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Tafeln zeigen trauriges Ende eines Sozialstaats
Kreis Gießen - Pohlheim
Geschrieben von: Christine Weissenborn
am: Montag, 06. Oktober 2008 um 16:14 - Gelesen: 6882 mal
In Leihgestern wird am 17. Oktober die zweite Ausgabestelle der „Gießener Tafel“ eröffnen, genau betrachtet ist das jedoch kein Grund zum Feiern. In Deutschland wird offensichtlich wieder gehungert. Im Gießener Anzeiger vom Samstag war zu lesen, dass die 800 Tafeln des Diakonischen Werks in Deutschland eine knappe Million Menschen versorgen, bei so großen Zahlen verschwindet der Einzelne in der Menge, eine Million Menschen, die sind schön anonym. Weiter ist im Artikel zu lesen, dass in Reiskirchen, also in unserem Nachbarort, 23 Familien von so einer Tafel versorgt werden, das sind rund 60 Menschen und das ist schon nicht mehr so anonym. Es sind vielleicht sogar einige unserer Nachbarn, die sich über die Tafel versorgen, bei denen selbst der Einkauf beim Discounter das monatliche Budget sprengt. Da bleibt mir mein samstägliches Brötchen doch im Halse stecken! Schlimm ist, dass unsere Gesellschaft ehrenamtliches Engagement und Almosen braucht, um Selbstverständliches zu leisten. Eine Wohlstandsgesellschaft, die ihre Bedürftigen hungern lässt – meiner Meinung nach ist das eine Schande! Bereits im April 2007 ist in Speyer (Rheinland-Pfalz) ein 20-Jähriger „durch Armut infolge von Arbeitslosigkeit“ verhungert (http://pressemitteilung.ws/node/108227). Hätte nicht spätestens da von staatlicher Seite reagiert werden müssen? In Gesprächen mit Verwandten in einem Dörfchen nahe Speyer ergibt sich etwas für mich gänzlich Unglaubliches – Neid auf Harzt IV- Empfänger! Er hätte eben Arbeit annehmen sollen, er hätte zur Tafel gehen sollen. Ja sie haben recht, meine Verwandten, irgendwie. Doch manchmal ist ein Mensch nicht mit genug Selbstbewusstsein ausgestattet, um sich ganz öffentlich von Almosen zu ernähren. Manchmal ist ein Mensch von seinen Fähigkeiten her eben nicht in der Lage, arbeiten zu gehen, weil es ihm nie vorgelebt wurde, auch die Mutter des verstorbenen 20-Jährigen ist Hartz-IV-Empfängerin. Nein, sie sind neidisch darauf, dass es Menschen gibt, die was bekommen, ohne was zu leisten. Dass die vierhundertundpaar Euro vorne und hinten nicht reichen, nehmen sie nicht wahr. Ich hatte während meines Studiums auch Zeiten, in denen ich mit wenig Geld auskommen musste, das war noch bis vor 4 Jahren so. Mit 600 Euro im Monat bin ich gut über die Runden gekommen. Vielleicht hätte ich es auch mit 550 Euro im Monat geschafft. Aber mit etwas mehr als 400 Euro? Für mich keine Chance, vielleicht bin ich ja eine schlechte Hauswirtschafterin – vielleicht esse ich nur ab und zu gerne frisches Obst und Gemüse. Mein Fazit aus dieser Zeit: Hartz IV-Empfänger sind einfach nicht zu beneiden. Die Reaktion von Merkel und Steinbrück macht klar: Im Notfall könnte jede Menge Geld in die Hand genommen werden – um Spareinlagen zu sichern! Spareinlagen, das ist übrigens das, was man übrig hat. Ich will sicher keinem seine Altersvorsorge und Rücklagen für schlechte Tage streitig machen, aber es geht hierbei „nur“ um Geld. Bei Familien, die in Armut leben, geht es um Menschenleben.
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