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46ers gewinnen lange verloren geglaubtes Spiel
Kreis Gießen - Gießen
Geschrieben von: Anzeigerlokal
am: Montag, 20. Oktober 2008 um 13:45 - Gelesen: 4515 mal

Nur wer ansatzweise in der Lage ist sich vorzustellen, wie es sich anfühlt, am Kraterrand eines Vulkans zu stehen, wenn der eben ausbricht ­ und gleichzeitig ein Düsenjet am Ohr vorbeidonnert, kann eine Vorstellung vom Samstagabend gegen 22 Uhr in der Sporthalle Ost entwickeln. Die Eruption des Ätna gepaart mit der Phonzahl eines Phantomjägers erschütterte die altehrwürdige Basketball-Kultstätte, als das zwei Stunden lang nicht für möglich Gehaltene eintrat. 3956 Menschen jubelten, schrieen, sprangen von den Sitzen, lagen sich in den Armen, als Heiko Schaffartzik drei Sekunden vor Ende eines Krampf-, Kampf-, Hinfall- und Wieder-Aufstehen-Spiels der LTi Giessen 46ers gegen die Telekom Baskets Bonn mit einem Wahnsinns-Dreier die Lederkugel zum beinahe 40 Minuten lang unerreichbar scheinenden 70:67 (12:21, 16:18, 18:15,24:13)-Sieg durch die Reuse jagte. Noch eine Stunde später hatten selbst seriöse, für gewöhnlich in Schlips und Kragen eher zurückhaltend wirkende Geschäftsleute nur eines im Sinn: Feiern! Was war das aber auch für ein Abend. Zuerst das Gedränge an den Kassenhäuschen. Fast 4000 Zuschauer machten den 46ers ihre Aufwartung, demonstrierten den Schulterschluss mit dem heimischen, von wirtschaftlichen Turbulenzen gebeutelten Aushängeschild. Hauptsponsor LTi schickte seine Belegschaft gleich in Kompaniestärke zur moralischen Unterstützung der Betriebssportgruppe von Trainer Simon Cote. Menschen, die mehr als zehn Jahre nicht mehr dabei waren, wollten ihre innere Verbundenheit mit dem Basketball durch den Kauf einer Abendkarte demonstrieren. Und nahmen auch längere Wartezeiten an den Einlasstüren in Kauf, um dabei zu sein. Getragen von der Hoffnung, das Ende der Negativspirale miterleben und ein bisschen auch mitgestalten zu können. Nur einer zeigte sich von der ganzen Aufbruchstimmung unbeeindruckt. Das mittelhessische Basketball-Eigengewächs Mike Koch, mittlerweile sportlich verantwortlich beim Gegner Telekom Baskets Bonn, drückte seiner Heimat zwar die Daumen. Aber sportlich erst für alle kommenden Spiele: "Ich wünsche euch für heute 5000 Zuschauer und uns den Sieg." Den brauchte er beinahe so dringend wie sein Ex-Klub. Denn drei Niederlagen in Folge nagen auch am Nervenkostüm einer so hochkarätig besetzten Truppe wie der Magenta-Mannschaft. Und dementsprechend ließen die Bonner Fernmelder auch von der ersten Spielminute an keinen Zweifel daran, dass sie keine sportlichen Gastgeschenke zu verteilen gedachten. Die 46ers wirkten im Auftaktviertel und bis zur Halbzeitpause wie ein Spielball der Athletik und Klasse von Akteuren wie Earl Rowland, Winsome Frazier oder Vincent Yarbrough. Gießen spielte ohne Mut, die Blocks saßen halbherzig, das Abrollen erfolgte ohne Glaube und Wille. Michael Umeh konnte Bonns Ken Johnson nur per Foul am erniedrigenden Alley-hoop-Dunking hindern. Beim 3:10 (4.) schien sich bereits eine Gießener Demontage anzubahnen. Das erste ?Hallo-Wach³ setzte der für Umeh eingewechselte Johannes Lischka mit einem mutigen und erfolgreichen Zieher. Gerrit Terdenge setzte per Dreier noch einen drauf zum 10:10 (5.), und Heiko Schaffartzik sorgte mit Freiwürfen in der sechsten Minute sogar für die erste Gießener Führung (12:10). Aber all das war so furchtbar hart erarbeitet. Um wie vieles leichter taten sich die Bonner dabei, in den letzten vier Minuten des ersten Viertels mit harter Mann-Verteidigung im Feld und großer Dominanz an den Brettern in Sauseschritten auf 21:12 (10.) davonzuziehen! Gießen war wie gelähmt. Maras versuchte sich in einem zögerlichen Baby-Hook, wirkte behäbig, langsam in Kopf und Beinen, drückte das Rätselraten seiner Mannschaft durch Mimik, Gestik und permanentes Sprechen mit seinen Kameraden mehr als deutlich aus. Danny Lewis war mit dem pfeilschnellen Earl Rowland überfordert. Jeffers fabrizierte Ballverluste. Die Fans murrten, forderten Hartenstein für Maras. Lewis legte sich mit dem Center verbal an. Und Corey Rouse, unter der Woche von Rückenschmerzen geplagt, bewegte sich wie ein Frührentner. Nur Gerrit Terdenge spielte unauffällig, aber hoch wirkungsvoll. Gegner Brandon Bowman sah an diesem Abend keine Sonne, streute nur zwei Punkte ein, ehe er sich das Sprunggelenk vertrat und vorzeitig Feierabend machte. Zur Halbzeit führte Bonn beim 28:39 "nur" mit elf Punkten. Gefühlt waren die Rheinländer jedoch mindestens zwanzig Punkte stärker. "Ihr spielt grottenschlecht, trotzdem sind wir noch im Spiel. Da geht was! Ihr müsst ins Laufen kommen", baute Trainer Simon Cote seine Spieler in der Halbzeitkabine für die zweite Hälfte des Spiels auf. KämpferherzUnd die besannen sich ihres Kämpferherzens. Kamen erkennbar mit Mut aus der Kabine, überdrehten jedoch zunächst und blieben lange in der Zehn-Punkte-Distanz (36:46; 25./41:51, 27.). Für Aufreger sorgten da lediglich die Schiedsrichter mit vielen kleinlichen Pfiffen hüben wie drüben. Ein zerfahrenes Spiel drohte einem unschönen Ende mit dem erwarteten nächsten Frust-Ergebnis für die 46ers entgegen zu streben. Denn auch das letzte Viertel begann noch lange nicht verheißungsvoll. Erst versemmelte Heiko Schaffartzik einen Dreier, dann Robert Maras. Dennoch arbeiteten sich der jetzt agilere, kämpferische Maras und seine Eichhörnchen-Kollegen um einen nun kaum noch zu beherrschenden Umeh Punkt für Punkt heran. Beim 49:54 (33.) nahm Mike Koch eine folgenschwere Auszeit. Er verordnete seinen Untergebenen eine Zonendeckung. Und brachte damit die 46ers auf die Siegerstraße. Der Dreier von Umeh zum 56:59 (35.) weckte die Zuschauer, der Dreier von Terdenge zum 60:62 (37.) riss die Fans von den Sitzen, der Dreier von Schaffartzik zur 65:63-Führung sorgte für "Hier regiert der MTV"-Rufe. Als Jeffers dann beim 67:66 (33 Sekunden Spielzeit) Schrittfehler unterliefen, stockte der Atem, als Schaffartzik Rowland sechs Sekunden vor Ende foulte, herrschte Grabesstille. Der jedoch verwandelte nur einen Freiwurf zum 67:67. Simon Cote nahm eine Auszeit, verordnete einen Spielzug mit Penetration Schaffartzik und Schuss von Terdenge. Doch Schaffartzik entschied sich anders: "Ich weiß nicht, wann ich mich entschlossen habe zu schießen. Man agiert da eigentlich nur. Das kommt von innen." Terdenge stellte zwar noch den geplanten Block. Aber da war der Ball schon in der Luft. Und wurde wenig später von einem ausbrechenden Vulkan mit Düsenjäger-Überflug eingeholt.


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