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Lappland, Treis, Südafrika – zu Fuß rund um die Welt
Kreis Gießen - Staufenberg
Geschrieben von: Astrid Knoess
am: Dienstag, 19. August 2008 um 10:24 - Gelesen: 9066 mal
„Gestatten, Sven Borg, 60 Jahre und aus Lappland.“ Am Sonntagvormittag saß er plötzlich da. Seinen Handwagen hatte er im Biergarten mitten in Treis/Lda. geparkt. Er selbst saß am Tisch vor einem Weizenbier. „2012 komme ich wieder“, sagt er zu Wirtin Sigrun Becker. Dann will der Mann aus dem Norden in Johannesburg in Südafrika gewesen sein. Zu Fuß. „Ich bin der letzte Vagabund“, erklärt Sven Borg lächelnd in gutem Deutsch, ohne vielleicht zu ahnen, dass dies als Schimpfwort verstanden werden könnte. Aber das hat der Mann aus Lappland keineswegs verdient. Er ist kein Obdachloser. Und seine Lebensgeschichte ist eine andere: Er war Restaurator, hatte vor acht Jahren einen schweren Arbeitsunfall. Drei Monate lang lag er im Koma, ein Jahr im Krankenhaus. Dann wurde Sven Borg entlassen mit der Prognose, den Rest seines Lebens in einem Pflegeheim verbringen zu müssen. Doch das war nichts für den „freien Samen“, wie Sven Borg stolz von dem Volk in Lappland erzählt. Er wollte die Welt erkunden. Und das hat er getan. Seine erste Reise dauerte vier Jahre lang und führte ihn unter anderem nach Indien. Am 1. April 2008 hat er sich erneut von seiner Mutter im fernen Norden verabschiedet, um quer durch die Welt zu ziehen. Sein Ziel ist diesmal Kapstadt in Südafrika. Alles, was der 60-Jährige zum Leben braucht, zieht er in seinem Handwägelchen hinter sich her. Schlafsack, Wäsche, Kochgeschirr, eine Öllampe, löslichen Kaffee und seine Tagebücher hat er darin verstaut. „Nehme niemals einen Kredit bei einer Bank auf. Sonst bist Du nämlich nicht mehr frei.“Sven Borg, freier Same Jeden Tag führt er Buch. Von Kirchheim ist er ins Lumdatal gekommen. Alles ist genau dokumentiert. Das Büchlein ist voll mit Eintragungen, Visitenkarten und Stempeln von Gasthäusern, Firmen, Gemeinden und Behörden. Ist das Büchlein voll, schickt Sven Borg es an einen Journalisten der schwedischen Zeitung Abendblatt. Der berichtet nicht nur über ihn, sondern mit ihm steht er in Kontakt, um über das Weltgeschehen informiert zu sein. Das ist oft lebenswichtig, wenn Sven Borg etwa Länder erkundet, die inzwischen zu Krisenregionen geworden sind. Auf Sicherheit ist der Same stets bedacht. Er, der in Jugendherbergen, in kirchlichen Einrichtungen („Die dänische Auslandskirche ist eine tolle Adresse“), aber auch irgendwo in der freien Natur übernachtet, hat auf seinem Weg durch die Welt oft Angst vor Überfällen. Deshalb besucht er auf seinem Marsch auch häufig die Polizei, um sich einfach mal vorzustellen und Kontakt zu haben. Das Pfefferspray und den Schlagstock, die er im Gepäck hat, haben ihm übrigens Polizisten geschenkt. Doch was treibt den Mann in der blauen Jeansjacke und der Prinz-Heinrich-Mütze auf dem Kopf an? „Das liegt in unserer Familie. Wir sind freie Samen“, erklärt Sven Borg eindrucksvoll, denn er berichtet in diesem Zusammenhang auch von seiner Mutter. Die ist 94 Jahre alt, hat sich im letzten Jahr erst einen Motorschlitten von Yamaha gekauft und ist mit ihrem Gewehr öfter mal für Wochen in den Wäldern und Bergen unterwegs. „Bei meiner ersten Reise habe ich zu Mutter gesagt, Du ich gehe jetzt in die Welt, nach Indien. Gut, hat sie gesagt, ich gehe jetzt nach Russland.“ Und das haben beide dann auch getan. „Ich bin der letzte Vagabund.“ Sven Borg, WeltenbummlerZum Rezept der persönlichen Freiheit gehört für die Familie auch ein fester Grundsatz: „Nehme niemals einen Kredit bei einer Bank auf. Sonst bist Du nämlich nicht mehr frei.“ Sven Borg hat selten mit einer Bank zu tun. Nur dann, wenn er per Karte am Automaten seine Rente holt. Zu seinen Lieblingsländern, die er erwandert, gehören übrigens Dänemark, Deutschland und Österreich. Frankreich mag er nicht. Zu viel Kriminalität und schlechtes Essen, meint er. In Treis konnte davon am Sonntagvormittag keine Rede sein. Schöne Gespräche und ein leckeres Hähnchen, das Wirtin Sigrun Becker ihm spendierte, haben sicher die besten Eindrücke hinterlassen. Und 2012 will er ja auch gerne wiederkommen.
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