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"Kindermund" ­ eine ganz schön altmodische Familiengeschichte!
Kreis Gießen - Pohlheim
Geschrieben von: Anzeigerlokal
am: Dienstag, 14. Oktober 2008 um 11:19 - Gelesen: 5491 mal

Von Karin Merker, Pohlheim

Es gibt Familien, die können sich nicht riechen und versammeln sich noch nicht einmal zu den üblichen Feiern. Es gibt Familien, die treffen sich zu Geburtstagen, Hochzeiten oder Beerdigungen. Allerdings versäumen sie es dabei nie, herzhaft miteinander zu streiten. Und dann gibt es Familien, die können es gar nicht erwarten sich zu sehen, nützen jede sich bietende Gelegenheit um etwas miteinander zu unternehmen oder erfinden gar Gründe, nur um beisammen zu sein. Von einer solchen Familie möchte ich heute erzählen.

Es war ein sehr heißer Augusttag vor vielen, vielen Jahren. In der großen Stadt flirrte die Luft und trieb Allen, die sich schnellen Schrittes bewegten den Schweiß auf die Stirn und andere, weitaus verborgenere Körperteile. Niemand, der es aus geschäftlichen oder anderen Gründen nicht unbedingt mußte, hielt sich in der Stadt auf, sondern machte es sich an einem kühlen Plätzchen gemütlich. So auch DIE Familie, denn sie wohnte am Rande dieser Stadt und ließ es sich in ihrem schönen großen Garten gut gehen. Genau gesagt war es der Garten von Tante Hedwig. Sie hatte von der ganzen Verwandtschaft den schönsten, am liebevollsten gepflegten Garten. Aber er hatte auch die wildesten und verwunschensten Plätze, an denen man sich herrlich verstecken konnte. Warum man sich heute getroffen hatte, war schon wieder vergessen; es war nicht wichtig. Wahrscheinlich hatte Onkel Kuno gesagt: "Kommt, laßt uns zu Tante Hedwig gehen und das schöne Wetter feiern!" oder irgend etwas in dieser Art. Wie immer hatte Onkel Kuno seinen Rundruf gestartet und alle waren gekommen. Natürlich waren sie alle da, denn DIE Familie war eben anders. Tante Margot - Onkel Kunos Frau - hatte noch schnell einen herrlich duftenden Apfelkuchen gebacken. Wie sie das immer so blitzeschnelle hinbekam blieb allen Familienmitgliedern ebenso ein Rätsel wie die Tatsache, daß Opa Eduard immer zum richtigen Zeitpunkt ein Päckchen leckere Bratwürstchen vorrätig hatte. So packten also Kuno und Margot den Apfelkuchen nebst ihren Sprößlingen Fritz und Friederike ein und machten sich auf den Weg. Unterwegs gabelten sie Oma Ricarda und deren Mischlingsrüden "Herr Meyer" auf. Als man schließlich bei Tante Hedwig ankam, war auch schon der Rest der Mischpoke, wie man sich liebevoll bezeichnete, eingetroffen: Cousin Albert und seine bildhübsche junge Frau Clara nebst ihrem "Kurzen", wie sie deren Sohn Peter nannten. Auch der etwas schrullige Bruder von Tante Hedwig, Onkel Gustav, der Backfisch, Tante Hedwigs Tochter Brunhilde, sowie Großtante Melli durften selbstredend nicht fehlen. Tante Hedwig hatte unter der ausladenden Buche gedeckt: ein grünes Dach begleitete mit sanftem Rascheln die Kaffeetafel.

Nachdem sich alle den Bauch vollgeschlagen hatten, ließen sich die einen träge im Gras nieder um zu ruhen, andere schwelgten in alten Erinnerungen, an Zeiten, als DIE Familie noch viel größer war oder gingen auf Abenteuer, was Fritz und Friederikes Ansinnen war. Natürlich nahmen die Zwillinge auch Herrn Meyer mit, denn sie brauchten ja eine Spürnase. Der kleine Peter, er war erst zwei Jahre alt, wackelte laut krähend hinter den Dreien her, wurde aber von seiner Mutter rechtzeitig abgefangen, bevor er in die Erbsen fallen konnte. Clara klemmte sich den Bub¹ unter den Arm und verfrachtete ihn kurzerhand in den mit weichen Kissen ausgelegten Weidenkorb, den Tante Hedwig extra für ihn angeschafft hatte. Nach kurzem Protest schlief der Kleine friedlich in seinem ?Mosesbett³ ein. Auf ihn wartete noch ein denkwürdiger Auftritt. Aber davon später.

Onkel Kuno schnarchte wie immer nach Herzenslust. Auch die Fliegen, die ihn umschwirrten, konnten ihn nicht aufwecken. Großtante Melli tat es ihm gleich. Alle genossen das süße Nichtstun, nur der Backfisch Brunhilde stickte artig an seiner Aussteuer ­ obwohl manche in DER Familie insgeheim dachten, das sei vergebene Liebesmüh! Bei der dicken Brille, die die Arme tragen mußte! Nun ja, vielleicht fand sich ja doch noch irgendwo ein solider Assessor oder etwas in der Art. Man wollte Brunhilde schließlich in gesichertem Stand wissen. So tropfte der Nachmittag dahin und wurde erst durch das laute Gekläffe von Herrn Meyer beendet. Er hatte in der Küche, die Würstchen entdeckt. Sofort sprangen alle geschäftig auf, bis auf Oma Ricarda, die etwas länger brauchte, um aus ihrer Traumwelt zurück zu kehren. "Macht ihr mal, ihr seid noch jung" nuschelte sie wie üblich bei solchen Gelegenheiten.

DIE Familie war ein eingespieltes Team würde man heute sagen, denn in weniger als einer halben Stunde waren die Würstchen gebraten, der Kartoffelsalat angerichtet und das Bier für die Herren als auch der Apfelsaft für Frauen und Kinder eingeschenkt. Der "Kurze" nuckelte bereits zufrieden grunzend an seinem Fläschchen. Die anderen kauten laut schmatzend und genossen so den blutroten Sonnenuntergang, der über Tante Hedwigs Ligusterhecke seinen theatralischen Auftritt feierte. Ans Abräumen dachte heute niemand, denn Onkel Gustav hatte seine Mandoline mitgebracht und zupfte bereits verzückt auf seinem Lieblingsinstrument herum. Cousin Albert und Onkel Kuno zwinkerten sich verschwörerisch zu und schlichen gemeinsam hinter die Ligusterhecke. Man konnte nur noch ihre Köpfe sehen, die vom letzten Rest der untergehenden Sonne dramatisch beleuchtet wurden. Clara hatte ihren Peter auf den Schoß genommen und kraulte liebevoll seine wilden Locken. Und dann fingen Kuno und Albert an zu singen. Sie intonierten gefühlvoll die "Abendstille", nun ja, so gefühlvoll wie es eben zu Onkel Gustavs Gezupfe möglich war. Die ganze Mischpoke schwieg ehrfürchtig, nur der kleine Peter fing auf dem Schoß seiner Mutter zu strampeln an. So ließ sie ihn langsam ins Gras gleiten. "Der Kurze" stemmte sich auf seine krummen Beinchen und torkelte auf die Hecke zu. Dabei streckte er seine Ärmchen aus und sagte laut und deutlich mit großen glänzenden Augen: "Männer singen!" Für einen Moment herrschte verblüfftes Schweigen. Dann brach ein Gelächter los, wie es Tante Hedwigs Nachbarschaft schon lange nicht mehr gehört hatte. Dieser Abend sollte allen unvergeßlich bleiben!


Nachtrag: DIE Familie hat es so nie gegeben! Aber einen kleinen Knirps, der verzückt eben diesen Ausspruch tat, ja den gab es tatsächlich, vor vielen, vielen Jahren.


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