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Darwintag, 12. Februar 2017
Main-Kinzig-Kreis - Bad Orb
Geschrieben von: Achim Stößer
am: Donnerstag, 09. Februar 2017 um 21:28 - Gelesen: 4447 mal

 

Religion und andere "alternative Fakten"

DarwinfischeAm 12. Februar ist anlässlich Darwins Geburtstag Darwintag. Wie in jedem Jahr ruft antitheismus.de dazu auf, besonders an diesem Tag vermehrt Darwin-Fische zu verbreiten, Zeichen zu setzen gegen die "alternativen Fakten", die Religion genannt werden.

Wir leben in postfaktischen Zeiten, und das nicht erst seit kurzem: Religionen gibt es seit langem. Ihre "alternativen Fakten" wollen sie mit allen Mitteln durchsetzen.

DarwinfischSo wird die Türkei unter Recep Tayyip Erdoğan, den seine frommen sunnitischen Eltern auf ein Berufsfachgymnasium für die Ausbildung zum Imam und Prediger, eine sogenannte İmam-Hatip-Schule, schickten, wo er aufgrund seiner tiefen Religiosität "Koran-Nachtigall" genannt wurde, und der auch im Wahlkampf gelegentlich den Koran schwingt (ein Tabubruch in dem eigentlich laizistischen Land), offenbar immer wissenschaftsfeindlicher. Türkische Schüler werden von der Realität ferngehalten, der AKP-Regierungssprecher nennt die Evolutionstheorie "veraltet und verfault", das türkische Bildungsministerium plant, sie und sämtliche Hinweise auf Darwin aus den Schulbüchern auszumerzen, während Begriffe wie "Säkularismus" und "Atheismus" als "problematische Überzeugungen" und als "Krankheiten" eingestuft werden sollen. Die AKP will die Türkei reislamisieren und eine unwissende und religiöse Generation heranziehen, da kritisches Denken für Religion und damit die Partei gefährlich ist.

DarwinfischErdoğans ebenfalls wissenschaftsfeindlicher US-amerikanischer Kollege Donald Trump (dessen Beraterin wir den Terminus "alternative Fakten" verdanken) schwor bei seiner Amtseinführung unterdessen auf zwei Bibeln. Sechs abrahamitische Sektenführer (ein Rabbi, ein Bischof der "Great Faith Ministries International"-Kirche, eine Fernsehpredigerin, ein römisch-katholischer Kardinal, ein Baptistenprediger, ein Pastor) nahmen an der Zeremonie teil. Während Kritiker zurecht ökonomische und soziale "alternative Fakten" in Trumps nationalismusschwangerer Antrittsrede bemängeln (etwa drauf hinweisen, dass sich entgegen Trumps Behauptung eines "Gemetzels" durch Verbrecherbanden in den USA die Zahl der Morde und allgemein die Verbrechensrate im letzten viertel Jahrhundert halbiert hat, ist zu den frappierendsten kein Wort zu hören: Allein fünf mal fällt in der viertelstündigen Rede das Wort "Gott". Trump beruft sich auf die (New International Version der) Bibel (Psalm 133:1): "The Bible tells us how good and pleasant it is when God's people live together in unity." (Nahezu alle anderen Bibeln sprechen übrigens nicht von "Gottes Volk", sondern von "Brüdern": "Behold, how good and how pleasant it is for brethren to dwell together in unity!", KJV, "Siehe, wie fein und lieblich ist's, wenn Brüder einträchtig beieinander wohnen!", Luther 2017 usw.) - zynisch angesichts der Tatsache, dass er als Erbauer einer Mauer an einer inneramerikanischen Grenze (zwischen Nord- und Mittelamerika) in die Geschichte eingehen möchte, und dennoch sagt: "When America is united, America is totally unstoppable." Und schließlich offenbart er seinen Kreationismus, seinen Glauben an einen "allmächtigen Schöpfer", der den amerikanischen Kindern vom "Ballungsraum Detroit" bis zu den "windgepeitschten Ebenen von Nebraska" den "Lebensodem einhaucht": "And whether a child is born in the urban sprawl of Detroit or the wind-swept plains of Nebraska, they look up at the same night sky. They fill their heart with the same dreams, and they are infused with the breath of life by the same almighty creator." Informationen über Klimawandel und Tierausbeutung wurden unter der Trump-Administration längst von Regierungsseiten getilgt. Dass überall in US-Schulen statt Evolution (also wissenschaftlicher Fakten) wieder Kreationismus ("alternative Fakten") gelehrt wird, scheint nur ein Frage der Zeit.

Darwinfisch"Alternative Fakten" am Rand: Laut Zeit-Beilage "Christ und Welt", die zwei Monate zuvor zwar eingesteht, dass Trump seine Wahl vor allem christlichen Wählern zu verdanken hat, ist er ein "Heide", der "Gott weggelassen" habe, "christliche Vokabeln" meide, "nicht öffentlich" bete und sogar auf den üblichen Segen verzichte. "God bless America" – so verabschiede sich nur Hillary Clinton, die Geschlagene. Trump beendete im wirklichen Leben seine Amtsantrittsrede mit den Worten: "God bless you and God bless America. Thank you. God bless America." Das dürfte wohl die gleiche Mischpoke sein, der der Papst nicht katholisch genug ist.

Fakten: Die Evolution ist eine Tatsache. Die Gravitation ist eine Tatsache. "Theorie" bezeichnet in diesem Zusammenhang ein System wissenschaftlich begründeter Aussagen zur Erklärung bestimmter Tatsachen oder Erscheinungen und der ihnen zugrunde liegenden Gesetzlichkeiten; das hat mit der Vulgärdefinition ("bloße Vermutung") nichts zu tun. Evolutionstheorie ist also eine Theorie (die Aussagen darüber trifft, wie die Evolution "funktioniert"), so wie Gravitationstheorie eine Theorie ist (die Aussagen darüber trifft, wie die Gravitation "funktioniert"). Die Evolutionstheorie beschreibt und erklärt die Evolution, so wie die Gravitationstheorie die Gravitation beschreibt und erklärt.

DarwinfischEvolution kann nicht nur an Fossilien (etwa mit Übergangsarten wie dem kürzlich entdeckten, eine Fossillücke schließenden Bulbasaurus phylloxyron) nachvollzogen werden, sondern auch beobachtet: bei Schmetterlingen, die binnen weniger Generationen ihre Flügel an die je nach Umweltverschmutzung verfärbte Birkenrinde anpassen oder bei Schneemäusen, die durch Klimaänderung kleiner werden; und vor wenigen Jahren wurde in Thailand sogar die Entstehung einer neuen Elefantenart belegt. Ebenso kann die Gravitation beobachtet werden, wenn auch nicht, indem Gläubige über den Rand der Welt geschubst werden.

Evolution ist also Fakt. Und wir müssen alles daran setzen, den Wahnsinn der "alternativen Fakten", der Religion, nicht allein bezüglich Schöpferglauben zu beenden.
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