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Wohnformen im Alter: Leben mit Nachbarn ?
Vogelsbergkreis - Lauterbach
Geschrieben von: Bernd Liller
am: Freitag, 27. Februar 2009 um 18:18 - Gelesen: 7293 mal
Die Strukturen unserer heutigen Gesellschaft ermöglichen es kaum noch, dass die jüngeren Generationen für die älteren da sind, wenn diese nicht mehr den Alltag auf herkömmliche Weise bewältigen können. Entweder gibt es örtlich, organisatorisch oder persönlich keine realisierbaren Möglichkeiten, den Alten unter die Arme zu greifen oder die Hilfebetroffenen möchten nur zu ihren engen Bedingungen gestützt werden, was oft an der unterschiedlichen Betrachtungsweise der Beteiligten scheitert.

Also ist es in sich schlüssig, dass man als älterer Mensch beizeiten für sich ein Lebensmodell formuliert, mit dem man sehr lange möglichst selbständig wohnen kann. Die Sozialkontakte zu Nachbarn, Freunden und Familie sind dabei ausschlaggebend. Wer sie früher gepflegt hat, wird es leichter haben, als die Eigenbrötler unter den Alten.

Eine Korrektur des sozialnachbarschaftlichen Defizits läßt sich jedoch gut in einer Wohnform nach Art einer Wohngemeinschaft (WG) ermöglichen. Hierbei schließen sich Gleichgesinnte zusammen, bewohnen und bewirtschaften ein Haus mit mehreren Räumen, von denen pro Person jeder einen als Rückzugsraum für sich hat. Alle anderen Hausstrukturen werden gemeinsam genutzt. Dabei wird man sich grobe Regeln geben müssen. Das wird am Anfang auch nicht ganz einfach sein, da jeder ältere Mensch ja seine eingefahrenen Ansichten von den Alltagsdingen hat. Gemeinsam stemmt man aber die Schwierigkeiten viel leichter, als wenn man alleine in einer Wohnung lebt, wenn das Wohngebiet auch noch so schön ist. Wie in einer Familie, hilft man sich gegenseitig in Verrichtungen des Alltags, erledigt jeder nach seinen Fähigkeiten die Routinen, muss aber bereit sein, auch mal nachzugeben.


Pro und Kontra:

Als Dauerlohn winkt soziale Geborgenheit, Sicherheit bei Unbilden des Lebens, Freundschaft auf neuem Niveau, gemeinsames Erleben des Alterns mit Vor- und Nachteilen. Man kann gemeinsam einkaufen, verreisen, Spaß haben. Wenn einer mal wegen eines kürzeren Leidens liegt, dann helfen die anderen gerne. Für grössere Probleme besorgt man sich gemeinsam einen ambulanten Pflegedienst, der sehr lange eine stationäre Einweisung verhindern kann. Die schweren Arbeiten, wie Putzen, Vorhänge hängen etc. läßt man fremde Kräfte tun, bezahlt diese gemeinsam. Kochen kann man in Zweier-, Dreier- oder noch grösseren Gruppen. Das findet sich dann im Alltag. Gemeinsam bezieht man die Tageszeitung, hält sich als Gruppe vielleicht ein Auto zum Einkauf und für wichtige Arztbesuche oder nette Kleinausflüge. Wenn man nicht selbst fahren kann oder will, findet man sicher jemanden, der das für wenig Geld erledigt. Alleine fährt man besser mit dem Taxi, das ist auch billiger. Im Hause sollten mindestens zwei Fernseh- und Videogeräte sein, damit es nicht wegen einer Programmüberschneidung zu Dauerkonflikten kommt. Einen gemeinsamen Computer oder wenigstens ein gemeinsames Internetnetzwerk in die grosse Welt sollte man sich leisten. Viele Tagesarbeiten im verwaltungstechnischen Bereich kann man so von zu Hause erledigen. Wer es noch nicht kann, lernt es in der Gruppe leichter. Kurse gibt es dafür.

In den grossen Städten haben sich diese Senioren-WG´s schon etabliert. So gibt es z.B. in Bielefeld schon mehr als 70 Stück davon! Prof. Dr. phil. Klaus Dörner hat über das Thema ein aufschlussreiches Buch geschrieben, dass allen mit der Thematik befaßten Menschen ans Herz gelegt werden kann. Titel: "Leben und Sterben, wo ich hingehöre- Dritter Sozialraum und neues Hilfesystem", ISBN-13: 9783926200914 .Er bezeichnet die WG´s als ambulante Wohnpflegegruppen, ein schönes und treffendes Wort. Im Kern beinhaltet es das oben Gesagte: in Gemeinschaft wohnen, sich ambulant pflegen und helfen lassen.

Es gibt sicher auch starke Einwände gegen ein solches Modell, erfordert es doch meist das Ausziehen aus den eigenen vier Wänden in eine neue Behausung, die allerdings möglichst im gleichen Wohnquartier oder Dorf sein sollte, also keinesfalls wirklich weit von seinen alten Bekannten. Dieser Wechsel würde zu schmerzhaft sein.

Das weitere Problem ist dann die Verwertung der zurückbleibenden Immobilie, sofern sie Eigentum ist. Hier ist klar zu sehen, dass man diese besser preiswert an jüngere Menschen mit oder ohne Anhang verkauft, um sich von der Last des Eigentums im Alter zu befreien. Auch ist eine langfristige Vermietung sinnvoll, wenn man sich nicht davon trennen möchte, jedoch auch da wachsen die Mietpreise nicht in den Himmel. Früher, d.h. vor 15 Jahren etwa, konnte man noch locker fünf bis acht Euro pro Quadratmeter Wohnfläche als Kaltmiete verlangen, heute ist man mit mit der Hälfte schon gut bedient. Hat man keine wirklich interessierten Erben, lässt man das Eigentum besser in den Verkauf gehen, hat dann eine Barschaft, die kleine Zinsen trägt und ebensoviel Ertrag bringt, wie die Miete.

Die Mietpreise für eine Wohngemeinschaft als Ganzes sind sicher erschwinglicher, als wenn man einzeln wohnt. Allein die Nebenkostenaufteilung stellt schon einen riesigen Vorteil dar. Heizung, Licht , Versicherungen und kommunale Abgaben fallen nur für das ganze Haus einmal an.

Wie kommt man an solche WG-Angebote? Annonciert werden sie sehr selten, jedoch macht es Sinn, mal einen Pflegedienst zu befragen, da diese den Überblick über Mitinteressenten haben könnten. Oder, man annonciert mal selbst in der lokalen Presse, versucht 4 bis 6 Mitstreiter zu bekommen, um dann auf Haussuche zu gehen.

Wichtig ist zu wissen, dass es bei diesen ambulanten Wohnpflegegruppen keinesfalls um eine sogen. "Betreutes Wohnen" geht. Dieses beinhaltet nämlich, dass man von einem Träger ein Sorglospaket erhält, das aber auch teuer sein kann. Dafür wird einem aber auch jeder Schritt abgenommen, was nicht unbedingt für den Erhalt der eigenen Selbständigkeit sinnvoll ist. Hierzu entschließen sich eher schon schwächere und hinfälligere Menschen.

Die Arbeitsgruppe "Neues Wohnen" vom Bürgernetzwerk Vogelsberg 2020 beschäftigt sich schon länger Zeit mit den verschiedenen Arten, in eigenen Wänden alt werden zu können, also die stationäre Aufenthaltsphase so kurz wie möglich zu gestalten. Durch Hinweise auf die Probleme, durch Öffentlichkeitsarbeit, wie dieser Artikel und Einbringen von Anregungen in kommunale Gremien wird immer wieder versucht, für die alternde Bevölkerung die Weichen richtig zu stellen. Die letzte Entscheidung hat der Einzelen, die Verantwortung für seinen Ablauf in alten Tagen bleibt immer bei ihm hängen. Aber es ist gut, sich frühzeitig gründlich Gedanken zu machen. Ist man erst mal sehr alt und sogar hinfällig, ist es für solche Entscheidungen oft zu spät. Die Kraft und Entschlussfreudigkeit beginnt rar zu werden, die Umzugsalternative erscheint wie ein zu hoher Gipfel, dessen Besteigung man gar nicht erst andenkt. Damit wird man zum Getriebenen, der seine Zukunft im Alter nicht mehr selbst gestaltet, sondern der nur noch passiv annehmen kann, was das Umfeld ihm anbietet.


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