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Zeugen Jehovas aus Büdingen besuchten historische Ausstellung in Kassel
Wetteraukreis - Büdingen
Geschrieben von: Hans-Joachim Schalies
am: Freitag, 27. Juli 2018 um 07:10 - Gelesen: 589 mal

 

Büdingen/ Kassel – In der Documenta-Halle in Kassel finden sonst Ausstellungen über zeitgenössische Kunst statt. In diesem Jahr war das anders. Vom 5. bis 15. Juli 2018 fanden dort zeitgleich zwei Ausstellungen statt, deren Themen ineinander übergingen. Die erste zum Thema „Widerstand und Neuanfang 1933 bis 1948“ und parallel dazu „ Jehovas Zeugen in Kassel: Ausstellung zum 70. Jahrestag des Theokratischen Kongresses in der Aue“. Der Oberbürgermeister der Stadt Kassel, Dr. Gunnar Richter von der Gedenkstätte Breitenau und Thomas Ewald von der VHS erinnerten an die Situation der Zeugen Jehovas in der NS-Zeit.

 

Damals gab es in Deutschland etwa 25.000 Zeugen Jehovas, oftmals noch Bibelforscher genannt, von denen 10.000 unter der unmittelbaren Verfolgung litten. Von den etwa 1.000 Todesopfern starben mindestens 548 Glaubensangehörige durch Hinrichtung mit dem Fallbeil oder durch Erschießen. 283 davon starben als Wehrdienstverweigerer nach offiziellen Todesurteilen des Volksgerichtshofes oder anderer Gerichte.

 

Erinnert wurde auch an den 70. Jahrestag des Theokratischen Kongresses im Jahre 1948 in Kassel. Die Durchführung des Kongresses war eine große Herausforderung. Konnte er überhaupt realisiert werden? Das Gelände auf der Karlswiese war übersät von Bombentrichtern und fast alle waren mit Wasser vollgelaufen. Trotzdem waren 400 freiwillige Helfer aus ganz Deutschland unermüdlich im Einsatz, um die stark zerstörte Orangerie sowie die Karlsaue in eine würdige Kongressstätte zu verwandeln. Ungefähr 70 Bombentrichter mussten leergeschöpft und danach mit Schutt und Erde wieder zugeschüttet werden. Und das bei strömenden Regen, der einfach nicht aufhören wollte. Bänke wurden gezimmert und aus allen Richtungen Stühle organisiert werden, die dann auf der Festwiese aufgestellt wurden.

 

17 Sonderzüge und viele Charterbusse brachtern die Delegierten aus ganz Deutschland nach Kassel. Manche Besitzer von LKW’s statten ihr Gefährt mit Sitzbänken auf der Ladefläche aus und fuhren viele Glaubensangehörige nach Kassel. So auch ein Glaubensbruder aus Schlüchtern. Dort wo einst die Truppen Adolf Hitlers aufmarschierten entstand ein würdiges Kongressgelände. Damit die Delegierten unterkommen konnten wurden Privatunterkünfte gesucht und riesige Schlafzelte aufgestellt. Als Unterlage diente lediglich Stroh, denn kurz nach dem Krieg war nichts anderes vorhanden. Aber auch in Schulen oder im Gildehaus gabe es Massenunterkünfte. Verpflegt wurden die Besucher auf dem Kongressgelände. Die Tageszeitungen berichteten von bis zu 30.000 Besuchern am Sonntag. 1.200 ließen sich als Zeugen Jehovas taufen. Die Post stellte sogar ein mobiles Postamt in Form eines Busses auf und fertigte eigens für den Kongreß einen Sonderstempel an. Die Stadt Kassel gab insgesamt fünf verschiedene Kongresszeitungen unter dem Titel „Das lebendige Kassel“ heraus.

 

„Wir sind sehr beeindruckt, was unsere Glaubensbrüder gleich nach dem Krieg geleistet haben. Dabei handelte es sich meist um Überlebende der Konzentrationslager oder vom NS-Regime verfolgte Zeugen Jehovas. Sie blieben trotz massivster Verfolgung ihren Glaubensgrundsätzen treu. Das Handeln unserer Glaubensbrüder, die zum Beispiel den Hitlergruß und den Dienst in der Wehrmacht verweigerten sind ein Beweis für ihre Glaubensstärke. Sie beweisen dass man auch anders handeln konnte und Menschen auch in scheinbar aussichtslosen Situationen ihren Glauben ohne Kompromisse bewahren und ihrem Gott Jehova die Treue halten können. Dies ist für uns eine große Ermunterung auch in kritischen Zeiten fest zu unserem Gott Jehova zu stehen und die Richtlinien der Bibel, die immer zu unseren Nutzen sind, in unserem Leben an die erste Stelle zu setzen“ so Hans-Joachim Schalies aus Büdingen und Ingo Helfert aus Rohrbach.

 

 

 

 


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