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Die Arbeit der Tafeln ist aktive Sozialpolitik
Main-Kinzig-Kreis - Gelnhausen
Geschrieben von: Dieter Klumb Gelnhäuser Tafel
am: Mittwoch, 26. Januar 2011 um 11:06 - Gelesen: 9110 mal

Gelnhausen. Großes Interesse fand der 4. Neujahrsempfang, zu dem die „Gelnhäuser Tafel“ in die Stadthalle eingeladen hatte. Schier endlos schien die Zahl der Gäste, die Vorsitzender Michael Frischkorn sowie das Vorstandsmitglied Günther Rams per Handschlag begrüßten, darunter Alt-Landrat Karl Eyerkaufer sowie dessen Nachfolger Erich Pipa. Während Martin Caba musikalisch den richtigen Ton traf und Tänzerinnen der Ballettschule von Antje von Znieniewicz mit einigen Darbietungen die Besucher erfreuten, fand Petra Müller-Klepper (CDU), Staatssekretärin im Hessischen Sozialministerium, die richtigen Worte für die Leistungen, die die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer der Tafel Tag für Tag erbringen: „Sie sind ein wichtiger Baustein für die existenziellen Belange des Menschen am Rande der Gesellschaft“.

Zuvor reflektierte Michael Frischkorn das vergangene Jahr. „Annähernd 1200 ehrenamtliche Stunden leisten unsere Helferinnen und Helfer Woche für Woche, ob in der Verwaltung, der Lebensmittelabholung, bei der Sortierung oder der anschließenden Ausgabe der Waren“. Hinzu kämen nochmals 250 Stunden der MAE-Kräfte, sowie zahlreiche Sozialstunden als gerichtliche Auflagen. „So kommen wir Woche für Woche auf rund 1500 Stunden die im Dienste der Menschen in dieser Region geleistet werden. Das sind fast 80.000 Stunden im Jahr“.

In diesem Zusammenhang dankte Frischkorn den zahlreichen Sponsoren, die mittels Geld- oder Lebensmittelspenden die Arbeit der Tafel erst ermöglichten. „Ohne das Engagement der zahlreichen Discounter, Märkte, Bäckereien, Drogerien und vieler mehr, wäre eine Versorgung unserer Kunden nicht sicherzustellen“, so der Vorsitzende. Derzeit seien etwa 1300 Familien in der Datenbank erfasst, rund die Hälfte davon holten Woche für Woche Lebensmitteln in einer der Filialen ab. „Wir versorgen Familien aus 33 Nationen – von Afghanen über Ägypter, Italiener, Kubaner, Spanier bis hin zu Türken und Ukrainer. Zirka einfünftel unserer Kunden sind ausländischer Herkunft“.

„An 6 Tagen in der Woche erhalten unsere Kunden in 9 Ausgaben Woche für Woche Lebensmittel und Artikel des täglichen Bedarfs. Um diese immensen Anforderungen zu stemmen, bedarf es eines beispiellosen Engagements ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer“, erläuterte Frischkorn. „Unsere derzeit annähernd 650 Mitglieder sind es, die eine solche Aufgabe, eine solche Verantwortung für Menschen aus unserer Region übernommen haben. Woche für Woche müssen wir alle, Lebensmittel einsammeln, sortieren, konfektionieren und danach ausgeben. All diese Arbeiten müssen geplant, koordiniert und dokumentiert werden. Viele dieser Aufgaben laufen in der Schaltstelle unseres Vereins der Geschäftsstelle zusammen“.

An 6 Tagen in der Woche seien die Fahrer unterwegs, um die Waren bei über 80 Sponsoren abzuholen. Über 200 Abholstellen würden dabei im Laufe einer Woche angefahren, um rund 15 Tonnen Waren einzusammeln. „Wir fahren über 200.000 Kilometer mit unseren Tafelfahrzeugen um diese Waren abzuholen also rund 5-mal um den Globus.“

Laut Landrat Erich Pipa sind Michael Frischkorn und Günther Rams tolle Streiter für soziale Gerechtigkeit im Kreis. Pipa prangerte die niedrigen Löhne in zahlreichen Branchen an. So würden Menschen in die Armut gedrängt. Er hoffe, dass es den Menschen bald so gut geht, dass die Tafel hier und in ganz Deutschland überflüssig würden. Ein Weg dahin – und da waren sich Landrat und Staatssekretärin einig – führe über die Optionskommunen. „Denn wer soll die Menschen in Lohn und Brot bringen, wenn nicht wir hier vor Ort?“.

„Die Arbeit der Tafeln gibt wichtige Impulse für eine aktive Sozialpolitik“, sagte Petra Müller-Klepper in ihrer Festrede. „Wir müssen die Schwachen stärken und den Bedürftigen helfen“, betonte die Staatssekretärin. Die Achtung vor der Einzigartigkeit jedes Menschen müsse man stets bewahren. „Freundliches und solidarisches Zusammenleben sind gefragt. Unsere Aufgabe ist ist es, den Spot auf das Engagement der Freiwilligen zu richten.“ Müller-Klepper lobte in ihrer Rede das „Social-Sponsoring“ als eine „positive Vernetzung“ zwischen Bürgerengagement und der Sponsorentätigkeit der Unternehmen. „Die Idee der Tafel stärkt das soziale Handeln in der Wirtschaft, gleichzeitig sparen die Unternehmen hohe Entsorgungskosten. Der Empfänger erhalte ausreichend gute Lebensmittel und werden in ihrem Willen gestärkt, aus der Armut zu entfliehen“.

Die Staatssekretärin ging auch auf geplante Zentralisierung der Tafel in Form eines Neubaus ein. Dies sei eine „Herkulesaufgabe“. Schnellstens müssten hier die Weichen gestellt werden. „Wir als Landesregierung werden das Vorhaben mit bestem Gewissen unterstützen“, versprach Petra Müller-Klepper. Als kleinen Grundstock überreichte sie dem Vorsitzenden eine Spende. „Wir befinden uns noch in der Finanzierungsphase und sind uns bewusst, dass die Maßnahme aus eigenen Mitteln nicht zu finanzieren ist“, hatte Michael Frischkorn in seiner Rede verdeutlicht. Er appellierte an die Politik, die Bürger und die „kommunale Familie“ mit dem Kauf von „Tafelbausteinen“ in Miniaturform das Vorhaben zu unterstützen. „Sie tun damit etwas für Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen“, so Frischkorn.

Gleiches betonte Günther Rams, der am Ende des Empfangs mit Frischkorn besonders engagierte Sponsoren ehrte. Über eine Urkunde durfte sich Siegfried Rückriegel, Geschäftsführer der Stadtwerke Gelnhausen, freuen. Die gleiche Auszeichnung erhalten noch der Architekt Klaus Heim und Klaus Dahlke, Chef von Lidl in Alzenau.


Kommentare (1)Add Comment
Eddie Vedder
geschrieben von Eddie Vedder, Januar 27, 2011
Was ist eigentlich aktive Sozialpolitik?
Bei all der Lobhudelei für die tolle Versorgung „(…) des Menschen am Rande der Gesellschaft“ sollte doch auch eine kritische Sicht auf die guten Menschen und Unternehmen geworfen werden, die sich gerne mit ihren sozialen Taten brüsten. Die Tafeln seien aktive Sozialpolitik, heißt es. Eine aktive Sozialpolitik müsste sich doch vielmehr darum kümmern, dass Tafeln überflüssig werden und nicht mit Stolz auf unendlich viele ehrenamtlich geleistete Arbeitsstunden verweisen. Der Bedarf an Unterstützung für die Opfer sozialer Ungleichheit und Benachteiligung ist unverkennbar existent, jedoch darf sich eine aktive Sozialpolitik nicht auf das Ehrenamt verlassen und das eingesparte Geld für Personal in irgendwelche fragwürdigen anderen Projekte investieren.

Gerade die Politiker – egal, ob nun vom hessischen Ministerium gesandt, oder Landräte, die zum obligatorischen Grinsen in die Journalistenkameras kommen - sollten das ganze System der Armenspeisung einmal selbstkritisch hinterfragen.

Die Unternehmen, hier sind bekanntlich vor allem LIDL und REWE zu nennen, machen hier auch noch kostengünstig, wenn nicht gar mit Profit, Werbung in eigener Sache. Wie einfach es doch ist, soziales Engagement vorzugaukeln, wenn man sich durch Lebensmittelspenden sogar der Entsorgungskosten für nicht mehr ganz frische Lebensmittel entledigen kann. Gerade LIDL hat nach all den Skandalen um menschenunwürdige Umgangsformen mit Angestellten noch für Jahre nachzuweisen, dass sich an der Firmenkultur etwas hin zum Sozialen ändert. REWE schießt den Vogel mit seiner Kampagne „Kauf eins mehr für die Tafeln“ ab. Dann stehe ich (REWE) gut da und verdiene noch durch die naive Wohltätigkeit meiner Kunden. Eigentlich müsste es doch heissen „Kauf eins und ich gebe noch eins für die Tafeln“. Aber nein, dass geht in der Marktwirtschaft natürlich nicht.

Gerade Müller-Kleppers Aussagen sind unfassbare Augenwischerei. „Unsere Aufgabe ist es, den Spot auf das Engagement der Freiwilligen zu richten.“ Natürlich, weil es den Staat dann nichts kostet. „Die Idee der Tafel stärkt das soziale Handeln in der Wirtschaft, gleichzeitig sparen die Unternehmen hohe Entsorgungskosten. Der Empfänger erhalte ausreichend gute Lebensmittel und werde in seinem Willen gestärkt, aus der Armut zu entfliehen“. So, so, das soziale Handeln in der Wirtschaft wird durch die Tafeln gestärkt. Da muss doch noch einiges mehr passieren, um von nachhaltiger Sozialwirtschaft sprechen zu dürfen. Gut, dass die Qualität der Lebensmittel „ausreichend“ ist, weniger wäre ja dann mangelhaft. Ob sich alle grinsenden Politiker mit „ausreichenden“ Lebensmitteln begnügen würden? Dass die Tafelkundschaft in ihrem Willen gestärkt wird, aus der Armut zu entfliehen, glaube ich völlig. Dies aber wohl eher, weil das Gefühl, auf Almosen angewiesen zu sein, das Essen zu essen, welches kein „wertvoller“ Bürger mehr benötigt, und das Stigma des Unterschichtlers durch den Besuch der Tafeln manifestiert wird doch wohl viel mehr für Motivation sorgt!

Dann heißt es weiter, dass die Finanzierung für den Ausbau der Tafelwelt schwierig sei, aber es wird ja umgehend darum geworben, die Kosten wieder mal zu sozialisieren. Sollten hier nicht LIDL, REWE und Konsorten mal „Piep“ machen und den Opfern des Systems anständige Arbeit für anständiges Gehalt anbieten, anstatt zu warten, bis sich ganze Tafelzentren in den Städten bilden? Der Abbau der Tafeln muss das Ziel sein, nicht der Ausbau!

Das Zusammenspiel von Politik und Wirtschaft funktioniert prächtig!

Ehrenamt ist gut, Ehrenamt ist wichtig, aber nicht, um dem Staat zu ermöglichen, sich von einer „aktiven Sozialpolitik“ zu verabschieden!

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