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Sperrmüllgeschichten
Kreis Gießen - Buseck
Geschrieben von: Christoph Westrupp
am: Mittwoch, 19. Januar 2011 um 17:32 - Gelesen: 5869 mal
Sperrmüllgeschichten

von Christoph Westrupp, Januar 2011

Da steht er nun neben der Straße, vor dem Haus, schön aufgereiht, gestapelt. Er soll ja noch einmal bisschen gut aussehen, denn was da zusammengewürfelt am Straßenrand steht, hat ja mal gut ausgesehen. Gut ausgesehen als es neu war, jungfräulich und unbenutzt. Als es aus der Verpackung kam da strahlte es im Glanz alles Neuen. Dann wurde es benutzt, der Glanz blieb. Aus dem Neugeborenen wurde mit zunehmendem Alter ein Jugendlicher und in langen Jahren hinterließ nun das Alter seine Spuren. Der Lack platzt ab. Mit der Zeit gewöhnt man sich und ist zusammen älter geworden. Dann rangiert man aus wie der Eisenbahner sagt, wenn die Lok auf das Abstellgleis kommt, traurig darauf wartet abgewrackt, verschrottet zu werden. All das wird passieren, mit dem Haufen Gerümpel vor der Tür.
Da ist der alte Spülenschrank mit der Edelstahlplatte. Wie glänzte sie als sie neu war, dass sich darin gespiegelt werden konnte. Manchmal wurde sie mit Paste aufpoliert und ihr Becken liebkoste meine Teller, Tassen, Gläser, Messer, Gabel, Löffel, das ganze Geschirr. Dieses Geklapper wird ihr fehlen, das hört jetzt die Neue in der neuen Küche und liebkost wie die Alte mein Geschirr.
Der alte Bürostuhl, ein Chefsessel, liegt auch dabei, ohne Rollen, die habe ich abgemacht für eine eventuelle weitere Verwendung. Ebenso die Griffe der Schublade und der Türen. Möbelgriffe sind teuer und wer weiß ob man nicht doch noch einmal… sie benötigen könnte. Ich hatte mir damals einen Chefsessel gekauft statt eines normalen Bürostuhles, wollte auch einmal auf einem Chefsessel sitzen. Da konnte ich schön schaukeln, mich zurücklehnen und die Füße auf den Schreibtisch legen, vom Geschichtenschreiben träumen. An meinem Schreibtisch zuhause war ich der Chef. Doch mit der Zeit des darauf herum Juckelns und darauf Herumlümmelns verschliss das Kunstleder in Grün, die Lehnen wackelten. So stand er lange Zeit auf dem Balkon und sah in die Weite, sah die Jahreszeiten, spürte den Regen und den Frost. Bestimmt sehnte er sich dabei zurück an den Schreibtisch, wo ein anderer Bürostuhl mit hoher Lehne seinen Platz einnahm. Neben dem Chefsessel, steht auch das in die Jahre gekommene Rak in Kirschbaum. Kirschbaum musste es damals sein 1995. Was Exklusives, nach dem Scheidungsbegehren der Meinigen, zurückgekommen am 1. April des gleichen Jahres. Mein Sohn sagte damals, es wird wohl ein Aprilscherz sein und hatte damit gar nicht so unrecht. Die Jugend gab ihm wohl das Recht so etwas zu sagen. Doch das Leben hat es immer anders vor als es geglaubt wird. Das Rak in Kirschbaum, in der die Stereoanlage stand, die sich darin wohl fühlte. Dieses Rak, das ich, als es verpackt kam und ich es auspackte, ja es hatte sein Gewicht. Kraftlos noch vom langen Krankenhausaufenthalt versuchte ich es die steile Treppe nach oben zu wuchten. Dabei bekam ich auf dreiviertel der Strecke das Übergwicht, fiel rückwärts die Treppe hinunter, das Rak hinterher und auf mich drauf. Auf dem Rücken liegend, Kopf nach unten, Beine nach oben, das Rak auf mir kam ich mir vor wie ein luftloser Maikäfer der nach Sauerstoff pumpt, unfähig mit den Beinen zu strampeln. Das Möbelstück war sogleich beschädigt und blieb so in den langen Jahren seiner Verwendung. Mir tut es heute ein wenig leid, denn es sieht immer noch einigermaßen gut aus. Leider muss man sich auch trennen können.
Mein alter PC Monitor, der mir die Farben des Internet brachte, der alte Scanner, der meistens beim Scannen laut knackte, beide liegen unten. Das alte Bügelbrett von Hailo, das am Schluss nur noch auf einmeterdreißig Bügelhöhe einzustellen war, viel zu hoch für kleinere Personen, habe ich dazugelegt. Wie der Krug, der mit der Zeit des Brunnenganges zerbrechen kann, so liegen Schrankbretter dabei die so viel trugen, Pfannen, die Kotelett backten, Bratwürste brieten, oder Bratkartoffeln bereiteten.
Der Zahn der Zeit nagt an allem.
Jetzt liegen sie unten, die Erinnerungen an all die Zeit die mit den Gegenständen verbracht wurde. Sie gehörten zum Leben, zur Wohnung, waren ein Teil von ihr. Integriert zu anderen Möbelstücken, Gegenstände, die auch irgendwann einmal gehen müssen, wie wir auch. Sind wir dann auch Sperrmüll? Ein Stück Sperrmüll in einer Holzkiste, die zum Verbrennen in den Ofen geschoben wird und als Häufchen Asche zurückbleibt. Nun wir bekommen dann ja noch zum Glück einen Gedenkstein für ein paar Jahre, oder eine Plakette an einem Baum in einem Friedwald. Bis der Zahn der Zeit auch diesen Rest beseitigt.
So bleibt vom lieb gewonnen nichts übrig als die Erinnerung, die ebenfalls verblasst, sich wie Nebel in der Luft auflöst.

Eine Stunde nach aussetzen des Sperrmülls war die Edelstahlplatte mit Spülbecken verschwunden, das Bügelbrett, die drei Pfannen und einige der Bretter.
Zum Ausgleich hatte der heimliche Dieb einen Gummiautoreifen dazugelegt.
Danke, den werden die Leute vom Sperrmüll vielleicht nicht mitnehmen…



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