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Lions-Club informiert sich über Flüchtlingssituation im MKK
Main-Kinzig-Kreis - Bad Orb
Geschrieben von: Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit LIONS-Club Bad Orb-Gelnhausen (1962)
am: Montag, 10. Oktober 2016 um 14:57 - Gelesen: 4812 mal
Rainer Hinze (links) hielt beim Lions-Club Bad Orb-Gelnhausen einen interessanten Vortrag „Zur Flüchtlingssituation im MKK“ (rechts) Clubpräsident Klaus-Peter Niehof.
Für den Lions-Club hatten Past-Präsident Klaus Vogt und Präsident Klaus-Peter Niehof als Referenten in den Clubabend Rainer Hinze eingeladen. Diplom-Pädagoge Rainer Hinze ist seit 1995 im Diakonischen Werk des Kirchkreises Gelnhausen tätig, in den letzten Jahren in der Flüchtlingsberatung mit Schwerpunkten „Asyl- und aufenthaltsrechtliche Beratung“. Er berät einzelne Flüchtlinge, Asylsuchende sowie Gemeinden und Einrichtungen.

In seinem Vortag „Zur Flüchtlingssituation im Main-Kinzig Kreis“ ging er beispielsweise auf folgende Schwerpunkte ein:
Die Entwicklung der Asylanträge in Deutschland,
Die zugangsstärksten Herkunftsländer,  
Unterbringung der Flüchtlinge im MKK,
Aufnahme pro Woche im 1. Quartal 2016,
Aufnahme Aktuell Sept. 2016,  
Zum Kirchlichen Engagement in diesem Bereich.

Die Entwicklung der Asylanträge in Deutschland:
Die Zugangszahlen sind von 2001 bis 2007 gefallen und steigen seitdem wieder an.
2014 hat es ca 173.000 Asylerstanträge gegeben (mit Familienangehörigen knapp 203.000). Für 2015 wurden die offiziellen Zahlen immer wieder nach oben korrigiert: man sprach zuletzt von über 1.000.000 Flüchtlingen.

Laut BMI wurden 2015 beim BAMF 441.899 Asylerstanträge gestellt (+ 135% gegenüber 2014). Mit FA lautet die Zahl 476.649. - Die Zahl der tatsächlichen Einreisen von Geflüchteten ist sicherlich wesentlich höher, s.o. – viele wurden nicht registriert und viele blieben/bleiben auch nicht in Deutschland, da sie z.B. nach Schweden wollten.

Aktuell: 2016 rechnet das BAMF offiziell mit 300.000 Asylanträgen.
Damit nimmt Deutschland zwar in absoluten Zahlen die meisten Flüchtlinge auf, aussagekräftiger ist es aber, diese Zahlen ins Verhältnis zur Einwohnerzahl zu setzen: Zahlen Nov. 2015 (Quelle DPA/Eurostat und FR): Zahl der Asylsuchenden pro Mio EW : Ungarn = 17961, Schweden = 15248, Österreich = 9421, Finnland = 5577, Deutschland = 5276.

Die zugangsstärksten Herkunftsländer
Im MKK sind dies die Länder Syrien, Afghanistan, Irak, Eritrea, Pakistan, Albanien, Somalia, Iran, Äthiopien. Insgesamt leben Flüchtlinge aus 43 Nationen im MKK. Es ist wenig Fantasie notwendig zu erkennen, worin die Hauptmerkmale dieser Länder bestehen: Krieg oder Bürgerkrieg, zerfallene Staaten (Horn von Afrika) oder langandauernde Sicherheitsprobleme, die Menschen zur Flucht zwingen (Afghanistan, Pakistan, Irak).

Unterbringung der Flüchtlinge im MKK:
Ende 2015 lag die Zahl der Aufnahmequote bei etwa 5500. Aktuell im Sommer 2016 dürfte die Zahl bei etwa 6000-7000 Personen liegen.
Die Unterbringung von Flüchtlingen im MKK erfolgt zu ca 70% in Wohnungen, ca 30% in Gemeinschaftsunterkünften (GU)
Seit 11.08.2015 wird in Hanau-Wolfgang die GU „Sportsfield-Housing“ in Trägerschaft der Stadt Hanau belegt. Im MKK gibt es etwa 17 Gus, bisher drei davon in GN, die jüngste wurde im ehem. Kreiswehrersatzamt eröffnet („Vor der Kaserne 4“).
Die MKK-eigene GU Hof Reith in Schlüchtern wurde im Dezember 2015 von 160 auf jetzt etwa 220 Plätze erweitert.

- Aufnahme-Quote von Flüchtlingen wird vom Kreisausschuss MKK festgelegt und aktualisiert. Jede Gemeinde und Stadt muss zusätzlich Flüchtlinge aufnehmen, was dazu führt, dass regelmäßig geeigneter Wohnraum fehlt.

- Aufnahme pro Woche: im 1.Quartal 2016 lag die Zahl der Neuaufnahmen pro Woche bei ca 150-200 Personen (teilweise über 200)! Inzwischen ist diese Zahl wieder gesunken auf ca 50-60 Personen. Ein Teil davon wird in der MKK-Erstaufnahme Hof Reith (Schlüchtern) aufgenommen und anschl. in die Kommunen verteilt; der größere Teil wird direkt in den Kommunen dezentral aufgenommen. Seit Juli 2015 gibt es einen hauptamtlichen Sozialarbeiter im Hof Reith, Julian Lapp, mit dem ich zusammenarbeite.

- In der Erstaufnahme in Gießen: Belegung war zeitweise ca. 20.000 Personen (in allen hess. Erstaufnahmeeinrichtungen), täglicher Zugang Anfang 2016 bis 700 Personen (PE Hess Sozialministerium 19.1.16). 2015 entstanden 3 neue Erstaufnahmeeinrichtungen in Neustadt, Rotenburg/Fulda und Büdingen, dazu 37 HEAE-Außenstellen! Zeitweise gab es Aufnahmen von anderen Bundesländern, da dort kurzfristiger Aufnahmestopp bestand. Längere Wartezeit wegen überlasteter Verwaltung (Asylantrag und ärztliche Untersuchung). Seit Mitte 2014 werden vermehrt Flüchtlinge den Kreisen zugewiesen, bevor sie Asylantrag gestellt haben, was neue Probleme verursacht. Dies war zeitweise und bis vor kurzem die Regel: Weiterleitungsbescheinigung („BüMA“).Aktuell ist auch hier Entspannung eingetreten.
- Hessen nahm 2015 etwa 80.000 Flüchtlinge auf – 2016 wird mit etwa 60.000 gerechnet (seit April 2016 beträgt der Zugang nach Hessen etwa 1200 Personen monatlich; zum Vergleich: im Nov 2015 waren es über 15.000 Personen!).

- Aufnahme aktuell Sept. 2016:

das BAMF versucht, möglichst bald alle Flüchtlinge zu registrieren. Für den MKK ist das BAMF in Büdingen zuständig. Das BAMF Gießen wird zum sog. „Ankunftszentrum“ umstrukturiert, mit Ziel Beschleunigung des Asylverfahren; 4 sog. „Entscheidungszentren“ in Deutschland, davon eines in OF, wo nur „entscheidungs-reife“ Asylanträge entschieden werden.

- Zum Kirchlichen Engagement in diesem Bereich
Die Kirche kann viel tun und sie tut auch viel!
Ende November 2015 hat die Synode der EKKW bekannt gegeben, 1 Mio € für die Flüchtlingsarbeit bereit zu stellen, damit soll u.a. das ehrenamtliche Engagement und Projekte vor Ort gefördert werden.
Es gibt inzwischen eine Vielzahl und auch Vielfalt an Runden Tischen im MKK, wo es aus meiner Sicht viel gute und enge Zusammenarbeit zwischen den Verwaltungen und beteiligten Kirchengemeinden gibt.
Was sich auch entwickelt hat, ist ein großes Ehrenamtlichen-Engagement, das sehr vielfältig ist, aber auch ziemlich unüberschaubar geworden. Da gibt es
- Integrationslotsen. Inzwischen über 100 Personen mit über 40 Sprachen, die eine Basisqualifizierung vom MKK erhalten haben.

- „Ehrenamtliche Sprachmittler“. Hier nahmen 80 Personen am Methodenseminar „Deutsch als Fremdsprache unterrichten teil“
- Manche Kommunen haben eigene Integrationskonzepte oder sind dabei, diese zu entwickeln. Die Kommune Hasselroth hat eine örtliche Flüchtlingsbetreuung eingestellt. In Freigericht gibt es seit Mai 2015 ein Modellprojekt „Flüchtlings-begleitung vor Ort“, mit Beteiligung der KG und des KK Gelnhausen: eine beim Caritasverband angestellte hauptamtliche sozialpädagogische Fachkraft kümmert sich um die Betreuung der Flüchtlinge und übernimmt auch die Koordinierung und Anleitung der Ehrenamtlichen. In Wächtersbach besteht seit Sommer 2015 eine Kooperation zwischen dem DW und der Stadt, was die Koordinierung von ehrenamtlich Engagierten betrifft.

- In einem Bereich hat sich viel getan, der für mich als Flüchtlings-Berater zwiespältig ist: das Kirchenasyl! Wenn es „bessere“ Gesetze und eine gerechtere Verteilung von Flüchtlingen in Europa oder legale Zugangswege auch für Asylsuchende in die EU gäbe – Stichwort ist hier ein „Resettlement-Programm“, was auch von der Landessynode gefordert wird - müsste es nicht so oft zu KA kommen. Andererseits ist KA nicht ohne ein großes kirchliches (auch interkonfessionelles) Engagement möglich. Immer mehr KV informieren sich nach KA, da ein Gespür dafür entstanden ist, dass es vor Ort jederzeit passieren kann, dass es von Abschiebung bedrohte Flüchtlinge gibt, denen durch KA Hilfe zu Teil werden kann. – Beispiele im KK Gelnhausen: KA in Biebergemünd (bis Dezember 2015), Linsengericht und Gelnhausen (bis Januar/Februar 2016).

So erfreulich und notwendig diese Welle der Hilfsbereitschaft und das vielfältige ehrenamtliche Engagement innerhalb und außerhalb der Kirche auch ist, um Flüchtlingen die Integration in unsere Gesellschaft zu erleichtern, dieses Ehrenamt braucht Anleitung, Koordination und Begleitung. Um es deutlich zu sagen: Ehrenamt wird kaum gelingen ohne Arbeit, Kosten und Mühe! Nicht alles, was gut gemeint ist, ist auch wirklich hilfreich, und nicht nur Asylsuchende und Flüchtlinge benötigen Unterstützung!
Arbeit mit Ehrenamtlichen braucht ein Konzept, dauerhafte fachliche Begleitung und Möglichkeiten zum Austausch.

Weitere Infos siehe
http://www.diakonie-gelnhausen.de/content/fluechtlingsberatung.html
 
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