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Mühlengeschichte im Eichelbach
Kreis Gießen - Hungen
Geschrieben von: M. Egloff
am: Donnerstag, 09. Oktober 2014 um 23:49 - Gelesen: 4543 mal

 

 

                    

Mühlengeschichte im Eichelbach

 

Die Aussage eines Besuchers von Anneroses „Narzissenblüte“ im Frühjahr war der Anstoß zu dieser Mühlenmodellausstellung im und am Eichelbach, der durch das Grundstück der Schröder fließt. Der Modellbauer und Drechselhandwerker Manfred Egloff aus Ober- Mockstadt nahm diese Herausforderung an. Nach einem Probelauf mit 4 Mühlenmodellen am „Tag der Offenen Gartenpforte“ im Sommer waren nun während der „Dahlien- und Herbstschau“ von Annerose und Bernd Schröder ein Duzend Mühlenmodelle zu bewundern. Egloff’s Anliegen ist es, Modelle zu bauen, die einzig mit den Naturelementen Wasser und Wind angetrieben werden. 

Auf der Brückenmauer waren die Windmühlen postiert, da im Graben des Eichelbachs wenig Wind aufkam. Für die „ Moulin Rouge“, welche im gleichen Jahr wie der Eifelturm gebaut wurde, stand offenbar eine Rote Mühle Pate, Moulin Rouge wurde und wird für verschiedenste Veranstaltung genutzt. Die modernste Form von Mühlen ist die Windkraftanlage. Die Literatur belegt, dass aber schon Ende des 19. Jahrhunderts ein Engländer mit einem Windrad auf einem 10 m.- Mast Strom zur Speisung seiner Akkumulatoren in seinen Schrebergarten erzeugte. Ein weiteres Modell zeigte ein historisches „Amerikanisches Rad“, welches mit einem 30 blättrigen Windrad über eine Welle zum Boden eine Hubbewegung erzeugte und damit Pumpen zur Förderung von Wasser antrieb. Alle Windmühlenmodelle sind zwar mit einem Getriebemotor ausgestattet, um es auch mit Batterie betreiben zu können. Die Getriebe waren deaktiviert, alle Windmühlen drehten sich mit Windkraft. In den Fluten des Eichelbachs drehte sich auch ein Wasserrad, welches über ein in der Mitte um 90 ° umgelenktes 4 m- Gestänge an einem Gradierwerk die Pumpe in Bewegung setzte. Diese Energieübertragung fand Anwendung vom Schalheimer Rad zum 1,5 km entfernten Gradierwerk in Bad- Nauheim und von Kohden an der Nidda über den Berg nach Bad- Salzhausen. Diese Technik ist nicht neu, schon die Ägypter trieben zu Zeiten des Pyramidenbaus mittels riesiger Wasserräder und Pleuelstangen große Steinsägen an. Wasserförderung mittels eines Schöpfrads, angewandt zur Bewässerung von Äckern und Wiesen. Am Wasserrad angebrachte Kübel schöpften im Fluß Wasser und entleerten sich am höchsten Punkt in einen Auffangbehälter, um es in einem Gerinne weiterzuleiten. Die Schaufel einer Elb- Schiffsmühle, gebaut nach einerm Gemälde aus dem Jahr 1784 zeigte eine weitere Form der Mühlenarten.

Die im Jahr 1704 gebaute Ginsheim- Gustavsburger Schiffsmühle mit zwei seitlichen Schaufelrädern, die bis Anfang des 20. Jahrhunderts als Mühle in Betrieb war,  wurde im 2. Weltkrieg von den Alliierten durch eine Bombe zerstört. Ein Modell der 2011 nachgebauten, wieder am alten Standort im Rhein liegenden Schiffsmühle, lag ebenfalls im Eichelbach vor Anker. Ein großer Windflügel an einer Archimedischen Welle, genannt „Fluttermühle“, das war eine Erfindung der Holländer im 17. Jahrhundert und diente zur Be- und Entwässerung der Polder. Die Flutter waren die ersten bekannten mobilen Windmühlen. Auch das Flutter-Modell tat seine zweckbestimmte Arbeit, eben nur im Eichelbach. Nach einem Gemälde des Heimatmalers Willi Simon entstand das Modell der Eichelsachser Grundmühle. Die Mühle selbst, die 500 m flussabwärts außerhalb des Orte steht, stellte nach dem 2. Weltkrieg, wie so viele andere Mühlen auch, ihren Betrieb ein, das Mahlwerk wurde heraus genommen, ist seit dem ein Landwirtschaftlicher Betrieb. Das Wasserrad des Modells jedoch drehte sich aber munter in den Fluten des Eichelbachs. 

Das Modell einer Göpelmühle drehte sich ebenfalls auf der Brückenmauer, ausnahmsweise batterieangetrieben. Muskelkraft, Pferde, Ochsen, auch der Mensch mussten da mal herhalten, waren überwiegend die Antriebskraft dieser Mühlen. An diesen Mühlen wurde auch das Maß PS für Pferdestärken festgelegt.  Wer wollte, konnte sich auf einem im Hof aufgebauten Reibstein sein Mehl mahlen, so wie es vor zwanzigtausend Jahren unsere Vorfahren gemacht haben. Später entwickelte sich das Handmahlwerk mit einem unten liegenden festen und einem sich drehenden Läuferstein, was das Mahlen erheblich erleichterte. Ein Handmahlwerk durfte nicht gepfändet werden, da es der Grundversorgung eines Menschen diente. Auch ein solches Handmahlwerk konnten die Besucher ausprobieren.

Es lag wohl an der Kombination Anneroses Dahlien- und Herbstschau und der Freilicht- Mühlenmodellausstellung von Manfred Egloff, die massenhaft die Besucher aus Nah und Fern  in den Vogelsbergort Eichelsachsen zogen. Sicher hat auch der Wettergott mitgespielt, an beiden Tagen herrschte sonniges Ausflugswetter. Eine Fortsetzung dieser Ausstellung in Eichelsachsen ist auch schon terminiert, auch andere Interessenten wollen diese mobile Mühlenmodellausstellung als Programmpunkt bei ihren Veranstaltungen anbieten.

 

Bildbeschreibung:

 

20140927_181346

Nicht nur den Kleinen machte das Mehlmahlen an der Handmühle spaß.

 

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Die Schiffsmühle von Ginsheim- Gustavsburg

 

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Die Grundmühle Eichelsachsen nach einem Gemälde nachgebaut.

 

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Auf der Mauer drehten sich Moulin Rouge, eine Windkraftanlage und ein Historisches Amerikanisches Rad; ganz rechts eine Göpelmühle.

 

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Viele Besucher begaben sich in das Bachbett des Eichelbachs, um die Mühlen aus der Nähe in Aktion zu sehen.

 

20140927_131729   Das hölzerne Wasserrad link mit dem Gestänge zu einem Gradierwerk zeigt die Arbeitsweise sowohl in Bad- Nauheim als auch in Bad-
Salzhausen. Rechts ein Wasser- Schöpfrad.

 

20140927_131635  Elbschiffsmühle, nach einem Gemälde um 1784 nachgebaut.


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