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Retten, bergen, löschen, schützen – und feiern
Kreis Gießen - Reiskirchen
Geschrieben von: Anzeigerlokal
am: Freitag, 29. August 2008 um 21:18 - Gelesen: 8949 mal
Freiwillige Feuerwehr Reiskirchen begeht 75-jähriges Bestehen – Spielmannszug in Deutschland und Europa erfolgreich – Aktion „Hilf Deinem Nachbarn“
REISKIRCHEN (hs). Was am 2. September 1933 mit der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Reiskirchen begann, kann in diesen Tagen als 75-jähriges Vereinsjubiläum gefeiert werden. Versuche einer Gründung gab es schon eher durch den Kommandanten der Pflichtfeuerwehr, Heinrich Damm, allerdings scheiterten die Pläne daran, dass es von Seiten der Gemeinde keinerlei Unterstützung bezüglich der Beschaffung von Ausrüstung und Uniformen aufgrund der schlechten finanziellen Lage gab. Schließlich änderte sich 1933 mit dem Bürgermeister Wilhelm Launspach die ablehnende Haltung der Gemeinde. Eine Versammlung am 16. Juli 1933 verlief sehr positiv, so dass am 2. September anlässlich der Gründungsfeier im Saal Gundrum Heinrich Damm einstimmig zum Wehrführer gewählt wurde, der anschließend Wilhelm Launspach und Heinrich Debus zu Brandmeistern ernannte. Das Gründungsprotokoll ist noch im Original vorhanden.

Von den insgesamt 46 Gründern lebt Wilhelm Becker V. noch, der am 8. Oktober 2006 seinen 100. Geburtstag feierte und bei dieser Gelegenheit auch vom Verein und dem Blasorchester besonders geehrt wurde. 1934 wurde auch eine Feuerwehrkapelle unter der Leitung von Christian Möbus gegründet, die jedoch durch die späteren Kriegseinflüsse ihr Wirken bald einstellen musste. An Feuerlöschgeräten standen der jungen Wehr, eine Hand-, Saug- und Druckspritze (die heute einen festen Platz im Feuerwehrhaus gefunden hat) sowie ein Hydrantenwagen und eine Anlegeleiter mit Stützen zur Verfügung. 1937 konnte ein neues Gerätehaus in Besitz genommen werden, das bis zum Herbst 1980 das Domizil der Freiwilligen Feuerwehr war. 1938 wurde die Freiwillige Feuerwehr aufgrund einer Regierungsverfügung zur Feuerlöschpolizei umbenannt und geänderte Ausbildungsvorschriften brachten viele Neuerungen.

Die politischen Verhältnisse und auch der beginnende Zweite Weltkrieg mit der Einberufung vieler Mitglieder sorgten immer wieder für Veränderungen an der Spitze des Vereins und der Wehr, so dass auch schließlich zwei Frauengruppen aufgestellt und ausgebildet wurden. Am Ende des Krieges waren es wieder Heinrich Damm und Friedrich Rühl, die einen Aufruf an die inzwischen wieder heimgekehrten ehemaligen Feuerwehrmitglieder erließen, der auf fruchtbaren Boden fiel. So konnten dem Kreisverband am 1. August 1946 37 Aktive gemeldet werden. Friedrich Rühl wurde zum Ortsbrandmeister und Richard Damm zu dessen Stellvertreter gewählt. Auf Rühl folgte Heinrich Debus. Weitere Mitglieder verstärkten die Wehr und auch das freiwillige Engagement war beispielhaft. In uneigennütziger und aufopfernder Arbeit bauten Heinrich Jünger, Werner Albach, Richard Schuster und Lukas Bender einen gebrauchten Sechssitzer- Pkw zu einem Einsatzwagen um. Um die Schlagkraft der Wehr zu erhöhen, wurde eine zentrale Alarmanlage auf dem Schulgebäude in der Schulstraße installiert.

Anlässlich des 25-Jährigen vom 28. bis 30. Juni 1958 fand auch der Kreisverbandstag der Freiwilligen Feuerwehren des Land- und Stadtkreises Gießen in Reiskirchen statt. Mit dem Jubiläum ging auch ein langgehegter Wunsch mit der Anschaffung eines Vereinsbanners in Erfüllung. Die Inschrift: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut“ war Verpflichtung und sollte auch Leitbild für nachfolgende Generationen sein. Anlässlich der 1000-Jahr-Feier Reiskirchens 1975 hatte man in vielen Arbeitsstunden die örtliche Kirche maßstabgerecht im Modell auf einem Festwagen gebaut und dabei größte Bewunderung und Zustimmung erfahren, zumal die Kirche auch in der Namensgebung des Ortes eine wichtige Rolle spielt. Die Vereinsgeschichte der Freiwilligen Feuerwehr Reiskirchen ist eng mit dem Namen Karl- Heinz Scherer verbunden, der über ein Vierteljahrhundert sowohl als Vorsitzender als auch als Wehrführer fungierte und darüber hinaus auch Ortsbrandmeister der Gemeinde Reiskirchen war. Seine Verdienste wurden mit der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden und Ehrenortsbrandmeister gewürdigt. Ebenso untrennbar ist auch der Name Edwin Damm mit dem Verein verbunden, der sich viele Jahre als Wehrführer engagierte. Es fanden sich immer wieder Männer und in jüngster Zeit auch Frauen, die sich in der Feuerwehr dem Gemeinwohl zur Verfügung stellten.

Seit 2003 ist Jörg Lindenstruth Vorsitzender des Vereins und Marcus Damm Wehrführer der Einsatzabteilung. 77 EinsätzeWirft man einen Blick in die Vereinschronik bezüglich der Einsätze und vergleicht diese mit den heutigen Anforderungen, so werden große Unterschiede deutlich. War es in früheren Jahrzehnten „nur“ das Löschen“ von Bränden, so überwiegt heute vor allem das „Bergen“, „Retten“ und „Schützen“. Sind nach der Gründung 1933 bis März 1945 lediglich zwei große Einsätze registriert, darunter am 25. März 1945 ein Brand nach vorangegangenem Tieffliegerangriff auf die Straßenmeisterei an der Autobahn, so waren es im vergangenen Jahr allein 77 Einsätze verschiedenster Art. Da die Reiskirchener Feuerwehr auch für einen Autobahnabschnitt zuständig ist, bieten sich den Einsatzkräften oft grausame Bilder bei schlimmen Unfällen, die auch seelisch sehr belastend sind. Darüber hinaus stellen neue Aufgaben auch große Anforderungen an die Wehrmänner und -frauen. Um dem gerecht zu werden, sind Schulungen und Weiterbildung in hohem Maße notwendig, die vorwiegend in der Freizeit durchgeführt werden. Nicht unerwähnt bleiben soll auch die Eigengefährdung der Einsatzkräfte. Das alles erfolgt uneigennützig für die Allgemeinheit, setzt auch viel Verständnis der Familie voraus und kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Neben den vielen Übungen und Einsätzen zeigen auch Eigenleistungen der Mitglieder in vielfacher Weise das enorme Engagement.

Bei dem Bau des Feuerwehrgerätehauses an der Wieseck, das 1982 vollendet und somit rechtzeitig zum 50-jährigen Bestehen seiner Bestimmung übergeben werden konnte, zeichneten sich die Mitglieder durch große Eigenleistungen auf vielen Gebieten aus und halfen mit, die Kosten zu verringern. Das Feuerwehrhaus wird gegenwärtig erweitert. Als es 2007 darum ging, eine Wärmebildkamera mit dem erforderlichen Zubehör anzuschaffen, engagierten sich die Mitglieder nicht nur bei der Durchführung einer Spendenaktion, sondern begaben sich auch zum Aderlass in die Klinik. Allein durch die Blutspendeaktion kamen über 1 000 Euro zusammen. So konnten neben der Kamera noch ein Rauchgenerator für eine realitätsnahe Ausbildung der Atemschutzgeräteträger sowie ein automatischer externer Defibrillator, der für eine erfolgreiche Reanimation unabdingbar ist, angeschafft werden. Um den gestellten Anforderungen gewachsen zu sein, bedarf es neben einer gewissenhaften Ausbildung auch entsprechender Schutzkleidung und vor allem auch Fahrzeuge, die die Gemeinde Reiskirchen viel Geld kosten.

Die Gemeinde weiß aber auch, dass sie ohne ihre Freiwilligen Feuerwehren (davon gibt es in der Gemeinde Reiskirchen sieben) den Brandschutz nur unter dem Einsatz von Unsummen an Geldern gewährleisten könnte. Auch die Jubiläumswehr verlässt sich keineswegs auf die Gemeinde, sondern hat in der langen Zeit ihres Bestehens erhebliche Geldbeträge aus der Vereinskasse hinzugesteuert. Zu den größeren Anschaffungen der Gemeinde, speziell für die Freiwillige Feuerwehr Reiskirchen zählen der Kauf eines LF 8 (1990) und der Kauf eines ELW (2005). Bei aller anstrengenden Arbeit kommt auch die Geselligkeit im Verein nicht zu kurz. Gerne erinnert man sich allerdings an die gemeinsamen Treffen mit den Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr von Würzburg-Unterdürrbach. Hier haben sich schon seit Jahren freundschaftliche Beziehungen gebildet, die durch gegenseitige Besuche vertieft werden. So werden die Unterdürrbacher auch wieder Gäste in der kommenden Woche anlässlich der Feiern zum 75- Jährigen sein. Die Öffnung der Grenzen und engere Verbindungen der Gemeinde Reiskirchen zur Gemeinde Wandersleben (Thüringen) brachten auch beide Feuerwehren zusammen. Sehr erfolgreich sind die Vereinsmitglieder beim alljährlichen Kegeln um die Gemeindepokale.

Um auch den Nachwuchs für die Zukunft zu sichern, wurde 1986 eine Jugendfeuerwehr gegründet. Erste Jugendfeuerwehrwarte waren Harald Zecher und Karl- Heinz Dietl. Viele der Mitglieder der ersten Stunde tragen heute Verantwortung im Verein oder der Einsatzabteilung. Nun geht man noch einen Schritt weiter und wird am Donnerstag, 22. Mai (Fronleichnam), anlässlich des Tages der offenen Tür eine Kindergruppe gründen, zu der Sechs- bis Zehnjährige Zugang haben und mit den Aufgaben der Feuerwehr spielend konfrontiert werden.

Die Vereinsgeschichte der Freiwilligen Feuerwehr Reiskirchen wäre absolut unvollständig, würden darin nicht auch das Spielmannszugwesen sowie das Blasorchester gebührend berücksichtigt. 1967 wurde ein Schülerspielmannszug gegründet. Alle haben nicht nur den Namen der Freiwilligen Feuerwehr erfolgreich in Deutschland und Europa vertreten, sondern auch den Namen der Gemeinde Reiskirchen ebenso bekannt gemacht. An erster Stelle ist hier Otmar Scheld zu nennen, der 1964 die Führung des Zuges übernahm. Seine Verdienste wurden erst kürzlich durch die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes der Bundesrepublik Deutschland durch den Hessischen Innenminister Volker Bouffier gewürdigt wurden. Bereits 1934 wurde eine Feuerwehrkapelle ins Leben gerufen, deren Dasein jedoch durch politische Einflüsse von kurzer Dauer war.

Einen zweiten, weit erfolgreicheren Anlauf, gab es dann 1951, als sowohl die Freiwillige Feuerwehr als auch die Turn- und Sportgemeinde 1908 Reiskirchen am 16. Mai 1951 einen Spielmannszug gründeten, der erstmals am 14. Oktober 1951 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Seit 1961 ist der Spielmannszug ganz unter der Regie der Freiwilligen Feuerwehr. Unzählige Preise, Medaillen und Pokale schmücken das Vereinsdomizil auf dem „Alten Pfarrhof“. Dieser Heimstätte wurde sogar eine eigene Polka aus der Feder von Ortwin Balser gewidmet, die den Namen „Im Alten Pfarrhof“ trägt. Goldmedaillen, Deutsche Meistertitel, Hessenmeister, Silbermedaillen von der WMC in Kerkrade (Niederlande) sind deutliche Beweise dafür, dass die Reiskirchener Musiker zu den Besten und Erfolgreichsten gehören. Konzertreisen ins In- und Ausland gehören zum jährlichen Programm. Großer Anziehungspunkt ist jeweils das Weihnachtskonzert in der Gießener Kongresshalle.Die Aktion „Hilf deinem Nachbarn“ wurde vor elf Jahren von Otmar Scheld ins Leben gerufen und hat inzwischen bereits den stolzen Betrag von über 116 200 Euro eingebracht, der die Not bedürftiger Familien lindert und Spezialbehandlungen in schlimmen Krankheitsfällen ermöglicht.

Überregional ist Scheld als langjähriger Bundesmusikdirektor in der Bundesvereinigung deutscher Musikverbände und als internationaler Wertungsrichter bekannt. Das traditionelle Osterkonzert findet jeweils am ersten Feiertag im Reiskirchener Bürgerhaus statt und erfreut sich ebenfalls eines ausgezeichneten Besuches. Das Blasorchester besteht gegenwärtig aus 75 aktiven Musikern, das Jugendblasorchester hat 66 Mitwirkende (alle unter 25 Jahre bis auf 3 Mitglieder) und im Schülerspielmannszug sind 53 Kinder und Jugendliche aktiv.


Der Verein:
Freiwillige Feuerwehr Reiskirchen
Mitglieder: 320
Gründungsjahr: 1933
Kontakt: Jörg Lindenstruth (Vorsitzender), Tel.: 06408/ 610443


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