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Kirchengeschichtliche Wanderung
Wetteraukreis - Hirzenhain
Geschrieben von: Adolf Zeisberger Vogelsberger Höhen Club e.V.Zweigverein Hirzenhain
am: Sonntag, 08. März 2009 um 17:53 - Gelesen: 13430 mal

Kirchengeschichtliche Wanderung des VHC
Die VHC Zweigvereine Hirzenhain und Stockheim hatten zu einer geschichtlichen Wanderung im Gebiet Glauburg eingeladen an der viele Mitglieder und Gäste teilnahmen. Über 40 Wanderer trafen sich an der kath. Kirche in Stockheim. Hier wurden sie bereits von Frau Gisela Spruck, der Führerin durch die Geschichte der Kirche und des Hofguts Leustadt, an der Kirchentür begrüßt. Sie machte hier bereits auf das „Blaue Schild“ aufmerksam, das als sichtbares Zeichen, der Kirche und Leustadt, zum Schutz von Kulturgut von der Haager Konvention, zuerkannt wurde. Beide Gebäude, die kath. Kirche und die ehemalige Wasserburg Hofgut Leustadt verdanken ihren heutigen Erhaltungszustand der gelernten Restauratorin und langjährigen Vorsitzenden des Denkmalbeirates des Wetteraukraukreis, Frau Gisela Spruck. Im Inneren der Kirche erhielten die Teilnehmer vieles Wissenswertes. Die kleine nach dem Ersten Weltkrieg erbaute kath. Kirche wurde nicht für Stockheim selbst, sondern für die in einem weiten Umkreis verstreut unter Evangelischen wohnenden Katholiken gebaut. Ihnen sollte die Lage direkt an einem Kreuzungsbahnhof den Besuch eines Gottesdienstes per Bahn ermöglichen. Erst als nach dem Zweiten Weltkrieg zahlreiche aus dem Sudetenland vertriebene Katholiken nach Stockheim und Umgebung kamen, ist die Stockheimer Kirche eine Pfarrkirche geworden. Weiter erzählte Frau Spruck: Die 1927 eingeweihte Kirche wurde von einer Gruppe von Künstlern aus Frankfurt, Mainz und Gelnhausen im „Art-Deco“ Stil- dem Zwischenkriegsstil- im Inneren gestaltet. Er war im Wesentlichen eine Weiterentwicklung des Jugendstils. Von Außen ist die Kirche sehr unscheinbar gestaltet. Dafür fällt die Innengestaltung umso stärker ins Auge. Kein Uneingeweihter ahnt, dass es das einzige geschlossen erhaltene Bauwerk eines ganzen Stils in Deutschland ist. Bereits die stilisierten drei Heiligenfiguren auf Mitte und den zwei Flügeln hinter dem bunten Hochaltar sind eher isolierte Aussage als Ausschmückung der ganzen Kirche. Vollends für sich steht aber die Ausmalung von Chorbogen und Decke der Kirche. Herbe Szenen von Gottes Majestät und dem Jüngsten Gericht schmücken die Decke. Nach dem zweiten Vatikanischen Konzil, Ende der sechziger Jahre des vorigen Jahrhundert, mochten viele diese Bilder nicht länger mehr ansehen. Der Altar wurde entfernt und die Kirche völlig in weiß ausgemalt. Erst Sie, Frau Spruck, machte bewusst, dass die kleine Kirche ein einmaliges geschlossenes Ensemble eines Stiles ist, von dem sich nur wenig erhalten hat. Der restaurierte Flügelaltar wurde wieder aufgestellt und die Ausmalungen auf Decke und Chorraum freigelegt. Dadurch ist das lange unbeachtete kleine Gebäude zu einem Kulturdenkmal von nationalem Rang geworden.
Weiter führte die geschichtliche Wandertour zum Hofgut Leustadt, von dem die Sage geht, es sei das „Dorn-Röschen-Schloss“ der Brüder Grimm. Frau Spruck führt auch hier die Wandergruppe, mit Erklärungen zur Geschichte, über Ihr Anwesen, das sie in lebenslangem Einsatz zu einem Schmuckstück gemacht hat. 780 wird das Anwesen Leustadt erstmals urkundlich erwähnt. Die Urkunde besagt: das Kloster Fulda erhält aus dem bestehenden Anwesen Leustadt Güter mit Familien und allem Zubehör. Eine wechselvolle Geschichte für das Anwesen Leustadt begann. Viele Zerstörungen, Plünderungen und wieder Aufbau unter verschiedenen Besitzern sind zu verzeichnen. Nach dem Aussterben der Linie Ysenburg-Marienborn ,1724, erbte das Haus Ysenburg-Büdingen das Anwesen Leustadt. Für einige Jahre, 1743-1753, wird das Haus und die Kapelle einer kleinen Kolonie von „Herrnhutern“ überlassen, die auf dem Herrnhaag keine Unterkunft fanden. Zu dieser Zeit lebte Abraham Roentgen in der Gemeinde Leustadt und 1743 wurde hier sein Sohn David geboren.
Haus und Hof werden 1796 von französischen Soldaten zerstört und etliches Vieh geschlachtet. Der Burggraben wird bis auf einen kleinen Rest 1830 zugeschüttet und die Burgmauern niedergelegt. 1933 erwirbt der Bauer Erwin Heinrich Spruck das Hofgut. Im Jahre 1949 beginnen die Restaurierungsarbeiten unter Erwin und Gisela Spruck. So wie wir heute das Hofgut Leustadt sehen ist das ein Verdienst von Frau Gisela Spruck. Die bislang selbstständige Gemarkung „Leustadt“ wird 1968 aufgehoben. Vielen Wanderteilnehmern war nicht bekannt, dass Leustadt eine Gemeinde mit Schule und eigener Kirche war und das die Kinder aus Stockheim hier zur Schule gingen. Weiter führte die Wanderung vom Hofgut Leustadt durch die Nidder-Auen nach Glauberg zur evangelischen Kirche, wo sie bereits von Dr. Werner Reutzel zu einer Kirchenführung erwartet wurden. Auch hier erhielten die Teilnehmer viel wissenswertes über die Geschichte der Kirche. Auch konnten sie den Klang der ältesten Glauberger Glocke hören. Diese Glocke soll einer Sage zufolge, aus dem Kloster Konradsdorf stammen. Dies ist möglich, denn im Jahre 1191 gingen die Patronatsrechte über die Mutterkirche zu Glauberg von Hartmann von Büdingen auf das von ihm gegründete Kloster Konradsdorf über, wie es in einer Urkunde des Erzbischofs Konrad von Mainz bestätigt wird. In dieser Glocke besitzt die Glauberger Kirche eine der ältesten Glocken Oberhessens. Sie wurde 1432 auf den Ton „es“ gegossen, ist also jetzt schon 577 Jahre alt und hat den Glaubergern schon 110 Jahre vor Einführung der Reformation geläutet. Voll der vielen Eindrücke und Erklärungen ging die Wandertour über den Vulkanradweg zurück zum Ausgangspunkt nach Stockheim.


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