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Erinnerung an eine Lange Nacht nach dem Krieg
Wetteraukreis - Nidda
Geschrieben von: Bernd Schröder
am: Dienstag, 21. Dezember 2010 um 20:42 - Gelesen: 9893 mal
Es war im ersten Winter nach Ende des Zweiten Weltkriegs. In dem kleinen Dorf im Eicheltal feierte man endlich wieder die „Lange Nacht“, diese besondere Nacht vom 23. Dezember auf den Heiligabend. Die Feiern zur „Langen Nacht“ gingen damals von den „Spinnstuben“ aus. In dem kleinen Bergdorf gab es zwei dieser Spinnstuben. Eine Spinnstube des Dorfes war die mit den älteren Jahrgängen der Mädchen, in der anderen waren die jüngeren Teenager. Die Geschichte der Langen Nacht, so wie sie sie als junges Mädchen erlebt hat, hateine freundliche Dame erzählt. Gerade 16 Jahre alt war sie damals… An langen Winterabenden kamen die jungen Mädchen des Dorfes zusammen, um die angefallene Schafswolle des Jahres zu verspinnen. So hatte die Spinnstube ihren Namen bekommen. Die gesponnene Wolle wurde danach verstrickt. War der Abend weiter fortgeschritten, trafen die jungen Burschen aus dem Dorf bei den Mädchen ein. Sie setzten sich auf Bänke im Hintergrund. Die Mädchen am Tisch, nahe dem Licht, strickten weiter. Diejenigen Burschen, die zuerst auftauchten, also „zu früh“ zu den Mädchen kamen, wenn diese mit der Strickarbeit noch nicht fertig waren, nannten die Mädchen „Bankrutscher“. Das kam daher, weil sie auf ihrem „Hintern“ hin und her rutschten, bis die Mädchen fertig gestrickt hatten. Nach getaner Arbeit wurde immer gemeinsam gesungen oder es wurden Spiele ausgetragen. Das war im Winter das einzige abendliche Vergnügen der Dorfjugend. Die Spinnstuben setzten nach der Ernte und der Feldarbeit im Spätherbst ein. Sie endeten im März, bevor die Feldarbeit wieder anfing. Sie fanden in den elterlichen Wohnzimmern der jungen Mädchen statt. In der Ausrichtung wechselten sich die Mädchen reihum ab. Spätestens um 11.00 Uhr abends musste jedes Mädchen wieder daheim sein. In der „Langen Nacht“ war die Spinnstube aber ganz anders. Die Mädchen buken Kuchen und die Burschen besorgten Getränke. An diesem besonderen Abend wurde auch nicht gestrickt. Die Burschen waren gleich dabei. Als erstes wurden die Möbel aus der Wohnstube geräumt. Damit ward Platz gemacht zum Tanzen. Einer der Burschen hatte ein Schifferklavier und machte Musik. In dem sonst ruhigen Dorf ging es in diesen Nächten laut zu. Zwischen Tanzen und Spielen wurde gegessen, getrunken und viel gelacht! Zu essen gab es selbstgebackenen Kuchen und zu trinken meistens Apfelwein. Es gab ja nicht viel zu Verzehren in den kargen Nachkriegsjahren. In dem Bergdorf hatten die meisten Bewohner eigene Äpfel. Man machte Apfelwein daraus. Jeder hatte Apfelwein im Haus. Beschwipst wurden die jungen Leute davon aber nicht. Oftmals musste das Getränk noch mit Wasser verdünnt werden, um es durch die Nacht zu strecken. Im besten Fall gab es Limonade dazu. Trotzdem war es für die Jugendlichen die schönste Nacht des Winters. Für sie gab es in dieser Nacht keine Sperrstunde. Man feierte so lange und ausgiebig, wie man wollte. Niemand gebot ihnen Feierabend. Manchmal wurde das Wohnzimmer für die Feier zu klein. Dann gingen die jungen Leute auf die Dorfstrasse. Die beißende Kälte spürten sie nicht. Zu viele Streiche mussten sie in der besonderen Nacht noch ausgeheckt werden. Es ging darum, der anderen Spinnstube im Dorf einen Streich zu spielen. Die Burschen stellten dazu aus einfachen Mitteln so genannte „Stinkbomben“ her. Diese wurden dann der anderen Spinnstube in den Hausflur oder das Zimmer gelegt. Trat man auf die Stinkbombe, stank diese fürchterlich! Was die Burschen in den Stinkbomben verarbeiteten, daran kann sich die Erzählerin nicht mehr erinnern. Bei einem anderen Streich wurde ein gefüllter Wassereimer so über der Haustüre befestigt, dass sich dieser über dem Eintretenden beim Türöffnen ergoss. Die lustigen Streiche machten die Lange Nacht zur kurzweiligsten Nacht des Winters! Als das junge Mädchen morgens gegen 6.30 Uhr endlich den Weg nach Hause fand, hatte die Mutter schon den Teig für den Feiertagskuchen angemacht. Der musste jetzt geknetet werden. Es war keine Zeit mehr übrig, um sich ins Bett zu legen. Die Mutter sprach kein böses Wort zu ihr. Das junge Mädchen blieb auf, knetete den Teig, rollte ihn auf den Kuchenblechen aus, schälte Äpfel und belegte den Kuchen. Gebacken wurde noch am Vormittag des Heiligabends im Backhaus des Dorfes. Nach der bäuerlichen Stallarbeit am Nachmittag, erklangen bald die Glocken der Heiligen Nacht. Sie riefen die Familie zum gemeinsamen Kirchgang.
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