung" die Reichen immer Reicher und die Armen immer ärmer werden. "Globalisierung ist nicht des Teufels. Seit es den Menschen gibt und er die Welt erobert, betreibt er Globalisierung". Im Zeichen dieser Globalisierung erhielten viele Menschen die Möglichkeit, sich einen bescheidenen Wohlstand zu erarbeiten, bilde sich in der Größenordnung von etwa zwei Milliarden Menschen eine "neue globale Mittelschicht", die der Zukunftsforscher als "langsam kaufkräftig werdend der Armut entwachsen" sieht. Mit zunehmendem Wohlstand gehe zugleich die Geburtenrate zurück. Beispiel Bangladesh, wo seit 1950 die durchschnittliche Lebenswerwartung von 40 auf heute 65 Jahre angewachsen und gleichzeitig die Zahl der Kinder pro Familie von fast sieben auf gut zwei gefallen sei. Dieses Beispiel lasse sich grundsätzlich verallgemeinern mit der Folge, dass Horx das Maximum der Weltbevölkerung etwa ums Jahr 2055 bei 9,2 Milliarden Menschen erreicht sieht. Danach werde die Weltbevölkerung wieder abnehmen. Und: Je komplexer die Zusammenhänge und unauflöslicher die Globalierung wirke, um so deutlicher sinkt für Horx die Gefahr "schwerer Konflikte", was aber zugleich regionale Kriege und Gefahrenpotenziale nicht ausschließe.

Dass Frauen in Sachen Bildung aufgeholt und vielerorts die Männer schon überflügelt haben, ist laut Horx ein weitere Megatrend, der ­ wie alle Megatrends ­ mit Sicherheit robust gegen Rückschläge sein und seine Wirkung auf Dauer noch entfalten werde. In Deutschland studieren schon heute mehr Frauen als Männer. Gleiches gelte für Saudi-Arabien und den Iran, wo Frauen nach Bildung streben, während Männer "dort lieber zur Falkenjagd gehen". So ist laut Horx das Mann-Frau-Verhältnis vor allem auch ein ökonomisches, denn dort, wo Frauen vermehrt Zugang zu Gesundheit und Bildung, Wirtschaft und Politik haben, gehe es den Menschen besser. Horx sieht den Globus ­ herkommend von der Periode der Sammler und Jäger über die agrarisch-sesshafte Welt bis zum industriellen Kulturumodell der letzten 200 bis 300 Jahre ­ nun auf dem Weg zur Wissensgesellschaft, die zugleich neue "Kulturtechniken" mit sich bringen werde. So werde zum Beispiel eine "aktive Zivilgesellschaft" die Probleme lösen müssen, weil ein überforderter Staat das alleine nicht könne. Nötig ist laut Horx dazu Multikulturalität ebenso wie ein unabdingbarer Zuwachs an Bildung abseits des klassischen Akademikertums als Grundlage für eine "Könner-Kultur", die die Begabungen und Hochbegabungen aller Schichten fördere und nutze. Dazu regte Horx einen "realistischen Optimismus" an. Entgegen dem Augenschein hätten weltweit noch nie so viele Menschen Frieden und so gute neue Chancen. "Ich glaube nicht an Krisenpropaganda. Wir haben keine tiefgreifende ökomische Krise", so Horx, der in Sachen Finanzen ein wirkungsvolles globales Kontrollsystem als Folge der derzeitigen Krise voraussieht. Einer Krise, die Folge des Platzens einer Spekulationsblase sei. Solche Blasen habe es immer gegeben, schon im späten Mittelalter, und sie seien immer geplatzt. "Unglücke dieser Art haben immer spezifische Gründe und sind zeitlich begrenzt."


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