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Mit über 10.000 Namen nach Berlin
Kreis Gießen - Gießen
Geschrieben von: Anzeigerlokal
am: Mittwoch, 27. Mai 2009 um 10:54 - Gelesen: 6568 mal
Fast im Vorbeilaufen unterschreibt der Kunde auf dem Zettel im Klemmbrett. Damit bekundet er den Wunsch nach einem Erhalt von Karstadt am Standort Gießen, der auf dem Spiel steht. Mehr als 10.000 Unterschriften sind inzwischen auf diese Weise zusammengetragen worden, Name für Name, fein säuberlich aufgelistet. Der Mutter-Konzern Arcandor benötigt bis 12. Juni finanzielle Sicherheiten über 650 Millionen Euro. Dann laufen die bisherigen Kredite ab. Heute werden 100 Beschäftigte nach Berlin reisen, das Ergebnis der solidarischen Aktion im Gepäck, und zusammen mit Karstadt-Mitarbeitern aus der ganzen Republik vor dem Wirtschaftsministerium für eine Staatsbürgschaft demonstrieren. Im Kaufhaus am Selterstor gibt es bei Kunden wie Angestellten kein anderes Thema als die Karstadt-Krise.

Elke Ruschak ist es, die in der Süßigkeiten-Abteilung im Erdgeschoss in den Pausen auf die Kunden zugeht. "Da bekomme ich viel mehr zusammen, als wenn ich an der Kasse warte", sagt sie. Nahezu hundert Prozent unterzeichnen, so wie Hans Ahlborn, Gastronom aus Gießen. "Wenn Karstadt schließt, dann geht
eine der attraktivsten Einkaufsmöglichkeiten verloren", sagt er. Karstadt sei ja auch ein Treffpunkt. Im Bistro diskutiere er bei einem Kaffee gerne über Fußball. "Und im Laufe der Jahre kennt man ja auch die Verkäuferinnen, da hat man immer auch den persönlichen Kontakt." Die Nachrichten der vergangenen Tage, dass der Aktienkurs eingebrochen ist oder die Politik in Berlin den Hilferuf der Arcandor-Spitze überhört hat, interessiert nicht. Die Frage lautet: Bleibt Karstadt in Gießen oder nicht?

Die zweite durchaus realistische Variante mag sich Elke Ruschak nicht vorstellen. Sie arbeitet in Vollzeit im 40. Jahr am Selterstor und hat mehrere Geschäftsführer erlebt. "Wir haben halt die Hoffnung, dass es gut geht, muss ja." Walter Jacobs ist ihr Abteilungsleiter. Beide haben ein kollegiales Verhältnis. "Wir sind hier in Gießen ein erfolgreiches Haus, nur wenn die Mutter krank ist, dann sind wir auch tot, dann hilft uns das auch nicht weiter", sagt er. Als Betriebsrat fährt auch er mit nach Berlin. "10.000 Unterschriften werden es bestimmt", sagt er, "für Gießen mit 74000 Einwohnern ist das sehr beachtlich." Vor allem freut ihn die Solidarität der Menschen.

Elke Ruschak nickt zustimmend: "Bei den Kunden gibt es ganz starke Emotionen und jeder sagt: Ohne Karstadt, was mach¹ ich da?" Über seine Lage macht sich Walter Jacobs keine Illusionen. Viele im Haus hätten es bislang nicht registriert, dass Karstadt am 12. Juni nicht mehr existieren könnte. "Mit 56 Jahren ist der Arbeitsmarkt auch nicht so, dass alle auf einen warten." Für den Gießener Einzelhandel sähe er schwarz: "Was ist denn dann auf dem Seltersweg? Handyläden, Backshops und Schuhgeschäfte." "Ich kaufe alles hier, da ist alles unter einem Dach", sagt Kundin Waltraud Heilenz aus Kleinlinden, als wolle sie klarstellen: An mir liegt es nicht. Den Beweis trägt sie in Form einer blauen Tüte am Handgelenk mit einer Digitalkamera und einem Paar Turnschuhe darin. "Das würde eine riesen Lücke reißen."

Solche Kunden habe sie heute viele gehabt, sagt Elke Ruschak danach, als sie bei ihrer Kollegin Birgit Sauer bei den Lutschern steht. "Gestern waren ältere Herrschaften da, die haben wirklich geweint", berichtet sie. Auch sie ist mit 25 Jahren Zugehörigkeit eine langgediente Karstadtianerin. "Wenn es Karstadt nicht mehr gibt, dann ist die Innenstadt tot", sagt sie. Elke Ruschak ergänzt: "Und wir auch. Wir sind Karstadt." Wer so denke wie sie, der leide momentan wie ein Tier. "Dass wir so lange hier sind, das beweist ja, dass das Haus sehr gut geführt wird", sagt sie.


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