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2109,75 Kilometer sind genug
Kreis Gießen - Pohlheim
Geschrieben von: Anzeigerlokal
am: Donnerstag, 16. Oktober 2008 um 11:40 - Gelesen: 5787 mal

Sie läuft und läuft und läuft ­ "manche sagen wie eine Maschine", sagt Noelia Pohl, die Läuferin, die im Alter von 64 Jahren in Berlin gerade ihren 50. Marathon absolviert hat. Es war zugleich ihr letzter Lauf über diese Strecke. Nach 2109,75 Kilometern in 26 Jahren macht die für den MTV 1846 Gießen startende Watzenborn-Steinbergerin Schluss mit offiziellen Wettkämpfen über die 42,195-Kilometer-Distanz. Läuft und läuft und läuft jetzt nur noch kürzere Rennen und in der Freizeit, ohne den ganz großen Trubel. "Eigentlich hatte ich mir schon für vorheriges Jahr vorgenommen, aufzuhören. Aber den 50. Marathon wollte ich dann schon noch laufen", so Pohl, für die sich schließlich vor drei Wochen in der Bundeshaupstadt der Kreis schloss. "In Berlin bin ich den ersten gelaufen, deshalb wollte ich auch da aufhören."

Ein Grund für das Ende der Marathon-Karriere sei unter anderem, dass sie keine Trainingspartner beim MTV mehr habe. "Alleine habe ich nicht so viel Lust. Ich bin es einfach gewohnt, dass jemand dabei ist", spielt für die Pohlheimerin die Geselligkeit beim Laufen eine große Rolle. Eine wesentlich größere als der Kampf gegen die Uhr. ?Mir ging es eigentlich nie um die Zeit. Lieber lange Strecken als schnell. Ich laufe gleichmäßig mein Tempo durch. Ich bin langsam, aber ich kann sehr lange laufen", sagt Noelia Pohl und erzählt eine Anekdote von ihrem letzten Wettkampf in Berlin: "Zwischendurch hab ich noch fotografiert. Ich hatte mir eine Zeit von ungefähr 4:30 Stunden vorgenommen. Beim Blick auf die Uhr habe ich festgestellt: Ich habe ja noch Zeit. Also habe ich noch ein paar Bilder gemacht." Der Spaß an der Sache steht vor dem sportlichen Ehrgeiz, neue Bestzeiten aufzustellen. Vielleicht auch deshalb waren es immer die längeren Strecken, die Pohl am liebsten mag. "Die zehn Kilometer sind mir viel zu stressig." Und das obwohl alles mit einem Lauf über diese Distanz begann. Im März 1982 war Noelia Pohl mit ihrem Mann mit dem Rad auf dem Schiffenberg unterwegs, als die Teilnehmer für den Frühjahrslauf des VfB Gießen ihren Weg kreuzten. "Da kamen dann die Läufer und haben gesagt, ich sollte mal kommen. Am nächsten Tag bin ich dann den Zehner mitgelaufen", berichtet die Frau, die seit der Schulzeit keinen Sport mehr betrieben hatte, von ihrem ersten Wettkampf vor 26 Jahren, der ihr zwar ordentlich Muskelkater bescherte, sie aber dennoch auf den Geschmack brachte. Dann sei ihr geraten worden, zu trainieren ­ vom Bruder ihres Mannes, einem Sportlehrer. Zunächst beim VfB, später dann beim MTV, wo dann ein Lauftreff gegründet wurde. Kaum zu glauben, dass der Lauf-Neuling noch im gleichen Jahr den 100-Kilometer-Lauf in Biel (Schweiz) in Angriff nahm ­ und in 17 Stunden und rund neun Minuten durchstand. Und das ohne vorheriges professionelles Training. "Ich hab am Anfang gar nicht extra für Langstrecken trainiert, das kam erst später, so in den 90er-Jahren."

Im September 1982 stand dann der erste Marathon in Berlin auf dem Programm und die Geschichte nahm ihren Lauf. 50 Mal die gut 42 Kilometer von Berlin (10), Frankfurt (15), München (11), Hamburg (2), Dresden, Köln, Würzburg, Hannover, Regensburg, Rennsteig, Karstadt-Ruhr, Weiltal, Stockholm, Biel, Paris und ­ natürlich ­ New York (alle je einmal). "Berlin ist der schönste. Da sind immer Leute bei einem, die Musik ist toll. Köln war der schlimmste, da gibt es viele Ecken und geregnet hat es auch noch. In New York war ich 1997, das war schon ein tolles Erlebnis, bei dem ich natürlich auch viel fotografieren konnte", lässt die Watzenbornerin Revue passieren. Dazu gesellen sich zahlreiche Starts bei noch längeren Läufen, bespielsweise in Biel (insgesamt zehnmal über 100 km), Nidda (80 km) und Wernigerode im Harz (51 km) oder der Sierra-Zinal-Lauf über 31 Kilometer in 2000 Höhenmetern. Selbst im Triathlon versuchte sich das Ausdauertalent zweimal. 1985 belegte sie in Heuchelheim (500 m Schwimmen, 30 km Radfahren, 12 km Laufen) sogar den dritten Platz ­ und das obwohl ihr die erste Disziplin so gar nicht liegt. "Das Schwimmen ist nicht so mein Ding, überall Arme und Beine um dich rum. Ich habe einfach gewartet, bis alle weg waren und habe dann als Letzte im Feld angefangen", erinnert sich Pohl, die drei Jahre später noch einmal in Gießen startete. In all den Jahren blieb sie dabei weitgehend von Verletzungen und Krankheiten verschont. "1995 musste ich den Marathon in Hamburg abbrechen, weil ich große Schmerzen hatte. Ich dachte erst, es sei Seitenstechen. Später im Krankenhaus stellte sich heraus, dass ich Nierensteine hatte", so die 64-Jährige. Im Frühjahr 2001 zog sie sich eine schwere Verletzung zu. "Ich wollte im Training bei herrlichem Wetter auf dem Schiffenberg mal 21 km laufen. Als ich an meinem Fuß eine Brennessel spürte, habe ich einen Katzenbuckel gemacht und bin gestürzt. Dabei habe ich einen Bänderriss in der Schulter erlitten. Ich wurde zweimal operiert und ich habe lange mit den Schmerzen rumgemacht", denkt sie an die Leidenszeit zurück, die mittlerweile aber überwunden ist.

Mit großen Schmerzen hätte es wohl auch länger gedauert, bis die 50er-Marathonmarke geknackt wurde. Um das Ziel schnellsmöglich zu realisieren, mutete sich Noelia Pohl vor allem im vergangenen Jahr ein wahrhaftiges Mammutprogramm zu. "2007 bin ich mal drei Marathons in einem Monat gelaufen. Am 30. September bin ich Berlin gelaufen, am 21. Oktober Dresden. Eine Woche später war der Frankfurt-Marathon, bei dem ich eigentlich nicht starten wollte. Ich bin einfach nur so hingefahren und habe gedacht: Ich fühle mich doch gut, also laufe ich doch", blickt Pohl zurück. Wie geht sowas? "Ich bin danach gar nicht so kaputt und habe an den ersten zwei Tagen etwas Muskelkater, dann geht das wieder. Da bin ich erst richtig in Schwung", fügt sie lächelnd hinzu. Und doch soll jetzt Schluss sein. "Es tut mir schon leid, aber es reicht jetzt", kommt zwar etwas Wehmut in der Vollblutläuferin auf, doch die Entscheidung steht. Noelia Pohl wird weiterlaufen, nur eben keine Marathons mehr.

Eine Ausnahme würde die gebürtige Chilenin allerdings machen. "Ich besuche alle zwei Jahre meine Familie in Südchile. Im letzten Jahr war ich in Santiago angemeldet, hatte dann aber Magen-Darm-Probleme und konnte nicht laufen. Wenn es eine Möglichkeit gäbe, noch einmal in meiner Heimat zu laufen, würde ich das machen", würde sie sich diesen Herzenwunsch noch erfüllen. Bis dahin stehen "nur" noch kürzere Läufe in der Umgebung ("Das geht immer noch") und in der Freizeit auf dem Programm. Vielleicht auch weiterhin in Pohlheim und Umgebung gemeinsam mit der ebenfalls dort wohnhaften deutschen Senioren-Vizemeisterin Leni Elbing, mit der sie sich in letzter Zeit auch schon mal auf der Bahn auf ihre Rennen vorbereitet hat. Sie läuft und läuft und läuft.


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