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JeKi auch noch für Schulanfänger?
Kreis Gießen - Grünberg
Geschrieben von: Bernd Niesner Musikschule Grünberg
am: Montag, 24. März 2014 um 09:33 - Gelesen: 5944 mal
 Musik- und Kunstschule Grünberg befürchtet die Einstellung von JeKi  

Jeden Donnerstag treffen sich die 11 JeKi Orchestermitglieder zur gemeinsamen Probe.

Es ist schon eine einzigartige Instrumentierung, wie sich das  JeKi-Orchester zusammensetzt:

Drum Set, Snare Drum, Chime Bar, Klavier (vierhändig gespielt), Euphonium, Violine, und vier Keyboards. Da hat es die Violine schon mal schwer, dem Drum Set akustisch gleich-zukommen.  Aber kein Problem, nach Anweisung des Orchesterleiters Andreas Kühr können die Schlagzeuger auch leise spielen. In dieser Probe wurde am Musikstück „Bella Bimba“ gearbeitet. Die Orchesterliteratur, die es für diese Besetzung nicht zu kaufen gibt, hat Andreas Kühr in seinen Unterrichtsvor- und nachbereitungen mit viel Zeitaufwand auf die Fähigkeiten und Vorlieben der einzelnen Musiker/innen auf jedes Instrument einzeln abgestimmt.

Geniale Voraussetzung für eine erfolgreiche Orchesterarbeit bietet der Probenraum, die große Musik-Aula, die mit Tageslicht durchflutet ist.

An den Wänden hängen Plakate von großen Orchesterbesetzungen, Benennungen von unterschiedlichen Musikinstrumenten, von dynamischen Zeichen und Fachausdrücken in

der Musik. Ein umfangreiches Instrumentarium lädt zum Ausprobieren ein.

 

Wie kommt es, dass 11 junge Musiker/innen sich zum gemeinsamen Musizieren finden?

 

Das Programm „Jedem Kind ein Instrument“ (JeKi) wurde im Jahr 2007 von der Kulturstiftung des Bundes, dem Land Nordrhein-Westfalen und der Zukunftsstiftung Bildung in der GLS Treuhand e.V. unter Beteiligung der Kommunen des Ruhrgebiets, privater Förderer und der teilnehmenden Familien als Kooperationsprojekt der Kulturhauptstadt RUHR.2010 initiiert.

Gerne schauen verantwortliche Politiker in andere oder benachbarte Bundesländer und holen bzw. kopieren solche und vergleichbare Programme in ihr Bundesland.

 

So startete zunächst eine Pilotphase von JeKi im Jahr 2010 in Hessen. 70 hessische öffentliche Musikschulen, die dem Verband deutscher Musikschulen angehören, starteten gemeinsam mit den ortsansässigen Grundschulen in Kooperationsarbeit die Pilotphase des Programms „JeKi“.

 

Klassenweise wurden Musikinstrumente angeschafft, die zu Demonstrationszwecken und Leihgaben den Schüler/innen der beteiligten Grundschulen zur Verfügung gestellt werden.

 

Die Federführung des Projektes liegt beim hessischen Kultusministerium in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Die administrative Durchführung übernimmt in deren Auftrag der Verband deutscher Musikschulen in Hessen.

Sinnvolle Vorgaben für den Musikunterricht in einer JeKi-Klasse durch  alle 4 Jahrgänge einer Grundschule wurden erarbeitet und festgelegt.

In den Jahrgängen 1 und 2 findet die Basis-Grundmusikalisierung und der Umgang bzw. das Kennenlernen von Musikinstrumenten statt. Im Jahrgang 3 sollen die Schüler/innen Musik praktisch auf dem Instrument in einer Gruppe erleben. Im Jahrgang 4 soll das Ensemble bzw. Orchester zentraler Bestandteil des Musikunterrichts sein.

 

Frau Haarhoff, Schulleiterin der Grundschule Sonnenberg Stangenrod und Bernd Niesner, Schulleiter der Musik- und Kunstschule Grünberg, sind sich einig, dass dieses Programm einen Gewinn für die Grundschüler garantiert.

Nach erfolgreicher Antragstellung der beiden Kooperationspartner Musik- und Kunstschule Grünberg/Grundschule Sonnenberg startete JeKi im Sommer 2010 an der Grundschule in Stangenrod - für alle Schulanfänger.

Einig ist man sich auch in der wortwörtlichen Ausführung des Programms: Jedem Kind ein Instrument (JeKi).

Wenn jedes Kind in der Grundschule ein Musikinstrument bekommen soll, dann muss der vorbereitende Musikunterricht der ersten beiden Jahrgänge für alle Schüler/innen kostenfrei sein. Hier genießen alle Schüler der Grundschule Musikunterricht durch ein Lehrertandem. Das Lehrertandem setzt sich aus einer Musiklehrkraft der Regelschule und einer diplomierten Lehrkraft (Elementare Musikpädagogik) der Musikschule zusammen.

 

Im 3. Jahrgang kommen vier weitere Musikschullehrer zum Einsatz, die die Grundschüler an ihren auserwählten Instrumenten unterrichten.

Diese Arbeit ist mit weiteren Kosten verbunden, die zum geringen Teil von den Eltern getragen werden. Daher ist die Teilnahme im 3. Jahrgang für die Schüler/innen freiwillig.

 

Im 4. Jahrgang kommt eine zusätzliche Lehrkraft der Musikschule zum Einsatz (Orchesterleitung). Die Teilnahme am JeKi - Orchester ist für die Schüler/innen dann wieder kostenfrei.

 

So kann die Zauberformel für erfolgreiche Bildungsarbeit mit jungen Menschen aussehen. Vorausgesetzt, es existiert eine strukturierte Musikschule mit qualifizierten Musiklehrern am Standort, die sich zum größten Teil selbst durch Unterrichtsgebühren finanziert.

 

Doch dann die Hiobsbotschaft aus der Landeshauptstadt Wiesbaden: die Gelder für JeKi in Hessen sollen gestrichen werden.

Dank unermüdlicher Gegenwehr des Landesvorstands des VdM Hessen in Wiesbaden, konnte das Aus für JeKi  in Hessen abgewendet werden. Jedoch einhergehend mit drastischen finanziellen Kürzungen.

 

Wie soll nun die erfolgreiche Arbeit JeKi fortgeführt werden, die übrigens bis dahin noch nicht im 4. Jahrgang angekommen ist, wenn nur noch ein geringer Teil der benötigen finanziellen Mittel zur Verfügung steht?

Gleiche Bemühungen, gleicher Aufwand mit einhergehendem Erfolg für weniger Geld?

Die neuen Schuljahre rücken nach, Schüler des dritten Schuljahres benötigen die Instrumente, die jetzt im 4. Schuljahr im Orchester eingesetzt sind. Es gibt aber nur einen Klassensatz an Instrumenten.

JeKi im 1. und/oder im 2. Schuljahr streichen?

Das JeKi - Orchester künftig nicht mehr anbieten?

 

Wir haben den Schülern und deren Eltern doch angekündigt, wie sich JeKi innerhalb der vier Schuljahre entwickelt. Eltern haben sogar Hochglanzflyer über den Ablauf von JeKi bekommen.

Wir Erwachsene erwarten von jungen Menschen, dass sie einhalten, was sie zugesagt bzw. angekündigt haben. Was passiert, wenn Erwachsene die Vorbildfunktion verlieren?

Was passiert, wenn aus „Programm“ plötzlich „Projekt“ wird?

 

Dank der finanziellen Zuwendungen der Sparkassenstiftung Grünberg und den fördernden Mitgliedern der Musik- und Kunstschule Grünberg konnte JeKi bisher nach den sinnvollen Vorgaben der Federführung erfolgreich fortgeführt werden.

 

Um den neuen Erstklässlern nach den Sommerferien 2014 JeKi weiterhin anzubieten, und den jetzigen Drittklässlern das weiterführende Orchester anzubieten, benötigt die Musik- und Kunstschule e.V. weitere finanzielle Mittel für das neue Schuljahr.

 

Es werden dringend private Sponsoren und Spender gesucht, die „JeKi“ unterstützen und somit einen wichtigen Beitrag für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft leisten.

 

Kontakt: Musik- und Kunstschule Grünberg, 06401 - 3350, info@musikschule-gruenberg.de

 

 
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