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Volksbank will Filialen in Eberstadt und Langsdorf schließen
Kreis Gießen - Lich
Geschrieben von: Anzeigerlokal
am: Freitag, 10. Oktober 2008 um 10:27 - Gelesen: 5880 mal

"Die Volksbank bündelte ihre Kompetenzen", heißt es in der Pressemitteilung der Volksbank Mittelhessen. Das klingt zunächst einmal positiv. Doch gleich im ersten Satz steht dann etwas für die Einwohner der Licher Stadtteile Eberstadt und Langsdorf gar nicht positives. Denn zum 31. Oktober sollen dort die Volksbankfilialen geschlossen werden. Das aber wollen viele Bürger nicht so einfach hinnehmen. "Die sollten ihren Namen ändern, wenn sie nicht mehr für das Volk da sind", schimpft Luise Mück. Die Rentnerin zeigt auf den Brief, in dem ihr "ihre" Volksbank mitteilt, dass sie binnen Monatsfrist ihre Pforten schließt. Den Satz "Entdecken Sie Ihre neue Geschäftsstelle in Lich!" empfindet die rüstige 80-Jährige als blanken Hohn. Und die Schließung der Eberstädter Filiale will sie nicht so klaglos hinnehmen. Gemeinsam mit der fünf Jahre jüngeren Christl Nautscher hat sie angefangen, Unterschriften gegen die Schließung zu sammeln. 68 haben gleich in ihrer eigenen Straße unterschrieben. Denn für Eberstadt wäre die Schließung ein weiterer harter Schlag.

Man sieht es dem Dorf nicht an, dass es ein sterbendes Gemeinwesen ist. Das mag dramatisch klingen, ist aber eine nüchterne Bestandsaufnahme. Mit der Volksbank verabschiedet sich ein weiteres Stück Infrastruktur, das zu einer funktionierenden Kommune gehört, aus Eberstadt. In dem rund 830 Einwohner zählenden, verkehrsgünstig an einer Auffahrt der A 5 gelegenen Ort gibt es zwar mit dem Elektrounternehmen "Göhre GmbH & Co. KG" einen Arbeitgeber, aber keinen Arzt und auch keinen Lebensmittelladen. Der Bäcker öffnet nur noch von 8 bis 11 Uhr die Pforten und auch der Metzger hat zu kämpfen. Die Post wurde schon vor Jahren geschlossen. "Hier gibt es nicht mal einen Briefmarkenautomaten", klagt Mück. Dass nach der Sparkasse nun auch noch die Volksbank Eberstadt den Rücken kehrt, kann die ehemalige Kindergärtnerin nicht fassen: "Dabei haben die die Filiale erst vor drei, vier Jahren renoviert." Das ihr von einem Filialmitarbeiter gemachte Angebot, ältere Eberstädter persönlich zum Geldautomaten zu geleiten oder nach Lich zu fahren, hält sie für unrealistisch: "Da hätte der viel zu tun." Christl Nautscher rechnet vor, wie aufwendig der Weg mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Lich ist: "Wenn sie Pech haben, sind sie da für eine Überweisung zweieinhalb Stunden unterwegs." Sie fügt hinzu: "Wie soll jemand, der nicht mehr Auto fahren kann, alleine so eine Strapaze bewältigen?" Das von der Volksbank angepriesene Telefon- oder Online-Banking sowie ein im Ort verbleibender Geldautomat sind für Nautscher keine Alternative: "Wir haben hier ältere Menschen, die können alleine nicht einmal einen Überweisungsträger ausfüllen." Zudem habe nicht jeder mehr Angehörige im Ort, die das für ihn erledigen könnten, da die Kinder heute berufsbedingt oft weit entfernt wohnten. Die mit der Unterschriften-Aktion erhobene Forderung der Eberstädter klingt bescheiden. "Ein Öffnungstag pro Woche würde uns schon reichen", so Nautscher. Stefan Spicker, Abteilungsleiter Unternehmenskommunikation bei der Volksbank Mittelhessen, sieht dafür indes keinen Spielraum: "Derzeit ist auch nicht der Einsatz einer mobilen Geschäftsstelle geplant". Dass die Volksbank künftig "nicht mehr hinter jedem Kirchturm" zu finden sein wird, schiebt er auf den harten Wettbewerb in der Branche: "Gegen die Konkurrenz der Billiganbieter und reinen Internet-Banken kann man kein großes Filialnetz aufrecht erhalten." Gleichwohl verspricht er: "Die Unterschriften der Eberstädter werden nicht ungehört und unkommentiert bleiben".

Völlig überrascht zeigte sich Lichs Bürgermeister Bernd Klein, der gestern am Rande einer Magistratssitzung von der Schließung der beiden Volksbankfilialen zum 31. Oktober erfuhr: "Das ist mir völlig neu, aber für den ländlichen Raum ist das eine mittlere Katastrophe". Klein kündigte ein persönliches Gespräch mit dem Vorstand der Volksbank an, damit wenigstens eine minimale Präsenz vor Ort in beiden Stadtteilen gewährleistet bleibe, "Gerade ältere Menschen brauchen einen persönlichen Ansprechpartner". Doch Klein weiß auch: "Letztlich kann ich da nur appellieren".


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