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Auf den Spuren der Nibelungen
Wetteraukreis - Hirzenhain
Geschrieben von: Adolf Zeisberger Vogelsberger Höhen Club e.V.Zweigverein Hirzenhain
am: Mittwoch, 08. Juli 2009 um 14:27 - Gelesen: 11519 mal

Auf den Spuren der Nibelungen !
Wanderwoche des VHC Hirzenhain im Odenwald
Eine erlebnisreiche Wanderwoche bot der Vogelsberger Höhen Club Zweigverein Hirzenhain seinen Mitgliedern und Wanderfreunden im Odenwald. Unter Leitung und Führung des Vereinsmitglieds Adolf Zeisberger wurde ein schöner Teil des Odenwalds bei sechs Tages- wanderungen den Teilnehmern nahe gebracht. Naturnahe Buchen- und Eichenwälder und idyllischen Dörfern prägen die Landschaft. Wohl jeder verbindet den Namen „Odenwald“ mit der bekanntesten germanischen Heldensage, dem Nibelungenlied. Wer kennt nicht die Heldentaten Siegfrieds, der bei einem Jagdzug in den Odenwald hinterhältig von Hagen an einer Quelle im Odenwald erstochen wurde. Auf den Wandertouren durchstreiften die Teilnehmer große Teile des Odenwaldes, und der Weg führte sie an vielen historischen, kulturellen und landschaftlichen Sehenswürdigkeiten vorbei.
Vom Hotel Ferienglück in Gras-Ellenbach, dem Standquartier für die Wanderwoche, führte die erste Etappe auf den Spuren der Nibelungen zum Siegfriedbrunnen. Der Sage nach soll an dieser Stelle Siegfried von Hagen meuchlings ermordet worden sein. 1851 wurde die Quelle gefasst und ein gotisches Gedenkkreuz errichtet. Weiter führte die Tour unterhalb des Spessartkopf vorbei.
Dieser Berg wird mit dem „spehtshart“ aus dem Nibelungenlied identifiziert und für die Authentizität des Siegfriedbrunnens bei Gras-Ellenbach herangezogen. Auf der Affolterbacher Höhe stießen die Wanderer auf ein einzigartiges Flurdenkmal, den „Verbotsstein“, der als Verkehrsschild diente. Die Inschrift auf dem Stein lautet: “Wer neben die Wandstein fährt und ohne Radschuh rehmt, köst 1Gulden 30 Kreuzer Strafe, L.R.B.Z Erbach 1831“. Mit Wandsteinen sind Begrenzungssteine an der Strasse gemeint. Der Fuhrmann wird aufgefordert, auf dem Weg zu bleiben sowie bei der Talfahrt einen Radschuh anzulegen. Auf einem alten Grenzweg führte die Wanderstrecke zur Affolterbacher Hütte und weiter abwärts zum idyllisch gelegenen Forsthaus in Dürr-Ellenbach. Der Ort war einst eine selbstständige Gemeinde mit 52 Einwohnern. Da jedoch für die kleinen Bauern die kargen Lebensverhältnisse zusehends schlechter wurden, wanderten sie, wie vielerorts in Deutschland, nach Amerika aus. 1854 erwarben die Grafen von Erbach die übriggebliebene Hofreite. 1923 kam der Hof an das Land Hessen und wurde fortan als Forsthaus genutzt. Das letzte Stück der Etappe führte, mit herrlichen Ausblicken, oberhalb von Aschbach vorbei hinab nach Wald-Michelbach.
Von den Parkplätzen am Waldschwimmbad in Wald-Michelbach führte am nächsten Tag die zweite Etappe nach Birkenau. Zunächst ging es durch den Wald bergauf nach Siedelsbrunn. Auf der Höhe hatten die Wanderer einen sehr schönen Blick zurück auf das obere Ulfenbachtal mit den Ortschaften Aschbach, Affolterbach, Wahlen und Gras-Ellenbach. Der Ort Siedelsbrunn ist heute als staatlich anerkannter Luftkurort ein vielbesuchtes Naherholungsgebiet. Seine erste urkundliche Erwähnung findet er 1012 als „ad Sidilines Brunnon“ in einer Urkunde des Bistums Worms. Auf gut markiertem Wanderweg ging es, zu einer markanten Felsengruppe mitten im Wald, dem Götzenstein. Hier wurde zunächst die Mittagsrast gehalten. Man nimmt an, dass früher an dieser Stelle eine Kult- und Thingstätte zu finden war. Die mächtigen Granitblöcke lassen zwar keine Spur einer künstlichen Bearbeitung erkennen, aber die völlig ebene Bergkuppe, an deren Rand sie liegen, lässt eine von Menschen geschaffene Fläche vermuten. Einige Funde aus der jüngeren Steinzeit bestätigen diese Vermutung. Viele Sagen ranken sich um diese Stelle. Siedler, die dann später an diese Ort kamen und sahen, dass Heiden hier geopfert hatten, gaben dem Berg den Namen Götzenstein. Die weiter Wanderung nach Birkenau führte größtenteils auf aussichtsreichen Waldrandwegen mit Blick auf die Wachenburg bei Weinheim, die Rheinebene mit den Städten Mannheim und Ludwigshafen. Kurz vor dem Wanderziel kam die Wandergruppe an einem bekannten Feldkreuz vorbei, dem sogenannten Franzosenkreuz. Der Überlieferung nach soll hier zur Zeit der Franzosenkriege ( Pfälzischer Erbfolgekrieg von 1688 – 1697 ) ein französischer Offizier von Bauern erschlagen und auf dem Hügel begraben worden sein, weil seine Soldaten die Äcker geplündert hatten. Bald nach dem Feldkreuz wanderte die Gruppe hinab ins Weschnitztal nach Birkenau. Die Gemeinde Birkenau feierte 1995 gemeinsam mit weiteren Orten des Weschnitztals das 1200 Jahr-Jubiläum. Im Mittelalter war Birkenau ein Bauerndorf. Heute ist der Ort eine attraktive Wohngemeinde, die auch als staatlich anerkannter Luftkurort für den Fremdenverkehr Anziehungskraft hat.
Am nächsten Tag verließen die Wanderer Birkenau in Richtung Nieder-Liebersbach mit Ziel Heppenheim. Der Wanderweg führte hinauf in den Wald zum bekannten „Lust-Brunnen“ mit Schutzhütte und weiter bergauf zum Weinheimer Kopf. Hier verläuft ein alter Höhenweg, der gleichzeitig Grenzweg zwischen Hessen und Baden ist. Mehrere größere Grenzsteine mit den Buchstaben GH (Großherzogtum Hessen) und GB ( Großherzogtum Baden) machen auf diese alte Grenze aufmerksam. Es wurde der Waldner Turm erreicht, der 1830 von einem hier ansässigen Grafen Waldner errichtet wurde. Diese Stelle gehörte aber schon vorher – ebenso wie das Lärmfeuer bei Gras-Ellenbach – zu einer Kette von Signalstationen, mittels derer man durch Rauch und Lichtzeichen Nachrichten, wie z.B. das Anrücken des Feindes übermittelte. Die Tour führte weiter, durch einen beeindruckenden Buchenwald, zur Juhöhe und hinab nach Heppenheim dem Tagesziel. Die Stadt Heppenheim und ihre Starkenburg blicken auf eine sehr bewegte Geschichte zurück, deren Entwicklung vom Kloster Lorsch entscheidend beeinflusst worden war. 755 wurde Heppenheim erstmals erwähnt. 773 schenkte Karl der Große den Ort und die Mark Heppenheim dem neu gegründeten Kloster Lorsch. 1065 ließ Abt Udalarisch auf der Bergkuppe oberhalb von Heppenheim ein Befestigungsanlage erbauen, die im Laufe der Zeit zu einer Schutzburg ausgebaut wurde und den Namen Starkenburg erhielt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde die Starkenburg wieder vollständig instandgesetzt. In den nachfolgenden Jahren (1689-1693) konnte sie den französischen Truppen trotzen. Mit der Verbesserung der Waffentechnik verlor die Burg ihre strategische Bedeutung. Die letzte Besatzung wurde 1765 von der Burg abgezogen, und die Befestigungsanlagen wurden für einige Jahre meistbietend zum Abbruch freigegeben. Erst 1787 wurde der weitere Abbruch untersagt. Heute befindet sich in der Starkenburg eine Jugendherberge.
Die nächsten Etappe der Wandertour führte, ausgehend von der Starkenburg, von deren Turm die Wanderer einen wunderschönen Rundblick auf die Höhen des Odenwaldes, die Bergstrasse und die Stadt Heppenheim hatten, nach Lindenfels. Bei der Jägerrast, einer sieben Wegekreuzung mit Schutzhütte wurde die Mittagsrast eingelegt, bevor es weiter über Scheuerberg, Seidenbach und Schlierbach steil hinauf nach Lindenfels, einem Städtchen, das man aufgrund seiner idyllischen Lage, als Perle des Odenwaldes bezeichnet, ging.
Bevor am nächsten Tag die Wanderer Lindenfels verließen, ging es hinauf zur Burg. Hier gab der Wanderführer einige geschichtliche Erläuterungen. Die erste überlieferte Bezeichnung „Lindenfels“ bezieht sich auf den Grafen von Hohenberg, der sich 1123 Graf von Lindenfels nannte. Zwischen 1160 und 1180 erhielten die Pfalzgrafen die Burg Lindenfels. Es kam zu Streitigkeiten zwischen dem Erzbistum Mainz und den Pfalzgrafen. Obwohl die Burg Lindenfels öfters belagert wurde, konnte sie dennoch nie eingenommen werden. 1779 aber war die Burg so baufällig geworden, dass die kurpfälzische Regierung in Mannheim einen Teilabbruch genehmigte. Die Burg wäre vermutlich vollständig abgebrochen worden, wenn das Oberamt Lindenfels 1803 nicht hessisch geworden wäre. Die hessische Regierung verbot jede weiter Zerstörung, doch war zu diesem Zeitpunkt die Burg schon eine Ruine. Von der Burg führte die Route nun hinauf zur Bismarckwarte mit einem Aussichtsturm der 1906 erbaut wurde. Über Wiesen und Felder mit weiten Ausblicken ging es weiter nach Winterkasten und hinauf zur Neunkirchner Höhe, der mit 605 Meter zweithöchsten Erhebung des Odenwaldes. 1888 war hier auf der Höhe ein hölzerner Turm errichtet worden, der jedoch schon 1906 durch einen 80 Meter hohen Steinturm ersetzt wurde. In ihm befindet sich die höchstgelegene Gaststube des Odenwaldes. Nach einer ausgiebigen Mittagpause wanderte man weiter vorbei am Seibertstein mit Gedenktafel, die an Ludwig Seibert erinnert, der schon wenige Jahre nach Gründung des Odenwaldklubs am 8.1. 1882 ein Wegmarkierungssystem mit farbigen Symbolen entwickelte, das im wesentlichen heute noch besteht, zum Weiler Freiheit bis zur Burgruine Rodenstein. Diese Burg wurde 1250 von den Rittern von Crumbach als Trutzburg errichtet, die nie durch Kampfhandlungen zerstört wurde. Als der letzte Rodensteiner 1671 in Heppenheim starb, war sie schon nicht mehr bewohnbar. Sie zerfiel und wurde von der Bevölkerung auch teilweise als Steinbruch genutzt. Erst durch die Initiative des Odenwaldclubs wurde die Ruine unter Schutz gestellt und gesichert. Zahlreiche Sagen ranken sich um die Rodensteiner. Auf dem Weg von der Burg nach Reichelsheim viel der Blick der Wanderer immer wieder auf die Burg Reichenberg, die auf einem Bergkegel über dem Gersprenztal und Reichelsheim liegt.
Die letzte Etappe der Rundtour auf den Spuren der Nibelungen führt die Wanderer von Reichelsheim nach Gras-Ellenbach. Der Wanderweg führte hinauf zum Heidenbuckel, zur Irrbachquelle, über den Klöß- und Schmelzbuckel hinab nach Weschnitz. Obwohl der Weg größtenteils durch abwechslungsreichen Mischwald führte, boten sich immer wieder herrliche Ausblicke auf die Odenwaldlandschaft. Von Weschnitz führt ein steiler Serpentinenweg hinauf zur Walburgiskapelle, wo sich früher ein keltisches Heiligtum befunden hat. Man erzählt, dass die heilige Walburga, die Nichte des heiligen Bonifatius, mit ihren Brüdern Wunnibald und Willibald hierher gekommen sein soll, um an der heidnischen Kultstätte das Christentum zu verkünden. Sie wurde von Heiden verfolgt und fand Schutz in einer Höhle. Ob sie dann tätsächlich an dieser Kultstätte eine Kapelle bauen ließ, ist nicht bekannt. Nachgewiesen ist, dass in der Grenzbeschreibung der Heppenheimer Mark von 795 eine der heiligen Walburga geweihte Kapelle genannt wird. Die heutige Kapelle wurde 1815 errichtet. Feststeht, dass seit über 300 Jahre Wallfahrten zu der Walburgiskapelle gemacht werden. Vom Kapellenberg bot sich den Wanderern ein schöner Ausblick auf das Weschnitztal, nach Lindenfels und die umliegenden Höhenzüge des Odenwaldes. Nicht weit von der Walburgiskapelle entfern, am Hang des Kahlberges, fanden die Wanderer einen Gedenkstein, der an ein bedeutendes geschichtliches Ereignis erinnert: die Grenzziehung der Mark Heppenheim durch Karl den Großen im Jahre 795. Durch einen lichten Buchenwald wanderte die Gruppe weiter in das Gaßbachtal zum Cafe Bauer, zu einer wohl verdienten Cafepause, und zum Endpunkt der Rundtour nach Gras-Ellenbach. Die Wanderer legten ein Strecke von 94 Kilometer zurück, dies entspricht einem Tageskilometer Durchschnitt von 15,6 Kilometer.
Voller schöner Eindrücke und Erinnerungen an den Odenwald wurde die Heimreise angetreten.



An der Siegfriedquelle bei Gras-Ellenbach

Rast am Götzenstein

Im Innenhof der Starkenburg


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