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Quo vadis Spritpreis?
Main-Kinzig-Kreis - Gelnhausen
Geschrieben von: Dr. Carsten Kettner
am: Mittwoch, 17. Juni 2009 um 11:44 - Gelesen: 9238 mal
Die Spritpreise an den Tankstellen eignen sich ja immer wieder für populistische Bemerkungen aus der Politik – diesmal jedoch vermisse ich genau diese Sprüche, oder auch nicht.
Anlaß ist ein heute wahrgenommenes Rekordhoch von 1,40 EUR pro Liter Benzin oder Super (die Dieselpreise interessieren mich nur peripher, da ich keinen Selbstzünder fahre) an einer Gelnhäuser Tankstelle. Daß diese Wahrnehmung nicht ganz subjektiv ist, bestätigt auch eine Meldung des ADAC von gestern, nach der der Autoclub von stark überhöhten Benzinpreisen spricht. Leider ohne Ursachenforschung.

Ich frage ich mich allen Ernstes, was hier das preistreibende Moment sein kann und komme immer wieder zum Schluß, dass es sich hier nur um gnadenlose Abzocke der Mineralölfirmen sein kann.

Denn:
- das lange Wochenende, das zur Reisen geradezu herausfordert, ist vorbei. Zu Beginn dieses Wochenendes zogen die Preise schon an;
- die Ferienzeit hat noch nicht begonnen;
- das nächste Wochenende steht noch nicht vor der Tür;
- heute ist Mittwoch, der klassische Preisanstiegstag ist Montag, wenn die Pendler ihre Fahrzeuge wieder volltanken müssen;
- kein Hurrican weit und breit in Sicht, der die wenigen maroden Raffinerien der Amerikaner hinwegfegt;
- im Iran ist es zwar unruhig, aber der Iran spielt für Deutschland nicht die Rolle als Mineralöllieferant;
- im Irak ist es nicht minder unruhig, aber diese Situation ist nicht neu, außerdem spielt der Irak ebenfalls keine Rolle als Öllieferant;
- die Rezession hinterlässt auch Spuren im weltweiten Ölverbrauch, demnach spiegelt der hohe Preis nicht eine hohe Nachfrage wider;
- auch die Chinesen oder Inder sind es diesmal (anders als beim Milchpreisanstieg ) nicht schuld;
- der Rohölpreis liegt bei 0,32 EUR/l (0,445US$/l), mithin bei knapp 51 EUR/Barrel (70,75 US$/Barrel) und somit weit weg vom Rekordölpreis von über 140 US$ pro Barrel (=159 l), der uns bereits im letztenSommer Rekordpreise für Benzin, Super und Diesel beschert hat.

Diese Aufzählung ist sicherlich nicht vollständig, 22 weitere Gründe für die einzige Richtung des Benzinpreises (nach oben) finden sich auch hier: http://www.frank-wettert.de/22-gruende-warum-der-benzinpreis-immer-weiter-steigt/.


Unter dem Strich bleibt für mich nur die gnadenlose Geldgier von Aral, Shell und Konsorten, die vom Wirtschaftsabschwung nichts wissen wollen und mit Wucherpreisen die Bevölkerung abzocken.
Selbst die Gasversorger mussten einsehen, dass die Ölpreiskopplung für die Gaskunden nun auch einmal positive Nachrichten bescheren muß: Die Gaspreise sinken, ja fallen gerade zu und bewegen sich auf das Preisniveau von 2005 zurück.

Daß aus der Politik dennoch keine empörenden Worte zu hören sind, ist auch klar: Mit jedem Liter, der 1,40 EUR kostet, schöpft der Staat 0,50 EUR Mineralölsteuer, 0,15 EUR Ökosteuer und 0,19 EUR Mehrwertsteuer ab. Insgesamt 0,84 EUR Steuern. Die restlichen 0,56 EUR gehen für Rohstoff, Verarbeitung, Transport und Gewinn der Mineralölkonzerne drauf.
Damit bleibt nur – der nicht neue – Schluß, dass sich die autofahrenden Verbraucher einem industriellem-staatlichen Kartell gegenübersieht, dem er nur schwerlich ausweichen kann, und das alle Merkmale des Wuchers aufweist.

Die einzige Gegenwehr besteht darin, so oft wie möglich das Auto stehen zu lassen. Gerade im Sommer sollte diese Verhaltensänderung doch deutlich leichter fallen. Rad- oder Bahnfahren oder zu fußgehen schonen nicht nur den Geldbeutel, sondern sind auch der Gesundheit sehr zuträglich.

Der Verbraucher hat ungeahnte Macht, er muß sie nur nutzen: Lassen Sie das Kartell am langen Arm verhungern und lassen Sie das Auto stehen! Es lohnt sich in vielerlei Hinsicht - auch dahingehend, daß das persönliche Zeitmanagement einmal überprüft wird.


Kommentare (5)Add Comment
Peter Kleinsorge
geschrieben von Peter Kleinsorge, Juni 17, 2009
...
Hallo Herr Kettner,
das Preisgebahren der Mineralölkonzerne, ein immerwährendes Thema.

Für die aktuellen Hochpreise können die Mineralölkonzerne nur bedingt etwas dafür.

Zu Jahresbeginn war die Rezession, mit entsprechend schlechten Aussichten für die Weltkonjunktur, auch am Ölmarkt das vorherrschende Thema.
Das Preisniveau hat mit einer Spanne von 40 bis 55 US Dollar pro Barrel diese düstere Stimmung abgebildet.
An der Tankstelle sanken die Spritpreise auf Tiefststände.

Mit den ersten positiven Wirtschaftsmeldungen Anfang Mai begannen Investoren neuerlich auf steigende Ölnotierungen zu setzen. Als Folge steht der Rohölpreis aktuell bei 70 US Dollar pro Barrel.

Vergleicht man die Spritpreisentwicklung und die Entwicklung des Rohölpreises, in diesem Jahr, so fällt auf dass die Mineralölkonzerne an den verlängerten Wochenenden Phantasiepreise gefordert haben. Diese Prozedur wiederholt sich jedes Jahr aufs neue...

Das aktuelle Preisniveau fällt aber nicht aus dem normalen Rahmen heraus.

Der größte Anteil wird an den Fiskus abgeführt, an dieser Stelle eine Preisreduktion zu erwarten wäre unrealistisch.

Die einzige Möglichkeit zu Geld zu sparen ist, wann immer es geht, das Auto stehen zu lassen, oder wenn man doch fahren muss sollte man spritsparend fahren.
Grüße
Peter Kleinsorge
Dr. Carsten Kettner
geschrieben von Carsten Kettner, Juni 18, 2009
Ölpreis und Benzinpreis verlaufen nicht linear
Hallo Herr Kleinsorge,

leider verfallen Sie derselben Argumentationsweise wie die Mineralölkonzerne:
miese Stimmung = niedriger Ölpreis = niedriger Benzinpreis, wobei die "Spritpreise auf Tiefststände" angesichts eines Preises von rund 40 US$/Barrel relativ sind. Die Preise fielen nie lange und deutlich unter 1,20 EUR pro Liter.

und:

Stimmungsverbesserung in der Wirtschaft = gute Laune bei Investoren = steigende Öl- und Benzinpreise? Ersetzen Sie Investoren durch Spekulanten und dann paßt es wieder. Übrigens ähnlich wie zu Höchstpreiszeiten im Sommer vergangenen Jahres.

Das aktuelle Preisniveau fällt aber nicht aus dem normalen Rahmen heraus.


Doch, tut es. Denn es besteht offensichtlich kein linearer Zusammenhang zwischen Rohölpreis und Benzinpreis:
Im Juni 2008 kostete ein Liter Normalbenzin 1,52 bei gleichzeitigem Ölpreis von über 144 US$/Barrel.
Im Juni 2007 kostete ein Barrel Öl rund 70 US$ und der Benzinpreis lag um 1,34 EUR/l.
Heute tankt man für 1,40 EUR/l bei einem Ölpreis von rund 50 US$/Barrel. In der Zwischenzeit werden sich die Kosten für Transport, Lagerung und Verarbeitung nicht derart geändert haben, daß sich die Proportionalität ändert.

Übrigens: das letzte Mal, als die Benzinpreise um 1,20 EUR lagen, kostete das Barrel Rohöl fast 70 US$.

Wir sind uns immerhin darin einig, daß die einzige Alternative zur Mästung von Konzernen und Staat spritschonendes Fahren oder Laufen ist.

Quelle für Daten: benzinpreis.de; www.tecson.de
Peter Kleinsorge
geschrieben von Peter Kleinsorge, Juni 18, 2009
Aufwand und Gewinnanteil der Mineralölkonzerne ziemlich konstant bei 7%
Hallo Herr Kettner,
ich fahre einen Selbstzünder und schaue deshalb kritischer auf die Dieselpreise, die Themenstellung ist aber die gleiche.

Ich habe nichts dagegen wenn Sie das Wort Investoren durch Spekulanten ersetzen wollen.
Die Financial Times berichtete hierzu:
"China und internationale Kapitalanleger haben den Ölpreis nach Auffassung von Rohstoffexperten in die Höhe getrieben. Die Verteuerung in den letzten Wochen sei nur teilweise auf das leichte Anziehen der Weltkonjunktur zurückzuführen."
Um maximale Rendite zu erzielen wurde bei den ersten Anzeichen von positiven Daten in Rohöl "investiert". Das Interesse der Kapitalanleger bewirkt einen Rohölpreisanstieg, obwohl real gar nicht mehr Öl nachgefragt wird.
Es ist wieder das gleiche Spiel wie vor der Finanzkrise.

Die Regierung Obama hat eine Initiative gestartet dass der Rohölpreis künftig nicht durch Spekulationsgeschäfte nach oben getrieben werden sollen, mal sehen was draus wird.
Ich verurteile, ebenso wie Sie, dass der Rohölpreis aus Renditegründen herauf getrieben wird, die Mineralölkonzerne mögen einen Anteil haben, alleine schuldig sind sie hieran nicht.

Einig waren wir uns auch dass die Mineralölkonzerne insbesondere an langen Wochenenden und zu Reisezeiten sehr kreativ bei der Preisfindung sind.

Der aktuelle Rohölpreis, Stand heute, liegt bei 71 US Dollar pro Barrel und nicht wie Sie schreiben bei rund 50 US Dollar.

Diesel kostet in Gelnhausen aktuell um 1,11 Euro / Liter.
Benzin kostet in Gelnhausen aktuell um 1,38 Euro / Liter.
Die Preisdifferenz zwischen Diesel und Benzin entspricht ungefähr wieder den Differenzen der Steuersätze.

Die Benzinpreise sind regional unterschiedlich, vergleicht man beispielsweise die Preise von Büdingen und Gelnhausen stellt man fest dass Büdingen fast durchgängig um bis zu 5 Cent / Liter günstiger ist.
Dies liegt daran dass in manchen Regionen höhere Preise aufgrund starker Konkurrenz nicht durchsetzbar sind.

Fakt ist aber dass der Preisanteil, den die Mineralölkonzerne direkt beeinflussen ziemlich konstant bei rund 7% des Gesamtpreises liegt.
Ein eventueller Anteil der Mineralölkonzerne an der Spekulationsblase rund um die Rohölpreise ist bei dieser Aussage allerdings nicht berücksichtigt.

Ich bleibe dabei, die Preise an den Tankstellen, nicht die Rohölpreise, sind noch in einem normalen Rahmen.

Nur so nebenbei:
Wenn man sich das Treiben auf deutschen Autobahnen anschaut könnte man den Eindruck bekommen dass die Benzinpreise immer noch zu niedrig sind.

Also, wer seinen Geldbeutel wirklich schonen möchte sollte
•weniger fahren (nur notwendige Fahrten)
•spritsparend fahren
und sich beim nächsten Autokauf ein verbrauchsgünstiges KFZ zulegen. Der Umwelt tut dies ebenfalls gut...
Aber an dieser Stelle waren wir uns ja einig...
Grüße
Peter Kleinsorge

Heinz Ohlig
geschrieben von Heinz Ohlig, Juni 18, 2009
Regularien der freien Marktwirtschaft
Hallo Herr Kettner u. Herr Kleinsorge,
wie naiv muss man bei dieser Preisgestaltung sein, um an die Regularien unserer freien Marktwirtschaft noch zu glauben?
Als vor ein paar Jahren der Staat, umweltfreundliche und sparsame Gasheizungen verordnete, liefen die Gaszähler zwar langsamer, aber zum Ausgleich wurden die Gaspreise
(mittlerweise mit Druck wieder zurückgenommen)drastisch erhöht.
Auch die Strompreise müssten dieses Jahr eigentlich deutlich sinken.
Die mangelnde Nachfrage der schwächelten Konjunktur und die dadurch bedingten Betriebsschließungen, sollten dies bewirken. Und 2009 ist kein Schaltjahr!
Aber die Strompreise werden weiter erhöht.

Was den horrenden Benzinpreis betrifft, habe ich den Eindruck, dass Zocker auf dieses hohe Preisniveau gesetzt haben.
Oder aber der überhohe Preis ist der Vorbote, der zu erwartenden Inflation.

Natürlich bin ich auch der Meinung, dass man mal sein Fahrzeug stehen lassen soll, um für die eigene Kasse was zu tun.

Ich frage mich: wie kann eine soziale Marktwirtschaft funktionieren, wenn der Bürger einer solchen Preiswillkür ausgesetzt ist?

Heinz Ohlig

Peter Kleinsorge
geschrieben von Peter Kleinsorge, Juni 18, 2009
nicht funktionierende unregulierte Märkte
Hallo Herr Ohlig,
dafür dass Spekulanten durch ihre Zockerei mit Rohöl Gewinne machen können, müssen wir Verbraucher bezahlen.

In einigen Branchen, wie Benzin-, Gas- und Stromversorgung kann nicht von einem funktionierenden Marktgeschehen gesprochen werden.
Ganz gleich ob es nur eine begrenzte Zahl von Rohstoffen (Öl) gibt, Spekulanten verdienen wollen, wenige Konzerne sich einen Markt (Kartell) teilen, überhöhte Gebühren (Durchleitungsgebühren) verlangt werden, all dies ist zum Nachteil der Verbraucher.
Immer zahlt der Verbraucher drauf, besonders dreist ist es wenn er diese Produkte, im Rahmen der Daseinsvorsorge, benötigt.

Die Politik hat, über alle Ebenen hinweg, versagt, sich teilweise sogar zu Komplizen gemacht.
Viele Kommunen haben ihre Energieversorgung, sehr zum Leidwesen der Verbraucher die dafür zahlen müssen, für ein Butterbrot privatisiert.
Politik lässt zu, dass Verbraucher von Spekulanten in ihrem grenzenlosem Gewinnstreben, in Geiselhaft genommen werden.
Märkte werden ohne Sinn und Verstand liberalisiert.

Der Spiegel berichtete dass der amerikanische Präsident gerade versucht dieses Dilemma zu beenden. Bleibt zu hoffen dass dieses Vorhaben gelingt.

Die Lehre(n) aus dieser Geschichte?
Die Privatisierung von Leistungen zur Daseinsvorsorge ist grundsätzlich abzulehnen.
Die soziale Marktwirtschaft liegt im Koma, wir Konsumenten warten auf einen Messias der die soziale Marktwirtschaft wiederbelebt.

Bis dahin bleibt, nicht verzweifeln und sich wehren.

Grüße
Peter Kleinsorge




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