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Thilo und das Damoklesschwert der politischen Korrektheit
Main-Kinzig-Kreis - Biebergemünd
Geschrieben von: André Kubitschek
am: Donnerstag, 15. Oktober 2009 um 14:24 - Gelesen: 8462 mal
Er ist inzwischen bekannt dafür, ganz gerne mal spitz oder auch offensiv zu formulieren, und eher noch mehr Öl ins Feuer zu schütten denn zu löschen, wenns gesellschaftspolitisch mal wieder brennt.

Thilo Sarrazin, Jg. 1945, derzeit Vorstandsmitglied der Bundesbank, hat Anstoß erregt mit seinen Sprüchen über nicht integrationswillige Migranten (Türken und Araber in Berlin) und stinkfaule Hartz-IV-Empfänger. Insbesondere bei den betroffenen Personenkreisen selbst sowie natürlich bei den Berufsbetroffenen aller Couleur. Und, in der Tat: man hätte das auch etwas freundlicher formulieren können.

Nur: niemand in diesem Land bemerkte, daß er noch weit mehr sagte als nur die angegriffenen Sätze, für die er nun ausgebuht wird. Und niemand befasste sich bislang ernstlich mit dem Inhalt seiner Aussagen. Nur damit, daß sie getätigt wurde - was viele, ihrer eigenen Berufung entsprechend, als nichts weniger denn als Angriff auf die Menschenwürde aller Ausländer ansahen.

Sogar der Zentralrat der Juden klinkte sich schimpfend in die Diskussion ein, und bezog seinerseits sofort Prügel, weil ihn das "überhaupt nichts anginge".

Eine zünftige verbale Keilerei war in Gang gekommen!

Als "perfide, infam und volksverhetzend", hat der Generalsekretär des Zentralrats der Juden, Stephan Kramer, Sarrazins Aussagen kritisiert. Die Analyse Sarrazins über Probleme der Unterschichten erinnere an die Untermenschen-Terminologie der Nazionalsozialisten. Er räumte ein, es gebe integrationsunwillige Menschen in der türkisch- oder arabischstämmigen Bevölkerung. Das liege aber auch an fehlenden Integrationsbemühungen der deutschen Gesellschaft, die selbst Akademiker mit türkischen Namen diskriminiere.

Und weiter im Radikal-Rundumschlag: zugleich kritisierte Kramer die Publizisten Henryk Broder und Ralph Giordano, die Sarrazins Äußerungen verteidigt hatten. Diese "jüdischen Intellektuellen" lieferten die Legitimation dafür, dass viele die Aussagen Sarrazins richtig fänden, sagte Kramer. Broder hatte erklärt, man könne dem 64-jährigen Sarrazin allenfalls vorwerfen, dass er in seiner Analyse nicht weit genug gegangen sei. Giordano hatte gesagt, Sarrazin habe mit seiner Beschreibung der Parallelgesellschaften genau getroffen.

Und die Zeitung mit den großen 4 Buchstaben (für die intellektuell eher Zartbesaiteten) sowie das Handelsblatt wussten -und berichteten- gar noch mehr:
"Ich habe den Eindruck, dass Sarrazin mit seinem Gedankengut Göring, Goebbels und Hitler große Ehre erweist“, sagte der Generalsekretär des Zentralrates, Stephan Kramer, am Freitag in Berlin. „Er steht in geistiger Reihe mit den Herren."

Zwischenzeitlich hat die Bundesbank Sarrazin bekanntlich teilweise entmachtet und ihm u.a. das wichtige Referat "Bargeld" genommen. Und die Bundesbank sieht sich nun harscher Kriti ausgesetzt für diese "intransparente und nicht nachvollzeihbare Maßnahme" ; schließlich hätten Sarrazins Äußerungen nichts mit seinem Ressort zu tun.

Im Übrigen muß man sich doch fragen, ob denn Herr Sarrazins Äußerungen nicht sogar ausdrücklich zu begrüßen sind. Lenken sie immerhin den Blick auf ein gerne totgeschwiegenes Problem - und Totschweigen, so attraktiv das für die gebeutelte Politik auch sein mag, löst Probleme bekanntlich nicht. Also greifen Sarrazins Gegner flugs zu einem Trick und deklarieren, es gäbe gar kein Problem. Oder?

Ja, man mag einwenden, Herr Sarrazin in seiner Position als Vorstand der Bundesbank solle sich solcher Äußerungen enthalten. Das sei nicht seine Aufgabe. Andererseits war Sarrazin unter Wowereit ab 2002 Finanzsenator Berlins (mit Erfolg: er konnte einen Haushaltsüberschuß reinwirtschaften). Und um Berlins Zukunft ging es schließlich in dem besagten Interview.

Auch hat Sarrazin eine Bühne, ein Podium, und dadurch das entsprechende Publikum und die Breitenwirkung, die eine solche Diskussion verdient. Wenn einer von uns solche Aussagen tätigt, verhallen sie weitgehend ungehört - das ist nicht Sinn der Sache. Und Sarrazin hat den Vorzug, keiner Regierung anzugehören und - vom politischen Tagesgeschäft entlastet - jedweder zielgerichteten Wahlpropaganda unverdächtig zu sein. Und damit die besten Voraussetzungen, eine solche überfällige Diskussion vom Zaune zu brechen.

Die Politik sollte Sarrazin dankbar sein für seine Worte. Und bestüzt darüber, wie sowohl der Zentralrat der Juden wie auch der Zentralrat der Muslime nebst einigen anderen Berufsbetroffenen die prinzipiellen Aussagen Sarrazins auch noch selbst untermauern: Sarrazin darf die genannte kritische Äußerung nicht tun (denn das sei unanständig, usw.), doch gleichzeitig darf Sarrazin öffentlich in die Nähe von Hitler, Goebbels und Göring gerückt werden - diese Aussage des Stephan Kramer (ausgerechnet, ausgerechnet er!) ist angeblich von der Meinungsfreiheit gedeckt (und selbstredend von seiner Funktion als Generalsekretär des Zentralrats, seiner unumschränkten Redefreiheit kraft Amtes, sozusagen). Eine amüsante Sicht der Dinge.

Selbst wenn Sarrazin Unfug redet (was wohl eher nicht der Fall ist, wie selbst Betroffene zugeben, muß man ihm doch die Meinungs- und Redefreiheit zugestehen, die andere wie selbstverständlich für sich (und offenbar nur für sich) reklamieren.

Jedenfalls ist es sicherlich an der Zeit, sowohl über Parallelgesellschaften ("Ihr müßt Euch nicht integrieren!" so der türkische Ministerpräsident Erdogan am 10.02.2008 in Köln; und "Ich verstehe sehr gut, dass ihr gegen die Assimilierung seid. Man kann von euch nicht erwarten, euch zu assimilieren. ... Assimilierung ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.") als auch über Meinungsfreiheit offen und, wenn es denn sein soll, auch mal laut zu diskutieren.

Und nicht sich wegzuducken vor der Zensur des Faktischen - denn wieder einmal sind wir so weit, daß derjenige Nachteile erleidet, der die Dinge schonungslos beimNamen nennt und seine Meinung sagt.

Jede Wahrheit braucht einenMutigen, der sie ausspricht.

Kommentare (2)Add Comment
Wolfgang Eichhorn
geschrieben von Wolfgang Eichhorn, Oktober 15, 2009
Thilo und das Damoklesschwert der politischen Korrektheit
smilies/wink.gif Leider gilt in der DDR 2.0 nur die Wahrheit der Gutmenschen und Möchtegern-Weltverbesserer, sowie einer Gesetzlich geschützten Gruppesmilies/angry.gif
Karin Schäfer
geschrieben von Karin Schäfer, Oktober 16, 2009
Endlich ein Beitrag zu Sarrazin ohne Faschismus-Keule!
Endlich hat sich auch ein mutiger MKK-Bürger mit den "politisch inkorrekten" aber wahren Äußerungen von Thilo Sarrazin befaßt und einen bemerkenswerten Beitrag zu diesem Thema geschrieben. Vielen Dank, Herr Kubitschek!
Überregional gibt es ja inzwischen sehr viel Zustimmung zu den umstrittenen Worten Sarrazins, die eine längst überfällige Debatte ausgelöst haben.

Ich empfehle deshalb nachzulesen: Frankfurter Allgemeine FAZ.NET "Fall Sarrazin, Zivilcourage bedeutet Risiko" von Jasper von Altenbockum, 14.10.09. In WELT ONLINE schrieb die Journalistin und Publizistin Bettina Röhl am 05.10.09 "Thilo Sarrazin und die Heuchel-Gesellschaft". Oder zur letzen TV-Talkshow "hart aber fair", Plasbergs politisch nicht ganz korrekten Diskussionsrunde mit illustren Teilnehmern (87% Zustimmung zu Sarrazin im Gästebuch der Sendung wurde wohlweislich nicht erwähnt) schreibt Ronald Gläser "Thilo Sarrazin: Orwell läßt grüßen" in ef-online, um nur die Artikel zu erwähnen, die ich mir ausgedruckt habe. Auch Olaf Henkel schloß sich Sarrazins Meinung öffentlich an und somit bleibt zu hoffen, daß die Zustimmeung der sonst meist schweigenden Mehrheit hierzulande Gehör findet, daß Zivilcourage und Meinungsfreiheit gelebt und nicht etwa bestraft werden.

Man muß nicht erst Necla Kelek's und Seyran Ates'Bücher oder das bereits 1994 erschienene hochbrisante Buch von Rolf Stolz: "Die Mullahs am Rhein - Der islamische Vormarsch in Europa", gelesen haben, (vom Koran ganz zu schweigen) um die Problematik mit einem Großteil der türkisch/arabischen Zuwanderer mit streng muslimischen Traditionen zu erkennen und die Folgen zu fürchten.

Niemand wird bestreiten, daß es auch türkische Mitbürger gibt - ich kenne einige - die sich zumindest weitgehend hier angepaßt haben. Aber durch die ewig Fordernden, wie z.B. Kenan Kolat, der u. a. mit seinem Ruf nach einem schulfreien Tag zum islamischen Fastenbrechen, sind auch diese unauffälligen Integrierten mit betroffen. Deshalb gilt es bei aller Kritik fair zu differenzieren und nicht alle über einen Kamm zu scheren. Wer hier bei uns leben will, hat eine Bringschuld gegenüber dem Staat der ihn aufgenommen hat und keine Forderungen zu stellen, er muß unsere Gesetze achten und unsere Sprache erlernen wollen, sich selbst beruflich qualifizieren und seinen Kindern die schulische Bildung ohne die zumeist üblichen Ausflüchte auf Tradition und Religion ermöglichen.

Fazit: Es gilt sowohl hier bei uns als auch im übrigen Europa wach zu werden und dem fundamentalistischen Islam mit seiner Scharia, den Vorbetern und Nachbetern, wie z. B. dem Alt-Grünen Weltverbesserer Ströbele und sonstigen selbsternannten Gutmenschen, endlich Paroli zu bieten.

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