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Gründau: 300.000,-€ zum Fenster rausgeworfen
Main-Kinzig-Kreis - Gründau
Geschrieben von: Hartmut Barth-Engelbart
am: Freitag, 28. Oktober 2016 um 01:34 - Gelesen: 5865 mal

 

Was haben Georg Büchner und der Hessische Landbote mit der Alten Schule, der Verschleuderung von Gemeineigentum und dem geplanten neuen Dorftreff in Mittel-Gründau zu tun.

 

Die Gemeinde Gründau hat                  140.000,-DM für den unnötigen Rückkauf der Schule vom MKK bezahlt, der Kreis hätte die Schule kostenlos zurückgeben müssen

Die Gemeinde Gründau hat                  100.000,-€ und mehr für die Sanierung der durch den MKK verursachten Bauschäden bezahlt, die der Kreis als Verursacher hätte bezahlen müssen

Ein Baugrundstück im Wert von rund 200.000 € hat die Gemeinde dem Kreis geschenkt für den Bau einer neuen Schule

­­­­­­­­­­­­

 

Es sind also auf der Sollseite des Gemeindehaushalts deshalb mindestens  400.000,-€ zu veranschlagen (wenn nicht mehr, denn für DM: € gilt eher als 1:1 als 2:1)

Dazu kommen noch rund                                                                                        200.000,-€ Eigenleistung für einen neuen Dorftreff

Ausfall von Mietzahlungen für die Sozial-Wohnung

im Feuerwehrhaus seit 2003 200,-€ monatlich                                                     31.200,-€

Glockenausbau und Stabilisierung des Feuerwehrturmes &

Glockeninstallation, Umzug der Schleiereulen, Einbau von Nisthilfen ca.      100.000,-€

Umzug der Krabbelgruppen in den Kindergarten,                                

Herrichtung entsprechender  Räume rund                                                             20.000,-€

Umzug der Leihbücherei                                                                                                   ???,-€

_________________________________________________________________________

Das macht zusammen mindestens ein Soll von                                                    750.000,-€

 

Den Mittel-GründauerINNEn wurde der Dorfmittelpunkt genommen. Und trotz des Verkaufspreises für die Alte Schule von rund 150.000,-€  bleibt so ein finanzieller Verlust  von mindestens 300.000,-€, wenn man die Ausgabe von 200.000,-€ für einen neuen Dorftreff als Immobiienzugewinn für die Gemeinde anrechnet.

Die Angaben hier sind nur Schätzungen. Notwendig wäre eine Untersuchung durch den Ortsbeirat. Hier müssten alle Daten von der Gemeinde vorgelegt werden.

 

 

Georg Büchner hat 1834, also 4 Jahre nach den Oberhessischen Bauernaufständen und dem fürstlichen “Blutbad von Södel” Kontakt mit den überlebenden Anführern der Oberhessischen Bauernaufstände aufgenommen, um sie bei Ausbildung und Bewaffnung für eine kommende demokratische Revolution unterstützen. Ein Mittel dazu war der “Hessische Landbote”. Der wurde heimlich in einer Offenbacher Druckerei hergestellt und dann über den “Flaschenhals”, die “engste Stelle” des Kurfürstentum Hessen-Kassel geschmuggelt, der die beiden Teile des Großherzogtums Hessen-Darmstadt voneinander trennte: mit Fischerbooten nachts über den Main über Rodenbach, Neuenhasslau durch eine Kinzigfurt an Rothenbergen vorbei an den Grenzübergang Mittel-Gründau. und dort in den Hof des Tobias Meininger, durch dessen Bauerngarten über den Mühlbach nach Vonhausen — auf den Schleichwegen, die Valentin Senger in seinem Roman “Die Buxweilers” beschreibt, nach Gießen.

Gerade dieser Bauerngarten wurde später von Tobias Meininger für den Bau eine großen neuen Dorf-Volksschule gespendet. 1878 war die Grund-und Hauptschule fertig.

Finanziert ausschließlich mit den Spenden der Mittel-Gründauer Kleinbauern, Handwerker, Wanderarbeiter, Mägde und Knechte ….Die größte und schönste Schule weit und breit.

Die Sanierung dieser Alten Schule hätte 2003 keine 150.000 € gekostet. Jetzt hört man,. die Gemeinde sei bereit 200.000,- € Eigenanteil für einen viel zu klein geplanten neuen Dorftreff zu zahlen.

Aber erst Mal zurück zu Büchners “Hessischem Landboten”:

Das tragische am Hessischen Landboten war schon, dass die Klein-Bauern, die Handwerker und WanderarbeiteINNEN den Boten gar nicht lesen konnten und man die Schriftgelehrten, die sich auf ihre Seite stellten systematisch liquidierte, so wie den Schriftführer der Oberhessischen Bauernaufstände, den Mittel-Gründauer Lehrer Paul Nagel, der erst Jahre im Büdinger Zuchthaus krank gemacht wurde, Berufsverbot erhielt, als verschollen galt und sich bis 1854 mit Knechtsarbeit über Wasser halten musste. Bis er dann 1854 das Geld für die Auswanderung zusammengespart hatte…

Paul Nagel hatte schon 1830 die Aufständischen Oberhessischen Bauern für die Pressefreiheit gewinnen können, jedoch meinten die Bauern zunächst, es handele sich um eine Forderung gegen ihre Auspressung durch den Feudaladel.  Was Presse ist, wussten die meisten gar nicht und lesen konnten sie fast alle nicht. Als Paul Nagel ihnen das mit der Pressefreiheit dann doch erklären konnte, waren sie dann auch DAFÜR. Sie haben es sich zu Herzen genommen und  begonnen, für den Bau einer neuen Dorfschule zu sammeln, schon vor 1848 … Dann wurden sie für ihre führende Teilnahme an der 1848er Revolution nicht nur mit Zuchthaus und Zwang zur Auswanderung bestraft, Die Überlebenden und Hiergebliebenen wurden mit der Schließung der Schule bestraft. Es gab über zwei Jahre keinen Unterricht. Die Mittel-Gründauer Bauern mussten in Fronarbeit der Toreingang zur fürstlichen Domäne bauen (1852). Die Bauern haben sich gerächt: sie sammelten weiter für ihre Schule – totz bitterer Armut im Dorf. 1878 war es so weit: einer der überlebenden Anführer des oberhessischen Bauernaufstandes von 1830 stiftete seinen Bauerngarten die- und jenseits des Mühlbaches gegenüber des Back- und Feuerwehrhauses für den Bau einer großen, neuen Schule . Mit Gail’schen Edel-Klinkersteinen an der Sichtfont zur Kirchgasse und mit selbstgebrannten Ziegeln, den  “Meddel-Grinner Russe-stoa”- (so genannt wegen der Ruß- und Glasschichten in den Ziegeln, an denen noch heute manche Schlagbohrmaschine scheitert). 1879 war die Schule fertig, die größte und schönste im weiten Umkreis: eine Volksschule, eine Grund- und Hauptschule bis in die 1960er Jahre. Leider wurde die von der “Initiative Alte Schule” vor dem Abriss gerette Alte Schule vom Schulträger Main-Kinzig-Kreis unter Umgehung der gesetzlichen Vorschriften nicht an den Besitzer, die Gemeinde Gründau zurückgegeben, sondern  nahc Inkrafttreten eines neuen Gesetzes an die Gemeinde Gründau gegen 140.000 DM verkauft, nachdem die Gemeinde dem Kreis ein Grundstück für eine neue Grundschule geschenkt hatte. Die Gemeinde hätte “wegen erwiesenem Undank” und der hinterlistigen Täuschung (als Finanz-Aufsichtsbehörde hätte der Landrat die Gemeinde daran erinnern müssen, dass sie ihre Alte Schule nach noch bis 1994 geltendem alten Schulgesetz gegen Antrag unentgeltlich vom Schulträger zurückerhält).

Für knapp 10 Jahre stellte dann zunächst der Main-Kinzig-Kreis und nach Rückkauf die Gemeinde Gründau der “Initiative Alte Schule” das auf IAS-Initiative unter Denkmalschutz gestellte alte Schulhaus für den Betrieb einer Leihbücherei, eine Hausaufgaben- und Nachhilfe zum Selbstkostenpreis,  eine dörfliche “Volkshochschule” zur Verfügung: Sparchkurse (Italienisch, Spanisch, Französisch, Englisch, Griechisch, Deutsch für Einwanderer und Spätaussiedler..), Dorfkino, Erzählabende, die Back(-haus-)feste ,Geburtstagesfeste, Konfirmationsfeiern, Reparatur-Café, Krabbelgruppen, Betreuungsschule, Geburtsvorbereitung, Rückenschule, Kreativ-Kurse, musikalische Früherziehung, Sexual- ud Drogenberatung, Bewerbungsschulung, Vorbereitung für die Bundeswehrbewerbungen, Kriegsdienstverweigerungsberatung, Fahrradwerkstatt, Jugendzentrum, Spielabende, SeniorINNentreffs, Sozialberatung,

2003 war das “Wunder von Mittel-Gründau” vorbei. Die Gemeinde verkaufte nach der rund 100.000 € teuren Sanierung der durch den Kreis verursachten Bauschäden (Hausschwamm) die Alte schule an Privatleute für 140.000 €.

Übrig geblieben sind von den Gründungen der IAS: die Krabbelgruppen (im Exil im zu engen Kindergarten), die Betreuungsschule dann in Containern, eine Zeit lang die Englisch-Kurse in privaten Garagen, die musikalische Früherziehung (im Kindergarten), die große Leihbücherei (in einer ehemaligen Sozialwohnung im (neuen) Feuerwehrhaus. die nicht barrierefrei nur über Treppen zu erreichen ist und mittlerweile aus allen Nähten platzt) und die Erzählabende (jetzt im Nebenraum der Mehrzweckhalle, im sogenannten “Pfannmüller-Saal).

Seit verkauf der Alten Schule und seit der Schließung der traditionellen Dorfgaststätte “Stenger/Heiss” gibt es keine Dorftreff mehr.  Jetzt denkt die Gemeinde an einen neuen Dorftreff im Rahmen der Dorferneuerung: Kosten zwischen 200.000 und 300.000,-€. der Standort ist noch nicht klar und die Finanzierung ist noch noch sicher, denn auch wenn die Planung eines Anbaues an die Mehrzweckhalle von der Gemeinde gegen Anlieger-Widerstand und Widersprüche durchsetzen würde, läge der neue “Dorftreff” außerhalb de Förderareals, der sich auf den historischen Kern des Dorfes beschränkt und weit ab vom Dorfmittelpunkt und dem geschützten Ensemble um die Alte Schule und das Backhaus.. Die Gemeinde, die gegenüber Fragen zur Nutzung des historischen Heldmann-Bahnhofs als generationenübergreifendes Repair-Café und Betreutes Jugendzentrum nur mit mangelnden Mittel argumentierte und sich den Bahnhof vor der Nase wegkaufen lies (wo im Nachbarkreis Jugend- und Kulturzentren entstanden: Bleichenbach, Stockheim, Glauburg usw ..), hat plötzlich so viel Geld, um zwei Drittel der Bausumme für einen neuen (und jetzt schon absehbar zu kleinen) Dorftreff aufzubringen.

Die Sanierung der Schule hätte Ende der 90er/Anfang der 2000er mit Mitteln der EU, des Denkmalschutzes und aus Mitteln des Bauschäden-verursachenden Kreises (die gemietete Sache ist in ordentlichem Zustand zurückzugeben!!) finanziert werden können. Die Gemeinde hätte 100.000,.-€ gespart, Die Alte Schule hätte die Gemeinde schulgesetzmäßig kostenfrei zurückbekommen, wenn der Kreis seiner Fürsorge- und Aufsichtspflicht nachgekommen wäre und Bürgermeister Georg Meyer  mit eine (nach vorliegenden Gutachten erfolgssicheren) Klage die Rückgabe eingefordet hätte.. Die Gemeinde hätte 140.000,-DM gespart.  Der Verkauf der Alten Schule war mit 140.000,-€ ein Verlustgeschäft, denn die Alte Schule hatte die Gemeinde bereits über 170.000,-€ gekostet.  Als Verlust in diesem Zusammenhang muss der Bau der (bereits zu kleinen und nicht aufstockbaren) neuen Schule verbucht werden, denn hierfür hat die Gemeinde völlig grundlos dem undankbaren Main-Kinzig-Kreis ein über 2.000 Quadratmeter großes Grundstück im Wert von ca. 200.000,-€ geschenkt. Wären also mindestens 350.000,- €, die die Gemeinde Gründau auf Kosten der Bevölkerung in den Sand gesetzt hat. Und jetzt für fast die gleiche Summe ein neuer Dorftreff mit allen oben angeführten Fragezeichen…

 

Ach, noch etwas: die Aktiven der IAS wurden im Main-Kinzig-Kreis vom Nachfolger Georg Meyers auf dem Stuhl des Schulimmobilien-Verantwortlichen in Kreis-Schulamt als Spinner hingestellt, als sie die Erhaltung der Alten Schule auch mit dem Argument forderten, dass für den Fall wachsender Kinderzahlen, sie die alten Schulräume als Ausweichquartiere bevorraten wollten. Keine zwei Jahre später war es so weit. Die ersten Klassen mussten wieder in der Alten Schule untergebracht werden. Dank der IAS war das möglich. Der Name des Georg-Meyer-Nachfolgers ist mir entfallen.

 

Noch was: warum der Altbürgermeister Meyer die Alte Schule als  selbstverwaltete Volkshochschule nicht dulden wollte, hat nicht nur parteipolitische, ideologische Gründe: er war vor seiner Zeit als Bürgermeister im Schulamt des Kreises für die Unterhaltung aller Schulimmobilien verantwortlich. Unter seiner Regie wurden die Gewölbe-Keller unter der Alten Schule zugemauert und so der Hausschwamm gezüchtet. Im Grunde genommen hätte man hier eine Schadens-Haftung ermitteln müssen.  Hat man unter seiner Regie als Bürgermeister natürlich nicht.  Um die Sanierungskosten  zu drücken, wurde eine Firma beauftragt, die dann -wohl unter Kostendruck des eigenen Billigangebotes die Hausschwammsanierung bei offenen Fenstern mit Sandstahl durchführte. Die in direkter Nachbarschaft liegenden Wohnungen mit offen Kinderzimmerfenstern wurden so mit Hausschwamm kontaminiert, abgesehen von den Bauarbeitern, die ohne jeglichen Schutz arbeiten mussten. Erst durch nachbarschaftliche Hilfe, Benachrichtigung der Gewerbeaufsicht und Baupolizei, konnten die Arbeiter dann in Schutzanzügen und mit Gasmasken weiterarbeiten, nachdem sie alle Fenster staubsicher versiegelt hatten. Diese nicht im Angebot liegenden Maßnahmen dürften den Preis der Sanierung der durch Georg Meyer mitverursachten Bauschäden erheblich nach oben gedrückt haben.

 

Aber nun aus den Niederungen der Provinz-Kommunalpolitik zurück zu Georg Büchner im Jahre 1834: weiter geht es hier: http://www.barth-engelbart.de/?p=155050

 


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