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Bahnfahren in Hessen - ein Eindruck
Kreis Gießen - Gießen
Geschrieben von: daniel mühlleitner
am: Montag, 08. September 2008 um 13:20 - Gelesen: 6323 mal

Frankfurt – Gießen. Es lebe die Bahn! Ein ganzes Abteil für mich. Wie sooft. Beinfreiheit, Muse, die einzige Chance für mich, in einem klimatisierten Raum außerhalb der Hochschule Ruhe zu finden. Meine für Westeuropäer vielfach nicht nachvollziehbare Freude auf den herannahenden Zug rührt möglicherweise aus in frühen Kindheitstagen durchlebten Traumata. Wir fuhren immer mit dem Auto! Nach Kärnten oder, ganz schrecklich: Italien. Stundenlang auf der Rückbank, links die Schwester, rechts der Bruder. Gut, wir hatten Comic-Hefte und kindertaugliche Audiokassetten. Doch differiert die Interpretation von „kindertauglich" durchaus, betrachtet man lediglich ein 6-jähriges Mädchen und einen 11-jährigen Jungen. Das Mittelkind hatte eh nichts zu melden. „Ruhig sein! Papa muss fahren und sich konzentrieren!" war uns klar, aber schon mal als von Bolzplätzen und Sandkästen verwöhnter Kleinstadtbub im Sommer, im Auto, im Voralpenland, im Brechreiz im Stau gestanden? Wer braucht Tunnel und zahlt Gebühr, wenn ein zweistündiger Umweg auch zum Ziel führt. Wir nicht! (Zu Zeiten schwindelerregender Rohölpreise relativieren sich solche Überlegungen. Es lebe die amerikanische Außenpolitik!) Urlaub war dann schön. Heimfahren wieder doof. Daheimsein wieder schön. Daheim ist es halt immer schön, wenn nicht gar am schönsten.

Im Grunde sind das die Erinnerungen, die ich an meine Kindheit habe. Mit 14 kam der Alkohol. Mit 19 Zivildienst (Beweise liegen in Zeugnisform vor). Heute Student, alles läuft glatt. Die Weichen in der Vergangenheit doch richtig gestellt. Weichen! Tolle Überleitung zurück zum Thema: Bahnfahren. Oder: Warum Bahnfahren die beste Art zu reisen ist (Abgesehen von freakigem Öko-Idealismus und Internalisierungsproblemen straßenverkehrsbedingter Externalitäten). Gerade den Frankfurter Stadtrand passiert, das Abteil füllt sich. Fröhliche Menschen, die Karten spielen oder sich mal die Zeit nehmen, ein Buch zu lesen. Ein Halbwüchsiger spielt mit seinem iPod, den er vermutlich geklaut oder mit Waffenhandel finanziert hat. Er sieht mich immer wieder an. Meine Tasche mit der Unterwäsche und dem Buch, zu dessen Lektüre ich mir eigentlich die Zeit nehmen wollte, stelle ich nun doch besser zwischen meine Beine.

Wer schon mal ein größeres Festival mit dem Zug bereist hat, dürfte von da an jedem anderen Transportmittel entsagen. Wo sonst trifft man auf engstem Raum Hundertschaften junger Menschen, die alle nur ein Ziel haben. Möglichst betrunken aus dem Zug zu steigen. Gerne wird sich auch die Zeit für einen gemeinsamen Jam vor der Toilette genommen. Übrigens für kontaktfreudige Menschen DER Platz in einem Zug. Gepäck am freien Platz verstaut, dann mit zwei Fass Bier und Gitarre auf den Stufen des Ausstiegs Platz genommen. Beim ersten Mal Urinieren lachen Einige noch, spätestens beim zweiten Mal bringen sie ihre Bongos und Rasseln mit. „Becher Wein?" „Aber gerne."

Empfohlen sei allen Pauschalurlaubern ein Urlaub mit dem Zug. Wer einmal einige Wochen durch Europa tingelt, selten isst, selten eine Dusche zu Gesicht bekommt und sich Kaffee mit einer Tennissocke filtert, lernt einen Zweiersitz mit Armlehne in der Mitte als komfortable Schlafgelegenheit zu schätzen. Gewaschen wird sich an Strandduschen oder wenn ein netter Mensch die, sich ohne Geldnachwurf automatisch schließende, Tür zum Bahnhofsduschraum (Badeschlappen!!!) offen hält. Friedberg. Die Sonne verschwindet langsam hinter einem bewaldeten Hügel und reflektiert zwischen einzelnen Baumwipfeln hindurch im im nassen Gras. Viel zu selten werden in unserer industrialisierten (Tendenz: tertiärisierten) Hochleistungsgesellschaft romantische Eindrücke auch mitgeteilt. Gerade sehe ich noch ein Andy Warhol-Plakat und erinnere mich, heute auf einen Artikel gestoßen zu sein, dem zu entnehmen war, Andy (wir in der Kunst sind per Du) hätte seine aus den 60er Jahren stammende Suppendose unlängst für zwölf (in Ziffern: 12) Millionen Ucken über den Tisch gehen sehen. Mein lieber Herr Gesangsverein! Vielleicht fange ich an zu malen. Vielleicht einen Zug. Jetzt glaube ich schlafe ich noch ein bisschen. Bad Nauheim. Mein Schluss(w)ort.


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