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Volksgesang veredeln und gesellige Freuden heben
Kreis Gießen - Reiskirchen
Geschrieben von: Anzeigerlokal
am: Montag, 08. September 2008 um 14:43 - Gelesen: 6628 mal

REISKIRCHEN (hs). 110 Jahre Gesangverein Einigkeit-Harmonie Reiskirchen: Frauen, Männer und Kinder bilden eine erfolgreiche und harmonische Vereinsfamilie.
Seit 110 Jahren stellt der Gesangverein Einigkeit- Harmonie Reiskirchen sein Bemühen in den Dienst des Liedes. Danach fanden sich „eines Tages anno 1898“ Männer unterschiedlichen Alters zusammen und beschlossen, einen Gesangverein zu gründen, den Männergesangverein Harmonie. Gründungsvorsitzender wurde Ludwig Schäfer und Dirigent war Lehrer Bürstlein. Vielleicht kam der Ansporn zur Gründung aus dem Umkreis; denn in Hattenrod gab es schon seit 1876 die „Eintracht“ und in Bersrod war gerade zwei Jahre zuvor (1896) der „Sängerkranz“ aus der Taufe gehoben worden.

Es war die erste größere Vereinsgründung in Reiskirchen, die auch heute noch Bestand hat. Erst danach folgten der Kegelclub Gut Holz (1907) und die Turn- und Sportgemeinde 1908 Reiskirchen. Interessant ist ein Auszug aus dem Entwurf der Statuten für den Gesangverein Reiskirchen. Darin heißt es: „Zweck des Vereins ist es, den Gemeinde- und Kirchengesang zu heben, den Volksgesang zu veredeln und die geselligen Freuden zu heben. Männer und Jünglinge, welche eines guten Rufes sich erfreuen, können sich als Mitglieder melden. Jünglinge müssen wenigstens das 19. Lebensjahr zurückgelegt haben. Ganz besondere Gesangslage lässt auch eine frühere Aufnahme zu.

Jedesmal am 1. August und am 1. Februar des Jahres können neue Mitglieder aufgenommen werden. Der Austritt eines Mitglieds kann nur durch Tod, Krankheit, Militärdienst oder Veränderung eines Wohnortes erfolgen. Tritt ein Mitglied am Schluss eines Jahres (Ende Juli) aus, ohne einen der obigen Gründe angegeben zu haben, so hat er eine Strafe von Mark sechs zu bezahlen, außerdem das auf ihn fallende Anteil der etwaigen Schulden zu decken. Einheimische und Fremde können von Mitgliedern eingeführt werden, wenn der Einführende für deren anständiges Betragen haftet.“ Auch das Vermögen war geregelt, das aus regelmäßigen Beiträgen und den Strafgeldern bestand. Danach entrichtet jedes Mitglied einen Beitrag von 20 Pfennig. Neu aufgenommene Mitglieder bezahlen ein Eintrittsgeld von einer Mark. Wer ohne Entschuldigung die Singstunden versäumt, musste eine Strafe von 20 Pfennig zahlen. Ein nicht entschuldigtes Versäumnis von öffentlicher Gesangsführung wurde mit einer Mark bestraft.

Das waren strenge Vorschriften, die sich heute ein Verein gar nicht mehr leisten kann. Dennoch gab es eine recht stattliche Zahl an Mitgliedern. Bald traten erhebliche Existenzsorgen um den Verein auf und schon sieben Jahre nach der Gründung, 1905, waren die Probleme unüberwindbar groß. Einige Sänger waren mit der Vereinspolitik unzufrieden und überwarfen sich mit dem Vorstand.

Schließlich erfolgte der Austritt aus dem Männergesangverein „Harmonie“ und die Neugründung der „Gesangsabteilung des Arbeiter- Bildungsvereins“. Reiskirchen hatte somit zwei Männergesangvereine. Die Namensgebung „Einigkeit“ bzw. „Harmonie“ war aber auch ein Spiegelbild damaliger Zeit, eine ersehnte Geselligkeit, ein erhofftes Gemeinschaftsgefühl und des Zusammenstehens unter gemeinsamen Ideen und Lebenszielen. Die Singstunde bot eine willkommene Abwechslung im nach heutigen Vorstellungen abwechslungsarmen Alltag. Der Sänger war auch bereit, in einer sicherlich eng begrenzten Freizeit für den Verein Idealismus an den Tag zu legen, anderseits waren solche Idealisten auch geachtet und angesehen.

Die bereits zitierten Auszüge aus der Satzung geben Aufschluss über die „Pflichten“, die sich die Sänger auferlegten. Aufschluss über die Lebensverhältnisse der damaligen Zeit gibt sicherlich auch der Hinweis, dass in Reiskirchen 1910 mit dem Bau der Wasserleitung begonnen wurde und 1913 der elektrische Strom Einzug hielt. Die Tatsache, dass es inzwischen zwei Gesangvereine gab, wirkte sich sogar sehr positiv aus.

So ist überliefert, dass die Sangeskultur auf einem bemerkenswerten Niveau war. Diese sehr erfreuliche Entwicklung wurde jedoch durch den Beginn des Ersten Weltkrieges unterbrochen. Viele Sänger wurden eingezogen und mussten ihr Leben opfern. Dennoch nahmen beide Vereine ihre Arbeit nach dem Ende des Krieges wieder auf. Allerdings gab es eine Veränderung, da die Männer der „Gesangsabteilung des Arbeiter- Bildungsvereins“ diese Organisation verließen, sich selbstständig machten und ab 1919/20 als Männergesangverein Einigkeit auftraten.

Beiden Vereinen waren beachtliche Erfolge bei Wertungssingen und Sängerfesten beschieden. Das führte auch zu einem Mitgliederzuwachs. Die „Einigkeit“ nahm ab 1931 auch Frauen in den Verein auf und aus dem Männergesangverein wurde ein gemischter Chor. Doch die Machtergreifung der Nationalsozialisten hatte auch Folgen auf das Vereinsleben. Der Gesangverein Einigkeit wurde verboten, da er Mitglied im Deutschen Arbeiter- Sängerbund war. Darüber hinaus wurde das Vermögen des Vereins beschlagnahmt. Besser erging es dem Männergesangverein Harmonie.

Die Tatsache, dass dieser Mitglied im Deutschen Sängerbund war, rettete seine Existenz. Die Absicht, beide Gesangvereine zu vereinen, um damit die „Einigkeit“ zu retten, wurde jedoch von den diktatorischen Machthabern vereitelt und nicht zugelassen. Doch sechs Jahre später, mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges, musste auch die „Harmonie“ ihre Arbeit einstellen. Viele Mitglieder und Sänger wurden eingezogen. Die Daheimgebliebenen konnten das aktive Vereinsleben nicht aufrecht erhalten. Allerdings waren die Vereinskameraden an der Front keineswegs vergessen. Sie erhielten Post und ein Päckchen vom Verein, was mit großer Freude entgegen genommen wurde.

So existiert ein Dankesbrief von Richard Damm, der auch von 1951 bis 1967 als Vorsitzender an der Spitze der „Einigkeit- Harmonie“ stand. Nach dem Ende des unheilvollen Krieges ergriff Ludwig Müller 1946 die Initiative zur Wiederbelebung des gesanglichen Vereinslebens. Ein Jahr später, 1947, kam es schließlich zum Zusammenschluss beider Reiskirchener Gesangverein, die fortan den Namen „Einigkeit-Harmonie“ trugen. Ludwig Müller wurde zum 1. Vorsitzenden und Richard Damm zu dessen Stellvertreter gewählt.

1948 folgte das 50-jährige Vereinsbestehen, das mit einem Liedertag im Saal der Gastwirtschaft Gundrum gefeiert wurde. Eine sehr wichtige Entscheidung trafen die Mitglieder in der Generalversammlung 1951, als beschlossen wurde, das Gründungsjahr 1898 der „Harmonie“ auch für den Verein festzulegen, was somit Grund ist, in diesem Jahr auf ein 110- jähriges Vereinsgeschehen zurückzublicken. Allerdings feierte man 1955 ein zweites 50 er- Jubiläum in Erinnerung an die Gründung der „Einigkeit“ 1905, wozu auch eine ausführliche Festschrift Auskunft gab. Es mag allerdings auch eine Referenz an die „Harmonie“ gewesen sein, deren 50-jähriges Bestehen man den damaligen Umständen entsprechend sieben Jahre zuvor in einem kleinen und bescheidenen Rahmen beging.

Große gesangliche Erfolge auf Wettstreiten waren deutliche Beweise dafür, dass der Chor ein hohes Niveau erreicht hatte. Das führte auch zu einer Ausweitung der Aktivitäten und Einladungen von anderen anerkannten Chören. Der bis in die letzte Ecke gefüllte Pokalschrank im Sängerzimmer des Bürgerhauses ist Beleg für die beachtlichen Erfolge, an denen Vorsitzende und Dirigenten direkten Anteil hatten. Ein Name ist jedoch besonders eng verbunden mit der Geschichte des Vereins: Manfred Scheld, der gegenwärtig Vorsitzender des Männerchores ist und insgesamt fast vier Jahrzehnte an der Spitze des Vereins stand. Christian Möbus fungierte, mit kriegsbedingten Unterbrechungen, von 1939 bis 1963 als Chorleiter.

Mit einem Kommersabend, einem großen Festzug sowie einem Sängerwettstreit wurde das 75- Jährige des Vereins im August 1973 gefeiert. Zwei Jahre später war der Verein anlässlich der 1000-Jahr-Feier Reiskirchens in vielfacher Weise mit verschiedenen Beiträgen beteiligt. Ein Verein kann nur auch in der Zukunft bestehen, wenn er um junge Mitglieder, vor allem Sänger, erfolgreich wirbt. Das führte dazu, dass Mitte der 80er Jahre eine Burschenschaft im Gesangverein gegründet wurde. Auch die Gründung eines Frauenchores 1986 war eine positive Entscheidung, die zeigt, dass der Verein nicht nur sein Angebot erweitert, sondern auch seine Aufgeschlossenheit für eine sinnvolle Freizeitgestaltung dokumentiert hat.

Die Sängerinnen und Sänger des Frauenchores und der Burschenschaft sind heute in den beiden bestehenden Chören aktiv. Auf vielfältiger Weise wurde das 100-jährige Bestehen 1998 gefeiert. In einer ausführlichen Festschrift unter der Federführung von Kurt Rössler wird die Vereinsgeschichte auf vielen Seiten detailliert gewürdigt und gewährt zugleich einen Einblick in die Höhen und Tiefen des Vereins. Sie berichtet aber auch von dem ungeheueren Mut und dem enormen Engagement der Mitglieder, die in schwierigen Zeiten ihren Verein nicht im Stich ließen und dadurch immer wieder den Grundstein dazu legten, dass der Verein und auch dessen Ziel, die Pflege des Chorgesangs, bis auf den heutigen Tag Bestand hat.

Schon zwei Jahre später kam es zu „Vocomotion 2000“, einem gemischten Chor, dessen musikalisches Repertoire vorwiegend der modernen Chorliteratur entstammt. Der Chor steht unter der Leitung von Andreas Czerney (Linden), während der Männerchor Werner Bohm (Ockstadt) als Dirigenten hat, der schon einmal als Chorleiter fungierte. Jüngster Ableger des Vereins ist der Kinderchor „Singende Wölfe“, der von Silke Pribbernow geleitet wird, während Christina Sehrt als Ansprechpartnerin zur Verfügung steht. Auch die Jüngsten haben schon ihren Beitrag zu dem Jubiläum der „Einigkeit- Harmonie“ geleistet und im Mai zu dem Musical „Kleiner Eisbär, kennst Du den Weg?“ in das Bürgerhaus eingeladen, das die Jungen und Mädchen mit großem Bravour darboten.

In den 110 Jahren seines Bestehens hat die „Einigkeit-Harmonie“ mit ihren unzähligen musikalischen Veranstaltungen einen großen kulturellen Beitrag in und für Reiskirchen geleistet. Die Tatsache, dass auch auswärtige Sänger in den Chören des Vereins eine langjährige Heimat für die Ausübung ihres Hobbys gefunden haben, zeigt, dass hier eine hervorragende Kameradschaft herrscht, die auch schließlich Garant für hohe gesangliche Leistungen ist. Außer Konzerten, Liederabenden und Gesangswettstreiten ist der Verein aber auch mit Veranstaltungen wie Kirmes, Faschings- und Theaterabenden an die Öffentlichkeit getreten. Viele von Funk und Fernsehen her bekannte Künstler und Sänger wurden zu Auftritten engagiert.

Auch bei öffentlichen Veranstaltungen der bürgerlichen sowie der kirchlichen Gemeinde Reiskirchen sind die Chöre sehr willkommen und umrahmen mit ihren Liedbeiträgen das vorgesehene Programm. Somit hat der Verein in vielfältiger Weise nicht nur Werbung in eigener Sache betrieben, sondern auch deutlich unter Beweis gestellt, dass er zu den wichtigsten Kulturträgern in der Gemeinde Reiskirchen zählt.

Der Verein:
Gesangverein „Einigkeit-Harmonie“ Reiskirchen
Mitglieder: 170
Gründungsjahr: 1898
Kontakt: Manfred Wilhelm (Vorsitzender), Goethestraße 38, 35447 Reiskirchen, Tel.: 06408/61327
Termine:
14. September 2008, Musical “My fair Lady” Stadthalle Wetzlar
15. November 2008, Liederabend


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