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„Zaun ziehen!“
Main-Kinzig-Kreis - Gelnhausen
Geschrieben von: Bernd Kirchhübel
am: Donnerstag, 31. März 2011 um 08:16 - Gelesen: 51140 mal

Als Eigentümer eines Grundstückes in Innenstadtlage mit einer für Außenstehende offensichtlich interessanten Aussicht auf die Altstadt und das Kinzigtal „erfreut“ man sich bisweilen des Besuches mehr oder weniger unbekannter Gäste. Man will ja nicht so sein, und gewährt dem Wanderer, Touristen und sonstigen Interessenten stillschweigend den einen oder anderen Laufmeter auf dem eigenen Gelände, will man sich doch nicht spießig-muffig von seiner Außenwelt abgrenzen und ist man doch eigentlich selbst kein Freund von Verschlossenheit.

Nun scheint der Mensch im allgemeinen, vielleicht auch der Deutsche im speziellen, aber so seine Probleme mit der Tatsache zu haben, daß Dinge, die nicht explizit verboten sind, damit aber nicht unbedingt implizit erlaubt sind.

So erblickte man nämlich immer häufiger Zeitgenossen, die scheinbar aus alter Gewohnheit zum (Wall-)Nüsse sammeln im häufigen Wechsel zwischen aufrechter und gebückter Haltung das Grundstück beschreiten bzw. bekrabbeln (und man sich schon Gedanken um die Notwendigkeit eines Rettungskrankenwageneinsatzes macht ob der blitzartigen Bewegung nach unten beim Erblicken einer Nuß), oder man muß im Gespräch mit Touristen (als solche identifiziert durch erkennbaren Nichtgelnhäuserdialekt) feststellen, daß diese – in Ermangelung eines Verbotsschildes – das Grundstück wie selbstverständlich als öffentliche Sitzwiese betrachten, um in trauter Zweisamkeit einen Blick auf die malerische Altstadt zu genießen und plagt sich nun auch noch mit Selbstvorwürfen herum, hier keine geeignete Sitzgelegenheit installiert zu haben.

Daher setzt ein Umdenken ein. Man will es eigentlich nicht, man mag selbst keine Verbote und setzt auf die Vernunft seiner Mitmenschen, aber man weiß auch um die Gefahren des Grundstückes und weist darauf mit einem eigens aus dem Baumarkt organisierten Holzständers hin, auf das man eine eigens dafür in dem selben Baumarkt angeschaffte Holzplatte schraubt und darauf ein ebenso aus dem selben Baumarkt erworbenes Hinweisschild befestigt, daß der Zutritt für Unbefugte eigentlich nicht erlaubt sei und – sollte man sich der Gefahrenquelle (unbefestigtes Grundstück in Hanglage) dennoch nähern – man dieses auf eigenes Risiko täte.

Nun gibt es aber neben dem Zeitgenossen, für den Lenkung unerläßlich ist, auch den Zeitgenossen, der alles was nicht niet- und nagelfest ist, in einem Überschwang juveniler Kraftmeierei rausreißen, in die Luft wirbeln und demolieren muß. Oder der die Arbeit seiner Mitmenschen so schätzt, daß er diese zum Schutze seines Grundstückes einfach entfernt. Jedenfalls ist das Schild eines guten Morgens wieder verschwunden und taucht bis dato nicht mehr auf. Dieser Umstand führt nun wieder dazu, daß die – vor dem Anbringen des Schildes orientierungslose und während des Vorfindens des Schildes orientierungsvolle – Menschheit wieder vermehrt dazu neigt, das Grundstück zu betreten und sich der Gefahren auszusetzen.

Nun aber hat ein pfiffiger Wandersmann die Lösung parat! Nachdem der Grundstückseigentümer (also ich) frühmorgens und mit verschlafenen Augen sein Haus verläßt und sein Grundstück betritt und voller Verwunderung einen schlanken, schwarz-weiß gefleckten Hund auf seinem Grundstück erblickt, der vor Freude über den dann geäußerten Zuruf kurz mit dem Hinterteil wedelt und dieses dann – immer noch weit innerhalb des Grundstückes befindlich – in die unvermeidliche Buckelform krümmt, um sich dann gewisser Dinge zu entledigen, wandern die Gedanken spontan zwischen dem Einsatz von Wurfgeschossen im allgemeinen oder Mehlbeuteln im speziellen, Wassereimern oder gar dem Verbringen in das Tierheim hin und her.

Doch Hilfe naht in Person des – wie man vermutet – intelligenten und aufgeweckten Hundebesitzers. Nun geht man optimistisch davon aus, daß sich das Problem, sprich der vermutete, aber noch nicht durch körperliche Inventur ermittelte, Hundehaufen durch einen behenden Räumeinsatz eben dieses intelligenten und aufgeweckten Hundebesitzers mit einer Aussprache des persönlichen Bedauerns ob des Mißgeschicks beheben ließe.

Aber weit gefehlt. Der Hund habe doch schon zweimal ge…. (man mag sich denken, welches Wort hier gebraucht wurde), das könne doch gar nicht sein. Außerdem möge der Grundstückbesitzer nicht streiten. Darauf angesprochen, daß es gar keinen Streit gebe, wenn der geneigte Hundeausführer den zu führenden Hund soweit im Griff haben würde, daß dieser das Grundstück nicht betreten würde, entgegnet dieser mit einer entwaffnenden Selbstverständlichkeit:

„Zaun ziehen!“

Ja, das scheint wohl das Beste zu sein, denkt sich da der Grundstückseigentümer. Ist ja eigentlich auch eine Selbstverständlichkeit, daß man sein Grundstück einzäunt. Ansonsten lädt man ja scheinbar Gott und die Welt zum Bummel, Schilderdiebstahl oder zum Sch… (auch hier seien die restlichen Buchstaben in die Phantasie des geneigten Lesers überstellt) auf seinem Grundstück ein. Man denkt wehmütig an sein – vor einiger Zeit schon abhanden gekommenes Verbotsschild zurück, bemerkt aber schnell, daß dieses ja eigentlich gar keinen Sinn hatte, denn Hunde können ja nicht lesen. Und man ist der festen Überzeugung, daß manche Hundebesitzer, denen man die Lesefähigkeit nicht absprechen möchte, die Umsetzung auf ihren Hund nicht zuzumuten sei.

Um das Mitleid der Leserschaft nun in Grenzen zu halten – der Hund hatte wohl schon wirklich die nach Aussage seines Besitzers natürliche Grenze des morgendlichen zweimaligen Sch… (siehe oben) überschritten und schien nur noch der Flüssigkeit ihren Lauf gelassen zu haben.

Nichtsdestotrotz ist der Grundstückseigentümer immer noch im guten Glauben, daß die Menschheit nicht so verbotsbedürftig und impertinent ist wie er es heute Morgen erleben mußte.


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